Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1843)
- Date
- 1843-11-20
- Page
- Seite 694 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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fett des Judenthums mit dem Interesse verfolgen mögen, welches' zur richtigen Beurtheilüng, von Personen und- Zuständen erfor.dWch. ist, , werden ohne gehörig zu prüfen in die Wahl einstimmen, 0fe auch nur um sich beim Vorstande für die Ehre zu bedanken, die ihnen der Zufall des Looses erwiesen hat. Abgesehen von der Person des zu Wählenden, vor der wir in jeder Beziehung alle mögliche Achtung haben, fragen wir, ob. dies eine heilsame, eine richtige Wahlmethode sei? — Wir fragen aber ferner, in welche Würde und in welchen Charakter soll Dr. Sachs eintreten? ist man sich der Stellung, die man ihm einräumen will klar bewußt? Sicherlich nicht! Zum Prediger, als welcher Herr Dr. Sachs in Prag eine Reihe von Jahren, wie es heißt, mit Erfolg gewirkt hat, soll er hieher nicht berufen werden; er soll vielmehr zu einer Art von Rabbiner ernannt werden, von welchem §enu8 man aber kein Kares Bewußtsein hat, und keine bestimmte Definition abgeben kann. Es ist bekannt, daß es hier zwei Rabbiner giebt; die Herren Oettinger und Rosenstein; diese verwalten,, gleichviel unter welchem Namen, das hiesige Rabbinat faktisch seit langen Jahren. ' Das Wahrscheinlichste ist nun, daß Dr. S. in dieses Kollegium eintreten soll; in welcher Stellung aber? Etwa als erster Rabbiner, mit den für Dr. Frankel bestimmt gewesenen Funktionen? Dies dürfte der Vorstand selbst-eben sowenig wollen, als es der gerechte Stolz der alten großen Gemeinde, an deren Spitze stets die Koryphäen des Judenthums gestanden, ertragen würde, einen jungen Mann, der wenn auch als Prediger noch so tüchtig und ausgezeichnet, doch noch nie ein rabbinisches Amt verwaltet hat, als geistliches Oberhaupt anzuerkennen. Oder sollte Herr Dr. S. als zweiter oder dritter Rabbiner eintreten? Dann, käme der Vorstand in die Nothwendigkeit, entweder Herrn Oettinger als ersten Rabbiner anzuerkennen, was er entschieden nicht will, oder das Oberrabbinat als fernerhin vakant zu er. klären, und nach Sachs zu einer neuen Wahl für diese Stellung zu schreiten; in welchem Falle durch die gegenwärtige im Wesentlichen nichts 'gewonnen und die Aufgabe der Gemeinde ihrer Lösung nicht um einen Schritt näher gerückt sein würde. Bei diesem Zustande der Dinge ist kaum zu erwarten, daß die hiesige Rabbinatssrage auf eine befriedigende Weift an und für sich erledigt, und dass das Interesse,, mildem das preußische Judenthnm liefen Schcht der diesigen Gemeine Begleitet/ so LlKizend wie man es erwarteU^ercchtfertigt werden düfst<—- Berlin, 4. November. Die Allg. Preuß. Zeit, 'enthalt folgenden Artikel: „Hinsichtlich der Zahl der Juden, welche an dem Kriege in den Jahren 1813, 1814 und 1815 Theil genömrrlen. haben, sind in neuerer Zeit die auffallendsten Behauptungen aufgestellt worden. So führt ein Abgeordneter der Städte in der 46sten Plenarsitznng des rheinischen Landtags vom 13. Juli (Allg. Preuß. Zeit. No, 38 vom 7. August d. I.) an: * „Sechstausend Israeliten sind in dem Befreiungskriege, gefallen" rc., was vorüussetzen würde, daß wenigstens 25 bis 30,000 Juden den Krieg fechtend mitgemacht hätten. . Zur Berichtigung dieser und ähnlicher unrichtiger Annahmen mag folgendes Resultat, welches aus den vorliegenden offiziellen Listen der Truppen gezogen worden ist, dienen. # . Diese Listen umfassen zwar nicht alle Truppen der Armee, Indessen Truppen aller Provinzen, und aus ihnen geht hervor, daß bei 59 Linien - Bataillonen Vinci, deren Jager- 138 21 Kavallerie-Regimentern) Detaschements 39 4 Artillerie-Brigaden . .' . . . . . 4 52 Landwehr-Bataillonen mit ihren Schwadronen . . ... . . . . . . 162 den sämmtlichen Pionier-Kompagnieen . . — während der Feldzüge 1813, 1814 und 1815 zusammen . ♦ . . . . . .343 Juden gedient haben, von denen 263 freiwillig eingetreten und 80 ausgehoben worden sind. Im Jahre 1815, wo das preußische Heer feine größte Stärke erreichte, zählte dasselbe, mitÄusschluß der Garden, bei welchen keine Juden dienten, 104 Linien-Bataillone, 32 Kavallerie- Regimenter, und 154 Landwehr-Bataillone. Nimmt man nun an, daß die Juden in den Truppen ganz gleich vertheilt, waren, was als ein sehr günstiges Verhältniß anzufthen ist, weil die'Listen vorzugsweise von den im Laufe des Krieges formirten Truppen und solchen, welche aus den Provinzen rekrutirt worden, in denen verhaltnißmäßig