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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-12-11 · Heft 50 (11.12.1843) · p. Seite 734

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 50 (11.12.1843)
Date
1843-12-11
Page
Seite 734 (sequence 2)
Language
German
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734 schön, UM von ihm herzurühren. Bald waren zwölf SenteHen-zu viel,' mm im Gebächtrüß behalten zu w'erdm, bald' stimmten -ein Paar HLnMörfener Z>ahlen nicht, und solche Fraubasereien mehr. Man glaube nicht, daß wir hiermit -eine nüchterne, vorurtheilslose, unparteiische Kritik verwerfen; daß wir scharfen,- geistreichen, tief eingehenden Untersuchungen den Mund verstopfen wollten. Und wer dies auch wollte, wer vermöchte! Was in-, sich eine siegreiche Kraft trägt, trägt auch den Sieg davon. Aber das mikroskopisch bewaffnete Auge, das Ln der Erdrinde Infusorien entdeckt, behaupte nur nicht, daß es darum keine Erdrinde gebe, auf die wir festen Fußes bauen und ackern können. Und wer die einzelnen Bestandtheile eines Organismus darstellt, meine nicht, daß darum kein organischer Verband vorhanden sei. Alle zersetzenden Kritiken alter Autoren haben bis jetzt dasselbe Resultat gehabt.. Vor ihrer scharfen Beleuchtung zerfiel das Werk in Bruchstücke, und ihrer siegreichen Schadefreude pflichtete mau eine Zeitlang bei. Aber die ruhige Besonnenheit kehrte zurück, und die Frage wurde laut: warum ist es doch Eines, ein einiges Ganzes, ein in Zusammenhang, Charakter, Tendenz fortlaufend einiges Ganzes? Warum wirkt es Ln einiger Weise auf uns, und bringt denselben Erfolg in uns Allen hervor? Und man frug weiter: wie soll überhaupt^ aus den Bruchstücken Vieler, in verschiedenen Jahrhunderten, unter den verschiedenartigsten Einflüssen Gelebthabensollender ein Ganzes, ein vollständiges Gefüge geworden sein? Und vor diesen Fragen verschwand das Geschrei der zersetzenden Kritiker. Wir haben es am Homer gesehen. Den zerriß Man auch -in eine Menge Lappen; bald gab es keinen Homer mehr, bald war es eine ganze Schule von Rhapsoden, eine ganze Folge von, in der Zeit auseinander stehenden Sängern, die in der Ilias, die in der Odyssee als anonyme Dichter gesteckt haben. Aber die Ueberlegung folgte, und daß das Werk m einem Gusse, von einem Geiste, in einer Form ff. dastehe, erwies am Ende mehr als alle kleinlichen Widersprüche,.' und man merkte, es müsse doch einen Genius gegeben haben, der ein solches Werk aus seinem schöpferischen Geiste hervorrief, und den wir Homer nennen. Als das Gegentheil steht ja auch so manches Schriftwerk da. 'Wer, der den Sohar mit.Verstand liest, wird ihn einem Schriftsteller, einer beschränkten Zeit zuschreiben? Wem könnte es einfallen, den Talmud, in welchem sich fo vielfältige Geistesrichtungen kund thun, einem einzigen Schriftsteller zuschreiben zu wollen? Ein jedes Säurmelwerk, ein jedes aus langen Traditionen allmälig chorvorgegangeyes Merk trägt -dies? Gepräge offen aN sich- und stellt sskch -von selbst üü leugbar als-solches'dar. chtuch ist ein wirklich untergeschobdnes Werk als solches noch nie verheimlicht geblieben. Man verstehe wohl; ich spreche hier noch gar nicht von der Offenbarungslehre, sondern allein von der Ursprünglichkeit der historischen Schriften der Bibel. Es kommt ganz eigen hierher, daß, wenn die fünf B'B. M. isolirt, durch eilieu 'weiten Zertbrüch von den übrigen getrennt dastünden, man noch eher einen Anhaltpunkt der Bestreitung hätte. So aber geht von der historischen Zeit aus eine ununterbrochene Kette hinauf, in der ein Glied in das andere greift, und die ihrem ganzen Inhalte nach auf die fünf BB. M. als Vorderglied zeigen. Die Könige zeigen unwiderlegbar auf die Richter, die Richter auf die Eroberung, die Eroberung auf den Einzug, der Einzug auf den Durchzug durch die Wüste, dieser auf den Auszug aus Aegypten ff. Eines ist vom Andern gar nicht zu lösen. Also zurück! Die jüdischen Schriftforscher haben vor der Welt den Beruf, die Aufgabe, die Authentizität dieser Schriften zu erweisen.- Die Existenz und Ehre ihrer ganzen Geschichte hängt davon ab. Haben''sich daher jüdische Gelehrten von dem Lampenschimmer einseitiger Kritik blenden^lafsen: so sind wir doch bereits eines stärker» Lichtes gewohnt worden, um nicht mitten darin desto'freudiger arbeiten zu können. Und welches ist der rechte Weg hierin? Wir haben ihn schon angedeutet. Spitzfindigkeiten, Kleinkrämereien ist nicht mit gleichen Waffen zu begegnen, sondern die ganz entgegengesetzte Seite herauszuwenden. Die Auffassung des innern Geistes, die Totalanschauuug, der Erweis der innern Einheit, der Nothwendigkeit aller ÄheLte, die Hinstellung als vollständiger Organismus, diese immer tüchtiger, allseitiger, vollendeter durchgeärbeitet, und die Schlagschatten, die auf ünserm Kleinode liegen, werden von selbst weichen. Wie viel, wie unberechenbar viel wir dadurch, in allen Kämpfen gewinnen, sieht der Tieferschauende bald ein.

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