Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1843)
- Date
- 1843-11-13
- Page
- Seite 684 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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684 von Juden zu einer reichstaglichen Repräsentantenstelle beschlossen. , So ändert sich der Geist wie der Wind! Großbritannien. London, 23. Oktober. Wir haben in vor. Nummer über den Einfluß der Juden auf die Wahl in der City eine Privatmittheilüng gegeben, worin schon im Woraus bemerkt worden, wie in Deutschland die Sache schief und verdrossen angesehen werden wird. Wir machen deshalb auf eine Korresp. in der A. Augsb. Zeit., (No. 303) aufmerksam. Der Berichterstatter spricht über die Sophistik der Juden, ohne daran zu denken, daß er sich selbst der ärgsten schuldig macht. Es heißt: „In anderm Bezug aber ist die Wahl von höchster Bedeutung. Aus der Majorität von 202 geht hervor daß die Juden, welche über 1000 Wähler in der City zählen, den Ausschlag gaben. Wie Ihnen bekannt ist, glaubte man die hiesigen Juden würden durch Verlegung des Abstimmungstages auf Samstag verhindert werden zu stimmen; dieß gab Anlaß zu einer ziemlich feinen Kasuistik unter dem Volke Mose. Die ganz Kühnen sagten: „wir halten den Sabbat und jüdische Vorschrift, wenn uns aber Christen vorschreiben oder gar zwingen wollen den Sabbat zu halten, so thun sie was'nicht ihres Berufs ist und wir, wenn wir uns fügen und dadurch uns unserer politischen Rechte begeben, unterwerfen uns einer Religionsverfolgung; brechen wir darum den Sabbat." Dagegen sagten die Gesetzverständigen: „wir dürfen am Sabbat frei herumgehen und frei unsere Meinung erklären, und wenn wir in die Abstimmungsbuden gehen und dort sagen wer von den beiden Kandidaten uns am meisten zusagt, so brechen wir den Sabbat nicht; stimmen wir. darum am Sabbat." Nachdem die Gewissen .so auf zweifache Weise beschwichtigt waren, machten sich politische Rücksichten geltend," — Alles dies scheitert an der diplomatischen List, weil die Juden Liberale sind, sie an der Abstimmung durch den Sabbat zu verhindern. Man erinnre sich der Makkabäer, die am Sabbat sich zü vertheidigen beschlossen. Es heißt ferner: „Die hiesige Judenschaft bildet in dieser Hinsicht eine Körperschaft, die durchaus unter Leitung der Rothschild, Montefiorx, Goldschmid und Solomons steht. ' Rothschild war am Samstag sichtbar thätig für Pattison, desgleichen Montesiore; jener der europäische Jude, dieser der mehr speziell englische. Sprechen wir darum von jenem zumeist in Verbindung mit seiner Nation. Das Haus Rothschild, wie sehr man sich auch dagegen sträuben mag, hat sich seit dem Frieden als die sechste Großmacht erwiesen. Ein Handelshaus muß nach seinem Geschäft beurtheilt werden; die Rothschild kümmerten sich blutwenig um diese oder jene politische Partei; sie suchten nach dem Mächtigsten, bei dem sich am meisten Profit machen ließ, und der Mächtigste waren ohne Zweifel die Mitglieder der heiligen Allianz — bis zur Juliusrevolution verblieb auf diese Weise die Hegemonie des Hauses dem Frankfurter Rothschild — das Interesse seiner Nation war'wahrend dieser Periode durchaus mit den östlichen Mächten. Von der.Juliusrevolution aber, die zu der westlichen Allianz führte', zeigte sich ein auffallendes Bestreben auf Seiten der Rothschild sich, von dem politischen Gebiete zurückzuziehen und auf Neutralität zu' beschränken in allen Allotrien, d. h. Nichtgeldsachen; die Leitung damals schien auf das Pariser Haus übergegangen zu sein. Jetzt, aber — und zwar nicht plötzlich, denn bei der Wahl Lord John Nussells im Jahre 1841 gaben schon die Juden den Entscheid — wird das Londoner Haus Haupt und politisch zugleich. Woher die Aenderung? Soll man sie vielleicht in den.neueren Verfolgungen und Bedrückungen der Juden von Seiten Rußlands suchen? Es wäre nicht unmöglich; in diesem Falle dürfte man aber den Juden auch nicht länger Patriotismus abstreiten; ihre Nationalität liegt in ihrer Religion." —. Hier ist abermals der deutsche Pferdefuß. Weil die Juden als liberal Gesinnte für Ruffel und Pattison stimmen, und die Juden sind liberal, weil die Lorysten sie bedrücken, diese ihr einziges Hinderniß sind — haben die Juden eine Nationalität in ihrer Religion! Preußen. Lübbecke, 18. Oktober. (Weft.h. M.) Die am 4. d. M. hier versammelt gewesene Synode hat bekanntlich eine Verwahrung gegen das Votum der rheinischen Stände, in Beziehung der Judcn-Emanzipation, eingelegt; indessen war dieser Beschluß kein