Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1843)
- Date
- 1843-12-04
- Page
- Seite 723 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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723 zösisch, Englisch und obendrein noch Italiänisch, viele können den Text der bekanntesten Opern fast auswendig; viele können 'die bekanntesten Sänger und Sängerinnen an den Fingern herzählen; auf der Ressource ist durch Zeitungen, wie z. B. das Kursblatt rc. für Belehrung in allen Fächern des menschlichen Wissens, gesorgt: wozu da noch in der Synagoge belehren? Ueberdies würde, durch gottesdienstliche Vorträge nur der konfessionelle Dünkel gehegt und gepsiegt werden, der ja immer mehr und mehr verschwinden soll und hier in der Lhat verschwindet. Das ist der Ruhm der hiesigen jungen Leute, daß vom Partikularismus in ihr fast keine Spur mehr da ist, daß viele untet ihnen den ausschließlichen Umgang mit Christen suchen und sich freuen, wenn sie ihn gefunden haben. Einen eklatanten Beweis, wie hier die Scheidewand, die Konfession von Konfession trennt, fast gänzlich gestürzt ist, wie man sich gegenseitig entgegenzukommen und auszusöhnen strebt, hatten wir erst neulich, der zugleich auch als Maßstab für die fast schwindelnde Höhe unserer Bildung dienen könnte. Herr.Klausrabbiner Wagner hat vor einigen Wochen in der hiesigen Abendzeitung, seine Absicht kund gegeben, in zwei Abendstunde^ wöchentlich Vorlesungen über jüdische Geschichte von der ältesten bis auf die neueste Zeit zu halten. Um seine Kosten für Saal, Heizung rc. zu decken, ließ er in den zwei christlichen Gesellschaften, in der Harmonie und dem Kasino,- Subskriptionslisten auflegen, eben so in der erwähnten jüdischen, aus mehr als hundert Mitgliedern bestehenden Ressource. In den beiden ersten Gesellschaften erhielt er, obgleich es ihm dort an Bekannten und somit an solchen, die sich der Sache angenommen hätten, fehlte, mehrere Subskribenten, in der letzteren auch nicht-einen einzigen! Könnte man einen schöneren Beweis dafür liefern, wie man hier jeden konfessionellen Separatismus haßt, wie man das Leben von dinem höheren Gesichtspunkte aufzufassen weiß, von dem aus die verschiedenen Nüanyen unseres Alltagslebens schwinden oder vielmehr ihre Versöhnung feiern?! Konsequent in diesem Geiste scheint man auch neulich hier gehandelt zu haben, als man gegen die Verordnung, die den Rabbinen sich einen Ornat anzuschaffen vorschreibt, protestirte und geradezu behauptete, die Rabbinen feien keine Geistliche. Wozu in der Lhat Ornat, wozu Geistliche, wo der Standpunkt schon ein so hoher, allgemeiner ist? Mögen immerhin andere Gemeinden, wo der konfessionelle Standpunkt noch nicht überwunden, das allgemeine humane Prinzip noch nicht zum Durchbruche gekommen ist, ihre Geistlichen haben; hier.in Mannheim sind diese schon ganz und gar überflüssig. Es ließe sich allerdings fragen — und die Gegner thun dies — wozu bei einem solchen Standpunkte noch Rabbinen? wozu Rabbinen, wenn sie. keine Geistliche sein sollen? — Wer kann aber auch alle Fragen beantworten? Auch das allgemeine humane Prinzip muß sich bescheiden und eingestehen, daß es noch Dinge giebt, zu derer Erklärung sogar ihm noch die Mittel fehlen. Mit dem Rabbinenthum ist es ihm indeß auch nicht ganz ernst, wie das aus folgendem Umstande zur Genüge hervorgeht. Die jüdischen Gemeinden in Baden genießen, bekanntlich vor denen in den meisten deutschen Landen den Vorzug, eine Kirchenbehörde zu besitzen. Das Oberrabbinat in Karlsruhe, das theologische Oberhaupt dieser Behörde, ist schon seit geraumer Zeit unbesetzt, und dem Kollegium fehlt natürlich die Seele. Anderswo würde so Etwas Aufregung verursachen, Opposition Hervorrufen, die Gemüther in Anspruch nehmen und beschäftigen; die verschiedenen theologischen Ansichten würden sich geltend machen, jede für ihre Partebeinen Sieg erringen wollen; man würde auf die Besetzung dringen oder sie zu Hintertreiben suchen, je nach der Fahne, der man angehört: hier von all dem keine Spur. Hier sind die Ansichten versöhnt, die Konfessionen versöhnt, Alles versöhnt! Und das nennen die Gegner, die so Etwas nicht kapiren, Indifferentismus—!!! Akibon. Sondershausen, 19. November. (Privatmitth.). Bei unsrer jetzt zum ersten Male zusammengetretenen Ständeversammlung haben wir eine Petition eingereicht, sind aber pon dem Erfolge noch nicht unterrichtet. Am ersten Tage des Laubhüttenfestes 'waren die gesammren Ständemitglieder und das fürstl. Kabinet in unsrer Synagoge anwesend, und hörten die Predigt "mit an. Sie soll einen wesentlichen Eindruck und zum Theil beimehren Zuhörern ganz andre Begriffe vom Iudenthume hervorgebracht haben.