Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1843)
- Date
- 1843-11-20
- Page
- Seite 701 (sequence 9)
- Language
- German
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7« verwirft, — nichts-anderes von seiner Seite fordert, als ein. beständiges Wachsen-.'einunaüshörliches Zunehmend in Gottesfurcht und Tugend., ein beharrliches Fortschreilen in dem, was wahr und gut und" recht und gottgefällig-ist. Die Meffiashoffnung ist also dem schriftglau- Ligen - Israeliten nur ein Motiv mehr zu "strenger Gewissenhaftigkeit; daß sie dem-Patriotismus Eintrag thue, ist-eine'Behauptung , -die, bei den offenkundigen Ersah-, rungen, welche dagegen sprechen/- nur von. der Böswil.- ligkeit wiederholt werden kann. Doch wir kehren zu unserm Vers. zurück. Derselbe geht in dem, in Rede stehenden Gutachten so weit, zu äußern, daß in Fällen, wo im Lalmud die Meinung eineU Minorität gegen die einer Majorität verworfen wird, jede spätere Urgirung und Geltendmachung der Minorität eine'Ketzerei, ein.e^inN involvire. Eine Aeußerung, welche wol eine spezielle Beleuchtung verdient. (Fortsetzung fo-lgt.) Korrespondenz. Wanderung< durch Mrakau, 'Galizien, Bukowina- Moldau und Wallachei. V;/ . (Fortsetzung.) . . Was den niedern Gewerbsstand betrifft, so sind vorerst die meisten Handwerker, Schneider, unter welchen es mitunter recht wohlhabende Leute giebt. Die meisten derselben sind wieder sogenannte deutsche (auch prizische) Schneider, die niemals einen polnisch-jüdischen Rock verfertigen; die wenigen jüdischen Schneider (d. h. solche, die polnisch-jüdische Arbeit. Machen) sind gewöhnlich arm. (In Brody findet ein umgekehrtes' Perhältniß der Zahl, jedoch'nicht des Wohlstandes statt). Die jüdischen Da-.' men' lassen ihre Kleider gewöhnlich bei deutschen. Schnei-, dem verfertigen. Auch dieses kanneinen Wink über Art und Bedeutung der polnisch-jüdischen Tracht abgeben. Nach den Schneidern kommen, der Zahl nach, die Schuhmacher, dann' die Kürschner, Tischler, Klempner,. Buchbinder, Uhrmacher (s. bei Brody) und Goldschmiede, die sich mitunter durch die Feinheit ihrer Arbeit selbst in denhöchsten christlichen Kreisen bekannt machen. Kein jüdischer Handwerksmeister kann indessen in Galizien in irgend eine Zunft aufgenommen werden, daher er auch da nicht als Meister anerkannt wird. — Ein anderer Theil des niederen Volkes ernährt sich vom Trödel (Hausiren) und von Faktorfchaften; jedoch ist das Verhaltniß dieser beiden Klassen zu der gesammten jüdischen Bevölkerung Lembergs gering. — Was den lemberger und galizischen Trödler überhaupt *) betrifft, so ist er von seinen jüdischen Fachgenoffen in Deutschland ziemlich verschieden und zwar zum Vortheil des galizkschen Juden. Der gattzische Trödler tragt bei weitem keine so große und abhorrende Armuth zur Schau als der deutsche Trödler; sein Trödelvorrath ist bei weitem nicht so bunt und kauderwelsch als der des deutschen; er lebt' wohlhabender, ist zu Hause unvergleichlich besser eingerichtet, und hat offner» Sinn für feine Religion, ihre Sprache und das Buch der Bücher. — Der Sonnabend ist ihm ein Tag der Ruhe, der religiösen Weihe und des stillen , andächtigen Familienlebens/ Er erziehet seine' Kinder meistens zu Nicht-Trödlern/ und ist bei alldem, wie der deutsche jüdische Trödler, zu diesemtraurigen Nahrungszweig durch die gegenwärtige Lage der jüdischen Zustände gezwungen. — Die sogenannten Faktoren treiben in jeder Beziehung weder ein beneidensnoch ehrenwerthes Geschäft; indessen sind sie in Galizien besonders auf einem Konzentratkonsplatze vieler polnischen Edelleute, wie Lemberg, eine fast unentbehrliche Klasse, wie wir's oben bereits angedeutet haben. Es sind deren Manche sogar recht wohlhabend, so daß sie sich zu den höhern Gewerbsklassen hinausgeschwungen haben, mit welchen mancher herabgekommene Mejüches (Gelehr'ten- Ad'eliger) noch eher seine Kinder verheicathen wird, als mit einem eJbm so reichen und dabei ehrbaren Schneider, Kürschner oder anderen Handwerker. Wir haben hier des Mejüches erwähnt, wic'müffen also auch von dieser Klasse von Leuten hier etwas Näheres sagen. Ein Mejüches ist in Polen ein solcher, unter dessen Ahnen viele Rabbiner siguriren. Lomdim - (Talmudge-) lehrte) allein, verschaffen keinen glänzenden Juches (Adel). Diese Mejüchusim-Kaste ist auf ihren lächerlichen Ge-. *) Auf dem Lande stehet man äußerst selten-jüdische Trödler, - ja der Trödelhandel ist da in vielen großem Otttern unter der jüdischen Bevölkerung.gänzlich unbekannt.. Korresp. 47»