Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1843)
- Date
- 1843-11-27
- Page
- Seite 717 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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?17 unschuldigen WorL^ der W a hrsteit- und>drs Fried ens Gelegenheit dazu gegeben. Aus allen Gegenden Polens fuhren dieMannstrahlen über ihn zusammen - und es fehlte wenig, so waren auch seine deutschen Mitbrüder wider ihn in Harnisch. Durch Gelassenheit und ruhige: Begegnung hat er in kurzer Zeit die metzrsten zum Schweigen gebracht, und der-vernünftigere Lheil der Nation ist: völlig'von feiner Unschuld überführt. Wenn Sie aber glauben, daß ich unmittelbar zu Beruhigung der Gemüther, durch Vorschreiben, Schutzschrift, Fürbitte u. dgl. etwas beitragen könne, so scheinen Sie Sich sehr zu irren. Ich bin mir nur gar zu sehr bewußt, wie wenig Einfluß alle meine Worte, und'''Vorstellungenauf den großen Haufen haben. Mein Wirkungskreis ist von jeher auf wenige Freunde eingeschränkt gewesen, und hat sich, seitdem ich Kinder zu bilden und zu erziehen habe, noch enger zusammengezogen. Außerhalb dieser Sphäre habe ich, und suche keinen Einfluß. Ich fühle die Schranken meiner Kräfte, und halte mich innerhalb derselben ruhig und stille, weil ich meinem Maße doch nichts zulegen kann. 'So viel ist gewiß, Ihr Büchelchen wird nunmehr nach gemachter Abänderung in der Vorrede, von jedem billigen Leser für ganz unschädlich, und als ein Lesebüchlein füt die Jugend, auch für nützlich gehalten werden. Die Sachen, die Sie zusanünengetragen , sind ziemlich gut gewählt, und recht gut und verständlich übersetzt. Der Titel scheint zwar nicht recht passend zu fein; dieses thut aber nichts zur Sachen Sehr wohl aber haben Sie darin gethan, daß Sie die verschiedenen Lehrmeinungen der Rabbiners bloß vorgetragen, ohne zu entscheiden. Ich habe mich über den Rezensenten gewundert., der Ihnen dieserhalb einen Vorwurf macht. Das jetzige Judenthum, so wenig als das vormalige, hat keine eigentliche Symbole des Glaubens. Es sind uns sehr wenig Grundsätze-und Lehrmeinungen vorgeschriebe». Majemöy zählt derselben dreizehn, Albo> nur drei, und Niemand wird den Aldo deswegen verketzern. Uns sind Gesetze; Gebräuche, Lebensregeln, Handlungen vorgeschrieben. : In Ansehung der Lehrmeinungen sind wir frei. Wo die Meinungen der Rabbinen getheilt sind, kann jeder' Jude , der ungelehrte sowol als der Gelehrte, diesem oder jenem beistimmen. üvn ibrr sagen die Rabbinen in solchen Fällen sehr weislich, obgleich dieser Satz von so manchem, der den Sinn desselben nicht einsiehet, verspottet, und so vorgestellt wird, als leugnete man das Principitim contradictionis. Die Christen sehen nunmehr gar wohl ein, wie viel Menschenblut verschont geblieben wäre, wenn sie. sich jederzeit an diesen Satz gehalten hätten. Der Geist des Judenthums ist Konformität in Handlungen, und Freiheit in Absicht auf Lehrmeinungem; wenige Fundamentallehren ausgenommen, über welche alle unsere Lehrer sich vereinigt haben, und ohne welche die jüdische Religion schlechterdings nicht Statt haben kann. Empfehlen Sie mich übrigens dem freundschaftlichen Andenken des verehrungswürdigen Basedow, so wie den guten Gesinnungen des Herrn Prof. Salzmann. Ich bin äußerst gerührt von dem war-' men Eifer, .mit welchem sich diese Menschenfreunde Ihrer Sache annehmen, und äußerst beschämt/ daß ich nicht mehr zu Ihrem Besten thun kann. Meyer Man ist, so viel ich erfahren kann, Ihr Feind nicht. Er hat sich Niemals das Mindeste entfahren lassen, was Ihnen zum Nachtheil gereichen kann. Seien sie nicht zu voreilig, denjenigen für Ihren Feind zu erklären, der es vielleicht dadurch erst werden könnte. Klagen Sie insbesondere niemanden der Uebertretung des Gesetzes an; dieses ist einmal nicht Ihr Beruf, und Sie dürfen «m! Ende doch Mühe haben, Ihre Angabe gerichtlich ju beweisen. Auch machen Sie Ihre eigene Sache dadurch nicht besser', wenn Sie diese und jene zugleich der Verfolgung aussetzen. Ueberhaupt, bester Herr Wolf! muß Ihr löblicher Eifer für die gute Sachs nicht in Zanksucht ausarten. Halten Sie mir meine Strafpredigt zu gut. Ich weiß, diese hatten Sie am wenigsten von mir erwartet;, allein sie kommt wahrlich aus guter freundschaftlicher Gesinnung ' . Ihres dienstwilligst ergebensten Berlin, den 11. Juli Moses Mendelssohn. .1782.