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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-11-13 · Heft 46 (13.11.1843) · p. Seite 690

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 46 (13.11.1843)
Date
1843-11-13
Page
Seite 690 (sequence 10)
Language
German
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6W Men, diesem Mißstande endlich abzuhelfen und sich eine schönere Zukunft zu bereiten? Sollte dieft nicht sehnlichst wünschen vor den Augen der Welt auch äußerlich europäisch-zivilisirt zu erscheinen, wie sie es im Innern, durch ächte Geistes- und Herzensbildung zum großen Theil schon wirklich ist? —Allein die galkzische Jugend so wie der bessere Thekl der Bevölkerung israelitischen Glaubens wünschen wirklich eine Lrachtveränderung sehnlichst, nur fehlt ihnen die Energie, diesen Wkllensakt durch eine entscheidende Kraftäußerung zu realisiren. — Jeder hat Rücksichten im Hintergründe, hinter welche er sich verschanzt, wenn man ihm nach einer von ihm selbst vorgetragenen Apologie der deutschen Tracht, mit der Frage zu Leibe rückt „Nun wenn du die deutsche Tracht so sehr wünschest und die polnischjüdische so sehr verwünschest, warum kleidest du dich nicht deutsch?" so hört man gewöhnlich zur Antwort, „Wer ich? ich habe gewisse Rücksichten zu beobachten, ich bin Kaufmann, mein Kredit würde durch einen solchen Gewaltstreich (!) bedeutend leiden;" oder, „ich habe einige orthodoxe Muhmen und eine noch orthodoxere Großmamma;" oder „ich habe, eine bigotte Frau (Chasidki) und einen noch bigottem Herrn Sch'wiegerpapa;" oder „ich habe Kinder zum Derheirathen, welcher Schadchan wird dann in mein Haus kommen?" endlich und gewöhnlich heißt's „soll ich der Erste sein? Ja wenn es die.Regierung, befehlen, wenn sie dazu zwingen wollte.... — Gut, feit alle zugleich die Ersten wenn Einer nicht der Erste sein will. Bildet' nämlich im Stillen (nicht vor der Regierung sondern vor der orthodoxen Masse) Vereine. In jedem Orte nehme der bessere, reichere und vornehmere Theil der Gemeinde und vorzüglich die. Jugend an ihm Antheil. Der Zweck dieser Vereine sei an einem bestimmten Morgen zugleich völlig deutsch kostümirt zu erscheinen und — die polnisch-jüdische Tracht ist dann moralisch vernichtet und binnen Kurzem der ewigen Vergessenheit überliefert. Denn wenn der vornehmere Theil einer Gemeinde, der in der Gemeinde Alles ist, nun diese Tracht angenommen hat, so hören ja alle andern kleinlichen Rücksichten auf. Das Paar verjährte Muhmen so wie die Frau Großmama werden ein wenig murren (wie es etwa beim ersten Erscheinen in einem Paar blank geputzter Stiefel, oder einer modernen Kravatte zu geschehen pflegt) werden sich aber bald zufrieden geben. Der chassidische Troß seinerseits stehet dem übrigen jüdischen Publikum dort ohnedieß schroff genug gegenüber, er kann es daher nicht noch mehr werden, ja imGegentheil auch er wird und soll von diesem Ereigniß gewaltig nach vorwärts geschoben werden. Eine Gemeinde brauchte nur dkeß zu thun sind diese heilsame Metamorphose wird sich wie ein Lauffeuer über alle bessern Gemeinden Galiziens verbreiten, und dort die erwünschteste Wirkung Hervorrufen. — Daß man aber die Regierung da hineknmischt, und von ihr Zwangsmaßregeln erwartet, um sich von ihr zwingen zu lassen zudem was man selbst will, ist — ein Unsinn. — Es ist übecdieß dem Geisteder gemäßigten österreichischen Regierung ganz entgegen zu der Annahme einer Tracht zu zwingen. Ja es ist dieses überhaupt dem Geiste einer jeden weifen Regierung entgegen, die dadurch nur unwürdige Märtyrer schaffen, ihren beabsichtigten Zweck hingegen gänzlich verfehlen, würde. Der österreichischen Regierung stehet man es aber besonders an, daß sie diesen Akt der Selbstbestimmung von dem zur Emanzipation mündig gewordenem jüdischen Publikum erwartet, um diesem dann ihrerseits eine bessere Zukunft, zu verheißen: denn die Regierung als solche, die nur den Menschen nach seiner Erscheinung und seinen geäußerten Handlungen beurtheilen kann,, kann nur an einem solchen Schritte aus eignem Triebe und besserer Einsicht der Dinge hervorgegangen, die wirklich forraeschrittene Bildung in der Gegenwart und ihre Garantie für die Zukunft erkennen. — Daher beherziget meine Brüder den Zuruf, unseres Propheten! TT>öii traistii üvrxnrr*). ... *) Was aus religiösem Standpunkte sich gegen die Zulässigkeit der deutschen (europäischen) Tracht einwenden ließe, so ist es etwa der Bart des Mannes und das Haupthaar der Frau, das hierin für den Orthodoxen Steine des Anstoßes abgeben dürften. Allein was erstes anbetrifft, so ist es zwar wahr, das riTin p» das Bartscheren (idem rasiren-nib^) verboten sei (obschon auch da bei genauerer und unbefangener Exegese sich nur das mosaische Verbot für Priester und Trauerende (ü^rna) Herausstellen dürfte (s. die hierzu bezüglichen zwei Stellen in Leviticus), indessen der Batt kann ja durch viele andere Mittel als bloß durch Rasiren beseitiget werden, wie es z. B. die ganz Frommen in Mähren undUngarn machen. Im eigentlichen Deutschland, so wie in Frankreich, Italien -iu jV haben wir jedoch Beispiele genug, daß. orthodoxe Rabbiner nicht anstehen, sich ihren Bart zu rasiren. Es verhält sich hiermit wie etwa mit dem Wohnen der Juden in Aegyptem Schon Maimonides sagte in feinen rvavön folgendes: üin ^22 tnw*

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