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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-11-06 · Heft 45 (6.11.1843) · p. Seite 677

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 45 (6.11.1843)
Date
1843-11-06
Page
Seite 677 (sequence 13)
Language
German
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677 Korrespondenz. Wanderung durch Krakau, Galizien, Bukowina, Moldau und Wallachei. (Fortsetzung.) Der moralisch-religiöse Charakter dieser Klasse neigt sich zu zwei Extremen: nämlich zur Aufklärung und — zum Chassidismus*), und, obschon die erstere Richtung die überwiegende ist, und, mit jedem Tage, in Folge der immermehr zunehmenden allgemeinen Bildung progressiv fortschreitet, so kann man doch sagen, daß der Chassidismus im Lande nirgends eine so mächtige.Stütze findet als in Lemberg, gerade in dieser Hauptstadt, wo die Berührungspunkte mit der christlichen Bevölkerung am zahlreichsten und mannichfaltigsten find. — Um dieses Mißverhaltniß einigermaßen auszuglekchen, sind gewöhnlich die Frauen solcher Chassidim die entweder bedeutende öffentliche Handlungen besitzen oder sonst ansehnliche Geschäfte treiben, Anti-Chassidknnen; und sie sind es dann, die der Handlung vorstehen, mit allen Leuten die laufenden Geschäfte abmachen, kurz im Hause Alles sind, wahrend ihre Männer in der chassidischen Betstube (Chassidim-Stübel) in endlosen gottesdienstlichen Verrichtungen, mit Tikun-Trinken, Legenden- Erzählungen von Zadikim und mitunter auch mit Pantoffel-Züchtigungen (Pantoffelschmassen), ihre Zeit so angenehm als nützlich zubringen. Diese Sitte jedoch/ daß Frauen in öffentlichen Handlungen siguriren, ist unter der israelitischen Bevölkerung Galiziens allgemein verbreitet, und findet auch dann statt, wenn der Mann seinem Geschäfte thätig und tüchtig vorstehet, wobei ihm dann die Frau nach dem Ausspruche der Bibel als Hülfe zur Seite stehet; ja, es ist wahrlich nichts interessanter, als einen Bazar in Lemberg wie in einer der übrigen bedeutendem Städten Galiziens zu passiren, wo *) Die vorgesteckten Granzen unseres Reiseberichtes und die Vielfältigkeit des zu behandeln gewesenen Materials machten es uns'für jetzt unmöglich, den Chassidismus nach Gebühr zu würdigen. Wir verweisen daher hier in Allem was Chassidim und Chassidismus betrifft, auf einen interessanten Artikel hierüber in der Allg. Zeit, des Judenthums Jahrg. 1840, überschrieben der Chassidismus in Polen von Julius Marcusson iS....., der, wie ich mich bei meiner Reise in Galizien überzeugt, viel Wahres enthält. Korresp. Einem, neben den schönen Waarenvorräthen, so viele Jugend und Schönheit, die durch den Brillanten-Glanz der kostbaren Sterntüchel noch bei weitem erhöhet wird, leuchtend entgegen strahlt. — Sonst ist der Charakter der Manusakturisten im Allgemeinen, der wie wir ihn oben für den Wiener Kaufmann gezeichnet haben. Die Tracht der israelitischen Einwohner Lembergs in den höheren Gewerbsklassen ist die polnisch-jüdische, jedoch zeichnet sie sich bei den orthodoxen Vornehmern der Gemeinde durch einen gewissen antiquarisch-aristokratischen Pomp aus. Besonders spielt dort der Tislik (eine Art seidener Toga) und die Radschiwulki (ein schwarzseibner weiter Oberrock) eine große Rolle. Die vornehme gebildete Jugend trägt sich, wenn auch noch polnischjüdisch, doch schon nach einem modernen Schnitt, auch ist hier die Metamorphose in die deutsche (europäische) Tracht bei weitem weniger anstößig und mehr an der Tagesordnung als selbst in dem sonst, gebildetem Brody. Dieses läßt sich indeß leicht erklären; indem man hierin Lemberg — zwischen einer so zahlreichen christlichen Bevölkerung, in dieser auffallenden, höchst markirenden Tracht dem Hohn und der Verfolgung am stärksten ausgesetzt ist. Ja es gab da Zeiten, wo öffentliche Spaziergänge und Lustgärten weniger dem Juden als dem polnisch-jüdischen Kaftan verschlossen waren, und esgiebt da noch jetzt Gaffenwo nur sich deutsch tragende Juden wohnen dürfen. Es ist hier nicht der Ort, diese Maßregeln und die darin ausgesprochenen Prinzipien von christlicher Seite zu beleuchten, wol aber möge es hier am rechten Orte sein über die polnisch-jüdische Tracht in Galizien, aus jüdischem Gesichtspunkte, einige Worte fallen zu lassen. — Die jetzt in Polen als sinaitisch-traditionell (Ntrbii majab) angesehene jüdische Tracht von der, der dortige, gemeine Mann einen Moses, Josua Jesaias, ' David und Salomo gewissermaßen nicht zu trennen vermag, indem er alle diese israelitischen Heroen, sich nicht anders als im gehäkelten Kaftan, im Tislik und Srreimil einherstolzirend denken kann und daher jede Abweichung von dieser Nationaltracht als einen. Verrath am Judenthum selbst, als eine freventliche Erschütterung seiner festesten Grundpfeiler betrachtet; — diese famöse Tracht, sage ich, ist bei alldem nicht älter als wenige hundert Jahre, und dabei nie allgemeiner als für die Juden im weiland polnischen Reiche gewesen. Ja, der historische Ursprung dieser Tracht zeigt, daß sie eigentlich eine angenommene, unjüdische ist, und jene Eise-

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