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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-12-11 · Heft 50 (11.12.1843) · p. Seite 738

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 50 (11.12.1843)
Date
1843-12-11
Page
Seite 738 (sequence 6)
Language
German
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neu Andacht., einen ' Verein bildeten. Wir. reichten eine Bittschrift von 1—2y6der^ frommsten fleißigsten SynagogenKefttcher unterzeichnet, bei dem löbl. Verstand ein. Das Erkenntnis, das wir darauf von demselben erhielten, war keinesweges unsere gerechte Anforderung abweisend, aber leider! sehen wir bis heute deren Erfüllung vergebens entgegen, so dringend die Sache auch ist, und so geraume Zeit auch seitdem verflossen ist.. Wir können uns diese peinliche Hinhaltung, die die Auflösung der Gemeinde bedroht, nur aus folgender Ursache erklären. Der Vorstand hier besteht aus den wohlhabensten, gebildetsten, hochgeachtesten Männern, die sämmtlich nur das Wohl der Gemeinde zum Ziele ihrer so sehr mühsamen, und mit vieler Aufopferung verbundenen Arbeit haben. In ihrer Berathung herrscht die größte Einigkeit, und ihre Beschlüsse werden alle in löblicher Uebereinstimmung gefaßt; nur in einem Punkte, waltet unter ihnen eine Verschiedenheit, die sehr störend auf die Synagoge wirkt. In religiösen Sachen nämlich bilden sich da drei Ansichten. Die Eine, ganz dem Kultus entfremdet, hegt kein Interesse für Alles, was dieser an Verbesserung und Veredlung heischt; sie sind sogar abgesagte Feinde aller Neuerung. Denn diese, wähnen sie, möchte den Frieden stören und manchen Frommen beunruhigen. Man lasse daher alles hübsch beim Alten; wer Jude bleiben will, bleibe es doch, wenn ihm auch der Schmutz fingerdick anklebe!- Die Zweite hat allerdings Sinn und Gefühl für religiöse Institutionen; da sie aber dem Tempel angehört, so hatsie diesem alle ihre schönen Gefühle geweihet, und daher keines mehr für die Synagoge. Diese, wähnen sie, wäre eine veraltete Mutter, die man ehren, aber nicht berühren müsse. Verjüngen lasse sie sich nicht mehr, ihre Lage seien gezählt; man lasse sie daher, sammt ihren alten Kunden sanft entschlafen, und ihrer aufblühenden Tochter, dem Tempel, müsse man die Herrschaft einräumen. Zwischen beiden steht nun die dritte ganz andre Ansicht- 'Sie glaubt keinesweges, daß das Vaterhaus, die Synagoge, je veralten kann; doch bedürfe sie der Pflege, die ihr so lange schon entzogen sei, und die der Gemeindegeist so sehnlich wünsche. Diese Ansicht findet den gebührenden Anklang bei fast der ganzen. Gemeinde; aber beim Vorstand bildetsw die . Minderzahl, und steht kraftlos da , wenn gleich diese Ansicht dadurch fest bewahrheitet fleht-, daß in so vielen Gemeindrn, wo der Vorstand, die Volksstimme beachtend, solche Verbesserung bereits unternommen hat, die gesunkene Andacht, wieder gehoben, viele Ausgeschiedene wieder zum Altar Gottes zurückgekehrt sind, und dort den heiligen Bund der Religion und Bruderliebe wiederum befestigt haben; während unsere 'Synagoge: tagtäglich die Mitglieder mehr Zerstreuet. Am Wochentagen hat sie keine dreißig Besucher, am Sabbat ist sie auch nicht gefüllt, denn viele sinh ausgeschieden, viele suchen die Winkelschulen auf — diese Pflanzschulen aller Veraltung, die den Gemeindegeist zersplittern — odereilen dem Tempel zu.' Endlich an Festtagen zwingt der beengte. Raum, viele Hunderte auf.hohe Bödenzu nisten.' ' z Als die Israeliten in die Wüste kamen, da befahl ihnen der Einige durch Mosche: „Nehmet, mir eine Hebe, und macht mir eine Wohnung, dann will ich unter euch wohnen." Was that nun Mosche? Miethete ereinen Boden? Nein! Er bauete ein sehr geräumiges, mit aller Pracht reichlich verziertes, Gottes und seines Volkes.würdiges Stiftzelt, und da keine Kapitalien dazu vorräthig waren, so rief er das Volk zum Beisteuren aus,^ das so überflüssig ausfiel, daß er fernere Gaben zurück-weisen mußte. Als der Brand den vierten Theil der Stadt und auch zwei Kirchen einäscherte, da erhob sich die Geistlichkeit (während die Flamme noch loderte), und forderte das Volk zu deren Aufbau auf, obschon Ham- - bürg noch sehr viele geräumige Kirchen zählt, undobschon dringendere Bedürfnisse die Geber in Anspruch nahmen. Aber die Aufforderung der Geistlichkeit war so herzlich-, so vom edlen Eifer ausgehend, daß sie vollkommen ihren Zweck erreichte. Alles eilte-zur Beisteuer; der Reiche gab Lausende, der Aermste wöchentlich seinem Schilling; der Knabe seinen Spartopf, die Damen ihren Schmuck, der Künstler seine Kunst. Alles dieses würde auch für die Synagoge geschehen , aber wer schürt die heilige Flamme? — Die Physik lehrt-, daß die Trägheit, zu der jeder Körper geneigt, sei, nur durch einen Stoß von Außen gehoben werden kann; wer unternimmt dieses bei unsrer Sache, wer fördert die Bittschrift der 1—200?

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