Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-12-11 · Heft 50 (11.12.1843) · p. Seite 741

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 50 (11.12.1843)
Date
1843-12-11
Page
Seite 741 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225332--05702-3236372
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

relts in Kenntniß gesetzt. Hier liegen die bei dem Feste gesprochenen Predigten selbst vor uns. Wir können sie beide, insbesondere aber die ausführlichere des vr- Salomen als meisterhaft bezeichnen. Die erste über Ps. 103, 1. 2. spricht zuerst den Dank aus über die Entstehung dieses Gotteshauses, das Predigt, deutsches Gebet und Gesang aufnahm, und über die Wirkung, welche der Tempel auf die anderen Gemeinden Deutschlands, den Gottesdienst zu veredeln, gehabt. Nachdem der Redner darauf den früheren Direktoren, dem frühem Prediger vr. Kley, und endlich dem vr. Salomon gehuldigt, laßt er sich über das aus, was noch zu erringen: Einheit nach innen und außen und das immer verstärkte Streben vorwärts und aufwärts. Die Predigt des Vr. Salon, on,. betitelt: „ich lebe und, erzähle, was mein Gott gethan (Ps. 118, 17.) oder: Betrachtung eines Wanderers am Ende der Laufbahn von iinem Vierteljahrhundert," stellt diese an über die Umstande, unter welchen er den Weg angetreten, wo er die Gleichgültigkeit, die in religiöser Beziehung vor 25 Jahren geherrscht,, schildert; über die Segnungen, die der Herr auf seinem 'Wege verliehen, wo er den gegenwärtigen" Zustand in Israel als vielversprechend und vielseitig gewonnen habend, und die segensreichen Wirkungen des Tempels für seine Besucher zeichnet; endlich über die Gefährten, dje die Wanderschaft mit ihm angetreten, -die ihn verlassen, die ihm geblieben, und schließt mit einem herzlichen Danke und heiligem Gelöbniß. Kräftig, ergreifend und rührend ist das ganze Wort,, das hier gesprochen worden. Eines hat uns jedoch mißfallen, welches wir nicht verhehlen werden. Daß der Hamburger Tempel Gutes gewirkt für den israelitischen Gottesdienst, wird Niemand in Abrede stellen. Allein in der Art, wie es hier geschieht, ist diese Ovation doch viel zu stark' aufgetragen. Wenn.es heißt: „der göttliche Geist dieses Hauses hat über ganz Israel sich verbreitet," „überall Licht und überall Leben und überall Streben Deinem Beispiel (des Hamb. Tempels) zu folgen!" „Seitdem deine Lehrer hier lehren, was gut ist und was Gott von uns fordert, seitdem ist Israel aus seinem Schlummer erwacht" — endlich gar: „die Lehrer in Israel haben Hmö das Geheimniß abgesehen und ahgelernt, ihre Gemeinden anzufeuern, daß sie vor- und aufwärts streben ff." — so können wir solche Stellen' nicht einmal der Jubelfreude Nachsehen. Dies ist Uebectceibung, dies iß Anmaßung, die wir, bei aller Wertschätzung, bei atler Hochachtung und Würdigung zurückw eifen Müs-. -sen. Gott sei Dank! Israel war und ist nie sa verwaist, daß seine Erhebung von einem lokalen Gottrs'- hause abhänge und ausgehe! Ä3o ist das Lehrhaüs für die „Männer des Geistes" in Israel, das mit dem Hamburger Tempel verbunden war? War der Hamb. Tempel die Universitäten und Rabbinerschulen, wo die jüngeren Gottesgelehrten Jsrael's gebildet wurden? Wir wollen den Hamb. Tempel nicht att den Vorwurf, de'ü Geiger ihm gemacht hat, erinnern, weil er auch übertrieben war, aber er muß ihm doch Bescheidenheit lehren. Wir wollen erinnern, daß man in Hamburg, ' als die vakante Predigerstelle besetzt werden sollte, sich sehr wunderte, daß man außerhalb Hamburgs auch predigen könne, so wenig bekümmerte sich Hamburg uttt das andere Israel. ' Und der Tempel hatte nicht einen einzigen Mann selbst gebildet, der sich um die vakante Stelle nur bewerben konnte! Man erinnere sich doch, daß in Seesen und Berlin noch vor Hamburg Tempel gegründet wurden, und daß es nur die äußere Gewalt war, die in Berlin und an anderen Orten die Bildung derselben verhinderte. Der, Tempel ist Hamburg war nur das Produkt des Geistes, cher, ohne den Hamb. Tempel, sich auch Bahn gebrochen hätte, und im Hamb. Tempel immer nur ein einzelnes Produkt hat. — Erfreulich war uns die Stelle (S. 31): „Eben so Feind dem Aberglauben, wie dem Unglauben, wollen wir zwar die Bestrebungen und Fortschritte der Zeit nicht aus der Acht lassen — wollen aber der herrschenden Denkungsart der Zeitgenossen, so sie zur Irreligiosität, zum antiken oder modernen Heidenthume sich neigt, mit aller Kraft entgegenarbeiten, so dieselben nicht mit der Lehre zu vereinigen stehen, die uns Mose geboten zum Erbe für die Versammlung Jakob's." — Es thäte wirklich Noch, daß man mit derselben Kraft, mit welcher man sich Befeindungen gegenüber, die ganz nahe aufttaten, erklärte, auch gegen Anfeindungen, die die ganze Religion Jsrael's betreffen, verfahre. — — Der segenvollr Beruf israelitischer Geistlichen und die Pflichten der Gemeinden gegen sie: Antcittspredigr von vr. Hekmann Jolowicz, israel. Prediger. Marienwerder 1843. Der israel. Geistliche ist berufen, das Wort Gottes dem Volke zu lehren, es mit der sittlichen ' Aufklärung des Zeitalters bekannt zu machen, zugleich aber vor des Zeitalters Entartung zu warnen; die Pflichten gegen den Geistlichen sind Ehrfurcht vor der Lehre Göttes und ' 50*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.