Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1843)
- Date
- 1843-11-13
- Page
- Seite 689 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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689 Korrespondenz. Wand erung durch Krakau, Galizien, Bukowina, Moldau und Wallachei. (Fortsetzung.) Bei diesen Klassen von Leutenist der Umtausch des Kaftans mit dem Gehrocke ein Signal sich selbst umzutauschen, oder besser eine Art Privilegium zur Lüderlichkeit, Irreligiosität bis zum empörendsten öffentlichen Aergerniß, zur gänzlichen Absonderung von den Ihrigen, ja zu einer-schnöden Verachtung des Iudenthums und zum unverschämtesten, aberwitzigen Spötteln über alles Jüdische, (das wirklich Gute, Schöne, ja Heilige nicht ausgenommen, und zwar bloß weil es jüdisch ist), in jüdischen und besonders in nicht jüdischen Kreisen. Solche Taugenichtse sind meistens aus der Hefe des Volkes (einige reiche, verzärtelte und mißerzogene Familien-Söhnchen ausgenommen) unwissend, ausschweifend, charakterlos, die nur deßwegen den Kaftan ablegen, um alle Bande , der Anhänglichkeit an die Ihrigen und des Gehorsams gegen Eltern und Vornehme mit einem Male abzuschütteln, und dafür um so unverschämter mit ihrer frechen Zügellosigkeit öffentlich paradiren zu können; endlich um durch Frack und Pantalon die graulichen Blößen ihrer krassen Unwissenheit, wie sie glauben, zu dekken. — Allein deßwegen müßte die gesummte jüdische Bevölkerung sich nicht abhalten lassen eine Tracht abzulegen, die mit so vielem Aberglauben, Bedrückungen und Schmach verbunden ist, und dafür eine andere anzunehmen, wodurch sie der europäischen Zivilisation um einen bedeutenden Schritt näher gebracht, und mit einem Male in eine für sie so unendlich vortheilhaftere Stellung zu ihren christlichen Mitbürgern gesetzt, kurz wodurch sie aus einem Zustande des innern, gegenseitigen Mißtrauens, und Hasses, sowie der öftern pöbelhaften Anfeindungen und Mißhandlungen von Außen (vor welchen sie die Regierung manchmal bei dem besten Willen nicht schützen kann) heraustreten würde.— Ja erst dann wenn sich Alles deutsch tragen wird, werden die verabscheuungswürdigen Privilegien jener Taugenichtse, die sie sich gerade durch ihre Isolirung zu erwerben wahnen, von selbst in nichts zerfallen. --Es ist wahr.Rießer sagt /,bci Haß findet seinen Mann" und so dürfte mit der Zeit gar mancher galizische Christ, unter dem deutschen Rocke den ihm verhaßten Juden herausfinden, könnte man mir erwkedern; allein zu solchen gelehrten Untersuchungen, wie sie leider in Deutschland so gang und gäbe sind, ist der Galizier gottlob! noch gar nicht reif, sie stimmen auch mit seinem Charakter — als Pole — gar nicht überein und jedenfalls welcher unendliche Gewinn wenn der Judenfeind den Juden im Juden — etwa wie einen Schatz — erst heraus suchen muß, anstatt daß er ihm jetzt von allen Sekten zum Angriff so bloßgestellt ist! — besonders hinsichtlich des niedern Volkes , was wäre nicht durch diesen einfachen Trachtumtausch gewonnen! — Man muß mit eignen Augen die tiefen Reverenzen die der Landmann in Galizien z. B. einem sich deutsch tragenden Schreiber eines jüdischen Pachters zollt, und die Gleichgültigkeit mit der er diesem letzten selbst — wenn er sich polnisch-jüdisch trägt — behandelt, sehen, um sich von der Wahrheit und Richtigkeit des hier Gesagten zu überzeugen. — Doch wozu so viele Worte? Wissen denn die Bessern und Gebildetern in Galizien (von denen allein ich doch nur hoffen darf gehört und gelesen zu werden) es nicht selbst, daß diese antiquierte Bekleidungsweise nunmehr ein wahres Monstrum geworden ist, das ihnen als unheimlicher Schatten jede Aussicht auf bessere Tage und innere Entwickelung in's tiefste Dunkel verhüllt? — Wissen sie es nicht selbst, daß nach vernünftigen logischen Gesetzen das Bekenntniß eines einzigen Gottes in keiner rationellen Beziehung zu einem, auf dem Kopfe stehenden Spodik oder Streimil stehen kann? Haben sie sich selbst gewiß nicht, schon hundertmal gefragt: warum tragt sich der deutschr Jude deutsch, der französische französisch, der englische englisch, ja selbst der türkische türkisch; warum tragen alle unsere Brüder in den"Ländern ihres Aufenthalts die Landestracht, nur wir machen hiervon eine Ausnahme? — Sollte wirklich diese unsere Tracht mit dem Judenthume so innig Zusammenhängen, so müßten ja alle die Hunderttausende unserer Brüder auf allen Theilen der Erde Nicht-Juden sein, und keinen Antheil an dem Hause Jakobs Haber;? — welcher verwerfliche Gedanke!" Sollte ferner frage ich die moderne jüdische Jugend Galiziens, in deren Herzen alle Falten des Gefühles erschlossen sind, die die Mißachtung und Zurücksetzung bis in die innersten Tiefen ihres Herzens empfindet, die da weiß, was sie durch diese Vec?. mummung zu erdulden hat, die da weiß, wie weit sie diese markirte äußere Erscheinung in der Gesellschaft zurücksetzt, sind wie weit sie sie zugleich in ihrer geistigen Entwickelung behindert — sollte diese das Bedürfm'ß nicht 46*