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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-11-27 · Heft 48 (27.11.1843) · p. Seite 710

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 48 (27.11.1843)
Date
1843-11-27
Page
Seite 710 (sequence 6)
Language
German
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Emanzipation vom. Seiten/der Synode, zw Münstev zu sprechen^: Hrer sagt er : /„Gingen diese/Vorstellungen vom.Privaten, von den politischen Kommunen oder von Staatsbehörden aus, so wäre darin nichts anderes zu sehen als die Verschiedenheit der "Meinungen in dieser wichtigen Frage, die durch allgemeine politische Richtung, , durch Erziehung, ' durch Erlebnisse u. s. w. bedingt werden. Aber sie siüdvon der Geistlichkeit ausgegangen! Darin liegt etwas merkwürdiges. Unmöglich kann die Geistlichkeit glauben,- daß dem Christenthum selbst dadurch Gefahr drohe daß die Bekenner des alttestamentarischen Glaubens in bürgerlicher Beziehung ihren christlichen MitunLerthanen gleich gestellt werden. Nicht allein ist der Uebertritt eines Christen zumJudenthum in Preußen durch das Gesetz untersqgt, sondern weit mehr noch durch die allgemeine Volksbildung unmöglich. gemacht. Die Besorgniß daß in der Proselytenmachers die Juden in Mitbewerbung treten würden,, kannalso das Motiv nicht sein. Eben so wenig kann dev Geistlichkeit der Gedanke vorschweben daß die Erleichterung der bürgerlichen Beziehungen-den Juden die Neigung zum Uebertritt nehmen könne. Denn ein Erwerb für die christliche Kirche, der solchem Gründen zu verdanken ist, kann kein vortheilhafter genannt werden. Der gewinnende Lheil ist dabei allein das Judenthum, das einen schlechten Juden los wird, der verlierende das Christenthum, das einen schlechten Juden bekommt. Wenn keine äußern. Vortheile zum Uebertritt mehr reizen und'er dann: doch erfolgt, nun dann hat-das Christenthumeinen Sieg über das Judenthum davongetragen. Religiöse Gründe für eine ProLestatioü^>er Geistlichkeit gegen die Emanzipationder Juden sind.wir um so-weniger aufzusinden im Stande als der ganze Charakter des Christenthums Zwang und Strafe für eine prinzipielle Verschiedenheit im Glauben verwirft, und an den Protestantismus insbesondere, wie er die Freiheit der Forschung für sich in Anspruch nimmt, auch die Forderung gestellt werden kann, daß er sie andern unverkümmert lasse, wenn auch die Resultate ihrer Forschungen nicht über die Gränzen des alten Testaments, des Lalmudismus und Kabbalismus' hinausführen."-Wir haben gegen alles Die- - ses Nichts einzuwenden, außer, daß der Korresp> doch irrt, wenn er glaubt,'daß der Uebertritt vom Christenthum zum Judenthum so fern läge, wenn das Staatsgesetz-/ ihn "nichtverböte. Und um ihm: faktisch zu entgegennehmeer auf mein Ehren-- w o rt hin, daß sich drei Christen in d i e se m Jahre bei mir zum Uebertritt zum Judenthum meldetenich könnte ihm die Fälle speziell aufführen ohne daß ich ihrem Wunsche eben des Staatsgesetzes wegen eine Folge geben konnte. — Zuletzt erklärt sich der Korresp.'jene Petition damit, daß auch in der protestantischen Kirche sich das Verlangen regt, eine politische Stellung zu gewinnen! ' Oesterreich. Von der böhmischen Grenze, 12. November. (Privatmitth.) In einem dieser Blätter wurde unter einer Korrespondenz aus Mähren vom 15, April *) die Frage ausgestellt: ob Lokal- oder Kreisrabbinate segenbringender für Mähren seien, und diese Frage zugleich unbedingt damit beantwortet, daß alles Heil und aller Segen von den Kreisrabbinen zu erwarten wäre. Ehe man aber diese Frage so bündig>beantwortet, als es in demselben Blatte geschahso glaube ich, der ich kein Theologe'bin, daß es erst riothwendig sei, die Bedürfnisse zu erforschen, welche die Anstellung von Kreisrabbinen in Mähren erforderlich machen. Das erste und wichtigste Bedürfniß ist die überall gefühlte Nothwendigkeit eines gründlichen, zeit- und zweckgemäßen Unterrichtes in den Grundsätzen der mosaischen Religion. Durch Erreichung dieses Zweckes wird zugleich die Umgestaltung (nicht die Abschaffung!) der nun obsolet gewordenen Bibel- und Talmudschulen bedingt. Diese Institute, welche sich in früherer Zeit eine wahrhaft hierarchische Alleinherrschaft angemaßt, haben zur Vernachlässigung, zur Verunglimpfung-und zur Verdächtigmachung des Talmudstudiums beigetragen. Ein anderes, leider nicht sosehr gefühltes als gewünschtes Bedürfniß ist die Purifizirung des Kultus.. Zur Realisirung dieser Bedürfnisse, wozu Gott gebe, daß sie nicht'pia desideria bleiben sollen, scheinen nach meiner Ansicht Lokalrabbiner weit, geeigneter als Krelsrabbiner zu sein; denn es ist einleuchtend, daß man einen kleinen Bezirk weit besser inspiziren kann als einen großen. *)' Durch Verhältnisse erhielt ich'-diese Nummer erst vor kurzer Zeit. Anm. des Referenten.

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