Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-11-27 · Heft 48 (27.11.1843) · p. Seite 707

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 48 (27.11.1843)
Date
1843-11-27
Page
Seite 707 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225330--05662-3236330
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Verdächtigung Hervorbringen und erhalten wirdi Eine jede Majorität sieht die Minorität, die' als solche bestehen will,L mit schelen Augen an, und vermüthet andre Zwecke, als- Ln der-That vorhanden sind. Die Minorität faßt, denn es ist dies ihr nothwendig, ihr Wesen scharf in's- Auge,, und unterscheidet genau, wie weit ihre Besonderheit zu gehen braucht, und wo die Linie ist, an der sie der Allgemeinheit angehort. Aber diese scharfe Unterscheidung kann von der Majorität nicht verlangt, kann nur von den Einsichtsvolleren erwartet und gefördert werden. Seien wir daher gerecht, und verurtheilen wir den Christen nicht alsbald, wenn er über uns Juden scharf urtheilt, sondern halten sein Vornrtheil ihm zu gute; vergelten wir Verachtung nicht mit Verachtung, und bezeichnen nicht gleich als Kurzsichtigkeit und Engherzigkeit, weil wir in unsre Verhältnisse, klar schauen, und ein offnes Hetz auch für das Allgemeine hüben. Sondern erkennen wir die Verkennung auch als ein.Opfer an, das wir bringen muffen für den Bestand unsrer Minorität, für die Freiheit, eine Minorität zu bilden. Der Literaturverern. dieser Verein gewinnt von Tage zu Tage an Theilnehmern, obschon noch nicht in dem Maße, daß wir ihn — bei der Zahl 500 — als konstituirt erklären können. Es sind uns bereits Listen aus Stockholm bis War-asdin und Agram in Kroatien zugckommen, so-daß wir also immerhin des Werthes unsrer desfallsigen Bemühungen gewiß sein können. Erst in diesen Tagen find uns wieder 100 Exemplare der Statuten nach dem Auslande abgefordert worden. Um also hier zu einem bestimmten Schluffe zu kommen, fordern wir noch einmal zu thätiger Beförderung auf. Ungefähr 250 Mit-, glieder haben gezeichnet, noch einmal so viele sind nothwendig, um den Verein als begründet-zu erklären. Es wird das'Jähr über so viel gesprochen, mag auch gewirkt werden. Die Lehrer, Rabbinen und Schriftsteller sollten wol ihr eigenes Interesse darin wahrnehmen. Wir ersuchen insbesondere alle unsre Korrespondenten und Mitarbeiter, ein wohlwollendes Auge darauf zu werfen. Aettrlugsnachrichten. Prenßkii. Mcrgdebuvg, 19. November. Wir kommenauf die jüngste Mittheilung 'des Militärwochenblattes' über die Zahl der lüdischen Kämpfer im Befreiungskriege noch einmal 'zurück. Die Aach. Zeit, enthält darüber folgenden Artikel: „Das Militarwochenblatt widerlegt die auf dem Rheinischen Landtage gefallene Aeußerung^ daß 6000 Israeliten im Befreiungskriege gefallen fein sollen. Es versichert, daß in den drei Kriegsjahren höchstens 730 Juden gedient haben, wie denn spater von 1816 bis 1842im Ganzen nur 3314 Juden int Heere gedient hätten. Wir wollen die Zahl 6000 nicht in Schütz nehmen, da es überhaupt schwer fallen möchte,' in solchen Sachen eine bestimmte Zahl festzustellen. Bei der Sache, welche auf dem Landtage vertheidigtt wurde, kam es auch gar nicht darauf an, wie viele -Lausende bei der Vertheidigung des Vaterlandes geblieben sind, es genügte schon-vollkommen, nur darzuthun, daß die Juden, wo es dieser Vertheidigung galt, nicht hinter ihren christlichen Brüdern zurück-' geblieben sind. Wir sind überzeugt, daß das Militärwochenblatt nicht die Absicht gehabt, jenen Eindruck zu schwächen, oder überhaupt in das Gebiet bürgerlicher Fortschritte, um welches allein es sichhier'handelt, polemisch einzugreifen. Es war dem für die reine Militärwissenschaft bestimmten Journale offenbar nur um die Berichtigung eines tabellarischen Jrrthums zu thun. Aber auch hiergegen müssen wir Einiges bemerken. Wir erlauben uns nämlich. von vornherein an der Richtigkeit der von dem Blatte angezogenen Tabellen zu zweifeln. Erstens gesteht es selbst, daß seine Listen unvollständig seien, wenn es aber dieser Mangel durch einen nach Ver- ' haltniß der vorhandenen Listen für die Juden günstigsten Zuschuß zu ergänzen sucht, so vergißt'es doch" dabei zu berücksichtigen, daß es seine. Zahl von 73P nur dadurch herausbekommt, daß es nur.die aufzählt, welche damals den Behörden als Juden bekannt waren, oder sich selbst als Juden angaben. Es muß aber in Anschlag gebracht werden , daß dies vielleicht bei den Meisten nicht der Fall war. Die Behörden fragen in jener Zeit der Hingebung wenig nilch der Religion der Streiter und die Juden hat-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.