Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1843)
- Date
- 1843-12-11
- Page
- Seite 739 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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739 Ihr edle Vorsteher der zwei Ansichten, die Ihr Euch der Synagoge entfremdet habt, kömmt einmal selbst hin, und sehet ihren entstellten Zustand, und wie sie händeringend Euren Beistand fordert! Laßt Euch nicht von hören sagen, oder von der frommen Einfalt verleiten, die alles dort lobt, die Ordnung, den schönen Gesang rc. es ist nicht wahr! und wenn die Paar Leute es glauben, so überlasse man ihnen eine alte Synagoge; haben wir nur erst eine würdigere, so werden sie auch bald dahin eilen. — Ihr glaubt zwar durch das „Beim Alten lassen" den Frieden gesichert-zu haben; aber welchen Frieden? Ein Grabes-Friede, der die Verwesung aller religiösen Elemente verkündet; oder es 'ist nur eine Windstille, die dem nahen Sturm vorangeht. Denn wenn erst, durch den Verfall der Synagoge, die Andacht erloschen, der Bruderbund getrennt sein, und die Reue zu spät kommen wird, dann fragt das kommende Geschlecht: Warum haben . es die Väter dahin gebracht? dann kann eine Auflösung des Ganzen zum Unfrieden führen. — Setzen wir aber einmal die Wichtigkeit der heiligen Andacht bei Seite und fragen: Was bildet eine jüdische Gemeinde, was vereinigt die Glieder zu einem Ganzen? Reich und Boden haben wir nicht; Stadt und Staat bilden wir nicht; also, ist es doch nur — wie es der englische Israelit auch nennt — die Synagoge, die die Gemeinde bildet, die die Kraft besitzt, die verschiedenartigsten Interessen in sich aufzunehmen und auszugleichen; aber nur wenn sie'in gehöriger Würde dasteht; unsre kleinen von Außen und Innen verfallenen und geschmacklosen Gotteshäuser haben diese Kraft nicht, stoßen keine Ehrfurcht ein, sagen ihm nicht: Wisse vor wem du' hier stehst! Der Israelit hat jetzt allenthalben eine Stufe der Bildung erreicht, die uns an die spanisch-arabische Zeit erinnert. Er hat alle die lächerlichen Abzeichen abgeworfen. In seiner häuslichen Einrichtung, in seiner Kleidung, Sitten, Sprache, Manieren, und allen sozialen Verhältnissen, steht er, auch hier in Hamburg, dem Staatsbürger gleich; kommet aber einmal in unsere Synagoge, da seht Ihr Euch in ein ganz andres Jahrhundert versetzt; selbst die alte, zu seiner Zeit.genügende Andacht ist da verschwunden; der Geist ist verflogen, der verdorrte Körper ist geblieben, kann aber uns und -unsere Kinder nicht mehr fesseln. . - Als neulich das neuerbaute Krankenhaus dem Publikum geöffnet wurde, da strömte Alles, hin, und zollte dessen Begründung ungetheilten Beifall, und spendete Lausende von Gaben. Als endlich die Einweihung den hochlöbl. Senat, die übrigen Hönorationen, und die gebildete Klaffe dort hinführte, daließ sich Alles in Lob gegen uns aus. Eineder Weihe sehr angemessene Rede, von Einem.der Herren des Vorstandes gehalten, worin er auch die dort begründete Synagoge mit herzlichen Worten berührte, machte den tiefsten Eindruck auf die Versammelten, und Alle schieden mit dem Geständnisse, däß dieses Haus, eine Zierde für die Gemeinde, eine Zierde für die ganze Stadt sei. — Angenommen nun diese ehrbare Versammlung wolle diesen ihr beigebrachten guten Begriff von uns weiter verfolgen, und zu diesem Zweck unsre Synagoge besuchen, oder ein fremder König treffe hier ein, und der Vorstand lade ihn, herkömmlicherweise, zu einem Besuche in die Synagoge ein; was für Eindruck muß das Innere und Aeußere auf ihn und die Honoration machen! welchen Begriff von unsrer Verehrung der Gottheit, von unsrer Bildung,' von unserem Fortschreiten müssen sie mit sich hinausnehmen? Fragen sie nun: Warum wird dort, im -Krankenhause, der Körper gepflegt, und hier der Geist verwahrlost; oder, warum will der Jude allenthalben nur nicht vor seinem Gotte gesittet erscheinen, warum behält er d a sein altes Kleid? Was-wollt Ihr darauf, Ihr Väter der Gemeinde,, zu Eurer Entschuldigung sagen? Etwa -doch nicht, daß es noch 30—40 von der alten Stabilen in der . Gemeinde gebe, die da s gut finden, , die keine-Neuerung wollen, und weil diese -gerade die angesehensten und gebildetesten sind, und die ganze Gemeinde ausmachen, so könne-man all die aridem nicht berücksichtigen, so'müsse man die Bittschrift-der I—200 unbeachlet lassen??— . Sehet hin nach all' den minderzahlreichen Gemeinden in 'Kopenhagen, München, Dresden, Mken, Prag u. a. m.; sehet, wie da 'binnen kürzer Zeit, hochherrliche Gotteshäuser ausgestellt 'worden; 'auch dort leben'Leüte, ' die fcem Neuen Mit frommer Wrgst entgegen Men; aber 'die döNigen 'Vorstände Wen