Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1843)
- Date
- 1843-12-04
- Page
- Seite 722 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225331--05678-3236347- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
722 das Glück hat, eingeführt zu werden, .nicht vorenthaiKtt will. Jedenfalls will uns so was besser gefallen', MlinstznLiKen GMÜsch'aftey anderer Gemeinden, wo man stundenlang warten kann, As diese Zeitung wieder frei ist, weil derjenige, der sie einmal in Händen hat, obgleich viele Andere darauf warten, sie nicht eher hergiebt, bis er sie ganz durchgelesen hat. Hier sieht man die Frucht wahrer Bildung, wahrer Urbanität! ' ■ Ferner ist es die -Klaus, die den Gegnern Gelegenheit zu Vorwürfen giebt. Nur sehr wenige Gemeinden, bringen sie vor, haben das Glück eine so reich dotirte Stiftung zu besitzen,, bei der noch dabei der Fundator die Verbreitung jüdischer Wissenschaftlichkeit, wie sie seine Zeit, kannte, bezwecken wollte. Von welchem segenr^jchen Einflüsse, fragen sie, könnte die Klaus sein selbst auf die entferntesten Schwestergemeinden in Deutschland, wenn es nur am wahren Geiste nicht fehlte? Eine jüdische Fakultät ist der Zielpunkt, aus den Alle, die die Gebrechen der Zeit wie ihre Vorzüge kennen, sehnsuchtsvoll Hinblicken; für ein solches Institut hat man sich vor einigen Jahren als für das wichtigste, das der Zeit noth thut, bemüht — wie leicht hatte die Klaus-zu'einer Fakultät sich umgestalten lassen? So viel Geld wird auf sie verwendet, was leistet sie, welchen Einfluß hat sie, nicht anderswo, sondern in hiesiger Gemeinde?. Was sie leistet? — genug um diejenigen in Harnisch zu bringen, die alles Hohe begeifern und besudeln möchten. Zehn jüdische Gelehrte hat sie angestellt, einen mit dem Titel Primator, andere, als Rabbinen, andere wiederum als Beter, die sämmtlich den Beruf und die Pflicht haben täglich Morgens und Abends in die Synagoge zu gehen, täglich einen Schiur im Talmud zu lernen — und sie leistete Nichts?! Das Institut der r-rw, das leider fast überall verfallen ist, hält sie durch diese aufrecht — und sie leistete Nichts?! Man macht ihr den Vorwurf, daß der eine und der andere unter ihren Angestellten nimmt einmal ein wahrer sei. .Wo aber in aller Welt besteht ein menschliches Institut, das nicht' auch seine Gebrechen hätte?. Genug, sie hat sie zu diesem Behufe angestellt, und wenn Einer seiner Aufgabe nicht ganz nachkommt, so ist das wahrlich ihre Schuld nicht. Unter diesen Gelehrten sind vier, die ihre Studien auf deutschen Hochschulen gemacht und theilweise Philosophie bei dem sel. Wagner in Würzburg gehört haben; werden diese Männer nicht die Veredelung Ihres Kreises .Macht sein?' Wie interessant muß wicht.ein solcher Schiur sein, an dem sich solche Männer cköllegialisch betheiligen! Daß sie die dabei stattsi'ndenden, gelehrten Diskussionen nicht veröffentlichen, leidet ihre anerkannte Bescheidenheit nicht; daß sie aber darum nicht minder interessant sind, das beweist so manches interessante Anekdötchen, das man sich im 'nächsten Kreise davon erzählt. - Daß sie ihre Synagoge — die Klaus hat eine solche besondere für ihre Angestellten — so ganz auf altem hergebrachten Fuße lassen, daß sie in-ihr keine Reform des Gottesdienstes veranlassen, macht man ihnen zum Vorwurfe. Wäre, das aber nicht bedeutende Anmaßung, wollten sie der großen Synagoge hierin vorgreifen? Aber auch die Gemeinde tadeln die Gegner des-, halb, daß sie in der Hauptsynagoge nicht eine Reform des Gottesdienstes vorbereitet, und zeigen gerade dadurch, wie blind sie ihr Vorurtheil gegen alles Bessere, das schon bestehet, macht/ Ist ja in diesem Gotteshause schon längst ein Choralgesang eingeführt, der noch dazu vom Hofmusikus geleitet wirb. Daß das Gebäude selbst noch das alte ist> mit allen Merkmalen einer verknöcherten und geknechteten Zeit; daß der Ritus noch der alte ist, ohne daß die Fortschritte, die man in dieser.Beziehung selbst in Landgemeinden gemacht hat, im mindesten Etwas modisizirt hätten, das verdient doch wahrlich keinen Tadel — soll man denn dem folgenden Jahrhunderte, das doch auch seinen Ruhm davon haben will, Alles vorwegnehmen? Das Gotteswort wollen die säubern Gegner, allsabbatlich im Gotteshause verkündet wissen, weil dies am meisten zur Erweckung eines echt religiösen Bewußtseins beitragen könnte, weil der Gottesdienst dadurch seinen integrirendsten Bestandtheil, der ihm in den Zeiten des Druckes und der Verfinsterung abhanden gekommen ist, wieder erlangen müßte, und sehen nicht ein, daß sie damit eine Forderung stellen, die wol überall, aber nicht hier eine gerechte ist. Wozu hier eine Belehrung im Gotteshause, 'die sich ein Jeder selbst und überall geben kann? Keine andere Gemeinde hat es in allseitiger Bildung so weit, als die hiesige gebracht. Viele junge Leute, denen ntan so was gar nicht ansieht, sprechen Fran-