Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1843)
- Date
- 1843-11-13
- Page
- Seite 691 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdische Äugend. Lemberg's aus den vornehmen Häusern besucht im Allgemeinen noch wenig öffentliche Schulen, sondern wird nach dem allen Cheider- Schlendrian (den wir spater naher kennen lernen werden) erzogen öder vielmehr verzogen. Was die erwachsenen gebildeten jungen Leute, die eine solche Erziehung genossen, wissen, das haben sie ihrem spätem Selbststudium zu verdanken, was übrigens von den Mangeln der Autodidaktik nicht frei bleibt. Die aufgeklärten, sogenannten deutschen Häuser schicken ihre Kinder in die Volksschulen , Gymnasien, Lyzeen und Akademieen und lassen sie Medizin oder Jus studiren^). Einen eigentlichen israelitischen öffentlichen Unterricht für beide Geschlechter in israelitischen Volksschulen ertheilt, wird man hier vergebens suchen; die sich da vorsinden sollende israedVi? . fcma^ib tpDin abi b?, und doch wohnte Maimonides jahrenlan'g, wohnten und wohnen noch jetzt Tausende von talmudisch-fcommen Juden in Aegypten. Es.ist der Gebrauch der Alles heiliget. — Der •j»b: fällt endlich gänzlich weg,^wenn man sich von einem christlichen Barbier rasiren läßt. — Was hingegen die in Polen herrschende außerordentliche Scheu gegen das Sichtbarwerden des weiblichen Haupthaares betrifft, so wird uns jeder gründliche Talmudist zugeben, daß sich weder im Talmud noch in den irptns irgend ein direktes Verbot, noch weniger aber ein solches der sich auf einen Bibelvers stützt, vorsindet. Der talmudische Ausspruch -hw nuroru ist gleich hoch anzufchlagen mit seinem Nachbar irm JTtZ)«n bip, und die spätere Bezeichnung im ",nbiw für eine jüdische Frau, die ihr Haupthaar zur Schau tragt mit nn b? bedeutet nur eine Verletzung eines konsakrirten jüdischen Gebrauches, wie der dortige Zusammenhang zur Gnüge zeigt. Auch hier könnte man übrigens dem Zweifler zurufen ,-üli “’m piD, und so wird er finden, daß jüdische Frauen in Deutschland, die an Frömmigkeit und selbst religiöser Kasuistik keiner der Retz i zins in Polen nachstehen, ihr Haupthaar wie jede andere Europäerin zur Schau, trägt .(wenn sie nicht gerade überfromm ist, um über ihr Haar einen sogenannten Scheitel zu thun). — Man kann doch wahrlich ohne Bart und mit Haupthaar ein eifriger wahrer Jude öder Jüdin fein. — Korresp. *) Warum aber nicht auch Philosophie, um sie zum philosophischen Rabbiner für Galizien heranzubilden, da man doch bald (1844) vem erlassenen Gesetze nach, nur absölvirte philosophische Rabbiner anstelle» wird? In Brody haben auch in der That einige Jünglinge diesen hoffnungsvollen Weg betreten. Mögen sie nur ihr Ziel erreichen, und Zielen andern zum schönen Vorbild dienen! — Korresp. litische Realschule: gehört zu den obsoleten Heilmitteln, von deyen. kein Mensch mehr sein Heil erwarten wird. Der Charakter und Geist der vornehmem Jugend, ist dem der Brodyer Jugend sehr ähnlich oder vielmehr diesem nachgebildet., daher wir davon bei Brody mehr sprechen werden. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Seile aus Petit-Schrift oder deren Kaum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Anzeige. In der Jakobsonsschule zu Seesen (Herzogthum Braunschweig) sind zwei Lehrerstellen zu besetzen. Die eine wird zu Neujahr 1844 vakant und erfordert einen vorzugsweise im Hebräischen und Deutschen tüchtigen, unverheiratheten Mann, der zugleich das Amt eines Vorbeters an dem zur Anstalt gehörigen Tempel zu übernehmen hat, 'wozu musikalische Vorbildung unerläßlich ist. Für die. andere Stelle wird auf Ostern k. I. ein Lehrer gesucht, der insbesondere zur Uebernahme des Unterrichts im Französischen und Englischen tüchtig, ist, wobei neben theoretischer Gründlichkeit vornämlich auf eine reine Aussprache und praktische Fertigkeit in beiden. Sprachen gesehen wird. Die Besoldung richtet sich nach dem wissenschaftlichen Standpunkte und den Leistungen der Anzustellenden, und deckt jedenfalls anständig den Bedarf. Möchte' diese Anzeige Bewerber herbeiführen, denen es zunächst um die Erlangung eines segensreichen Wirkungskreises innerhalb einer geordneten Erziehungsanstalt zu rhun ist. Auf portofreie Anfragen, denen man genügende Zeugnisse über moralische und fachgemäße Befähigung, beifügen wolle, ertheilt nähere Auskunft der Direktor der ^Anstalt 0r. Immanuel Wohlwill.