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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-11-27 · Heft 48 (27.11.1843) · p. Seite 706

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 48 (27.11.1843)
Date
1843-11-27
Page
Seite 706 (sequence 2)
Language
German
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706 -es Friedhofs gewahrte. „Es ist der JudengottMMr," belehrte.mich der Postillion. Kaum ö)cu;eir; wir'hitzige Atraßesi hindurch^, so sah^ ich -quf^iner^Lrh'öhltng^ gher doch als Hintergebäudes ein zierlichesdoch kircheüartiges Gebäude, aber ohne Thiirme. „Es ist der Judentempcl,". belehrte mich abermals der Postillion. Aus dem Hause jagten sich einige Knabenund Mädchen untereinander ,gemischt lebhaft hinaus — „es ist die Judeuschule," bemerkte .zroch EinmaldH Pojsillioy. „Die Mle Juden wohnen denn im Städtchen?" „Wol zehn Familien, wenn's viel sind," war die Antwort. Und er ließ sich noch weiter aus. Sie wären zwar bis auf einen Tischler allesammt.Handelsleute, aber ehrlich und gern gesehen und. wohl gelitten, und einer wäre Stadtverordneter. Eigene Gefühle, eigene Gedanken stiegen in mir auf. Zehn Familien, wenn's hoch kommt, unter Lausend haben sich von jenem alten Stamme aus dem Morgenlande in diesem Städtchen zusammengefunden — aus wie vieler Herren Ländern? — und sie haben den alten -Bund nicht vergessen, sondern unter sich erneuert, wie wenn es eine Nothwendigkeit, die erste Bedingung ihres Lebens, ihrer Existenz wäre. Zehn Familien haben sich draußen eine letzte Ruhestätte abgesondert erworben; zehn Familien haben sich eine eigene Stätte für die Anbetung des -Gottes gebaut, den sie allein als-den anbetungswürdigen anerkennen. Zehn Familien haben für ihre Kinder ein/ eigene UuterrichtSanstalt geschaffen, und halten Kantor, Lehrer und Schächter für sich, um Genüge zu thun dem Gesetz ihrer Väter.'!! — Und dabei schließen sie sich dennoch der Allgemeinheit, so weit es -nur geht, so weit es yur gestattet wird, au, und wirken gern für-sie, und Einer von den Zehn ist durch die Tausend zum Stadtverordneten gewählt!! — Ist das nicht rührend? ist das nicht erhaben? o wein, es geht nichts über ein israelitisches Herz! --- O, wenn.diese Herzen allesamt recht geleitet, wenn ihnen allesammt das Rechte nahe gelegt würde, welche Riesenwerke müßten vollbracht-werden können! — Ich will es nur offen gestehen, und schäme mich deß nicht: diese Betrachtung lockte eine Thräne in mein Auge — o Moses, Du hast nicht zu zürnen auf Dein Volk, und für die Unbille, die sie Dir schafften in der Wüste, haben' sie viele Wüsten durchschritten, -und sind'Dir doch treu geblieben! Was? die Juden bringen keine Opfer mehr für ihren Glauben? Wo sind die, die mehre bringen für eine Idee, für eine Lehre? Was sie im Schweiße -ihres Angesichts erwerben, wie willig geben sie es dafür hin. Der schöne Tempel, die eigene Schule, MumzäuMe Friedhof für zehn ^FüMlien - sind deß.Z^gen^Wd wie Kiel entbehren sie /hoch^ - wxe^viel müssen sie: ^rfgeMn für sich ‘ und ihre Mz§er /am . ihres Glaubens willen! Und. überall.wird ihnen so lockend die Hand geboten, und überall werden der Reizmittel so viele an den Weg gelegt;' aber sie weisen sie alle zurück, - und bleiben ihrer Lehre getreu, und'sagen.:-Was Ms bü rgerliche Wesen betrifft, wir Md -MM, Md zu leisten, was man irgend ^gerecht fordern'?kann: -aber unfern Tempel müssen wir hauen für uns, unfern Friedhof anlegen für uns, und unfern Kindern lehren den Glauben des einigen Gottes! Nein! es ist nicht wahr, daß die Treue,/daß die Anhänglichkeit an der Lehre Jsrael's aus Hm geschwunden! Mag in den großen Städten, wo das blasirte Leben, das Gewühl und-egoistische Treiben die stille, geräuschlose Liebe verdrängt, sich der platte JndiffereutiSmus, die fade, inhaltlose Allgemeinheit einen Haufen Gesellen finden, die sehr lose Bande um sich fühlen; mag die Krisis, die das Judeuthum durchschreitet, eine Anzahl Individuen zur Entfernung und Entfremdung führen; mag eine gewisse Generation, -wie es in den Umständen lag, bevor das Judcnthum mit wieder erwachter Energie.und veredelter Kraft erstand, in der Verachtung ihrer Religion selbst erwachsen fein —eS ist ein großer, tüchtiger Kern vorhanden, in.dem das Leben pulsirt, und ja, es wir d and e r s! An allen Tagen begegnen mir Jünglinge, die den Leichtsinn von sich geworfen, und eine neue Weihe fühlen über sich gekommen, und denen es ein hochheiliger Ernst ist,'und die sich nicht mehr schämen, Jude zu sein und genannt zu werden, und die -sich voll' Hochherzigkeit Glieder einer großen Kette, Träger einer großen Aufgabe, Teilnehmer'eines großen Werkes fühlen— — lasset uns voll Zuversicht sein, und es ist Alles gewonnen! — — Doch noch, eine andre Betrachtung drängte sich mir auf, kühler zwar, aber in engem Zusammenhang. Wenn auch die Juden in großen und kleinen Städten vom Eifer, im bürgerlichen Leben sich der Allgemeinheit anzuschließen, hinzugeben, für ihre Zwecke mitzuwirken, beseelt sind: so liegt es doch in der Natur der Sache, daß die nothwendige Absonderung in religiöser Beziehung beim großen Haufen noch lange eine Abneigung oder

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