Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1843)
- Date
- 1843-11-06
- Page
- Seite 678 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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678 rer, die jetzt noch die Annahme der deutschen oder europäischen Tracht durch ihr mißverstandenes 'mpirül •DVn «V (und in den Gesetzen der Völker sollt ihr nicht wandeln. 3 Moses) als freventlich und irreligiös verschreien, müßten eigentlich ihre eignen Kleider vom Leibe reißen und ihnen unrein! unrein! Nachrufen. Als die Juden unter Kasimir I. den Verfolgungen in Deutschland, wo sie seit Jahrhunderten eingebürgert waren, weichen mußten, und dieser freisinnige Polenkönig die Flüchtlinge mit offnen Armen empfing, da wandecten die deutschen Juden in Maffe in die damaligen weitläufigen polnischen Lander ein; und aller späteren Mißhandlungen und Verfolgungen, die sie später auch hier nicht verschont hatten, ungeachtet, blieben sie doch hier, sich immer mehr verbreitend und sozialen Einfluß gewinnend bis auf den heutigen Tag. — Die deutschen Juden brachten indest. die deutsche Tracht und Sprache mit sich in ihre neue Heimath; allein wol einsehend, daß sie hier durch eine besonders markirte Tracht sich nur sicherer dem Hasse und der Verfolgung des Pöbeis aussetzen würden, vertauschten sie bald ihre angestammte Tracht mit ihrer neuen Landestracht; und, obschon durch bewegte Jahrhunderte, besonders durch das isolirte Gemeindeleben der Juden in Polen begünstiget, die ursprünglich polnische Nationaltracht (eigentlich eine asiatisch-tartarische) sich in den jüdischen Kreisen fast bis zur Unkenntlichkeit modifizirt hat, so wird doch der genauere Beobachter sehr leicht im gehäkelten Kaftan mit Strokis den bebcämten (betreßten) Sirock, im nunmehr mit einer hohem Weihe begabten Gartet den prosaischen breiten bunten Gurt, und im abenteuerlichen Spodik die Kitschma der altpolnischen Tracht wie sie sich noch jetzt in der Bauernwelt (wenn auch hier schon mit einigen Modifikationen) erhalten hat, wieder erkennen. Das Zobel-Hittel scheint mehr aus dem Norden hergekommen zu sein, auch findet man noch jetzt in der Moldau und Wallachei viele alte Bojaren (Edelleute) die ihre Nationaltracht beibehalten, in runden Zodelmützen einherstolziren, wie ohngefähr ein polnisches Jüngelchen am ersten Sabbat in seinem großartigen Mechiten-Hittelchen*). Das Weitzen-Spodikil (d. h. *) Zum nähern Verständniß dieses Ausdrucks gehört Folgendes. In Polen werden am Verlobungsabend die beiden jungen Verlobten von ihren gegenseitigen zukünftigen Schwiegereltern (Mechitunkm) beschenkt. Die Braut eine Miniatur-Ausgabe des Spodik aus Feebälgen verfertiget) ist jetzt in Galizien eine höchst seltene Erscheinung, und nur noch auf dem übervollen und leeren Kopfe eines Jeschiwa-Bucherils sichtbar. Es ist jedenfalls eine Abart der gewöhnlichen Spodiks. Wo das Streimil sein Vaterland hat, weiß ich nicht. Der breitgekrampte Hut (Kapalisch) ist ein Ueberbleibsel der.weiland deutschen Tracht. — Dieses ist der eigentliche historische Ursprung dieser in Polen, unsinnig genug, als geheiligte jüdische Nationaltracht (!) angesehene Bekleidungsweise. — Betrachten wir nun denn aber auch den politischen, moralischen und sittlich-sozialen Nachtheil, den diese Tracht mit sich führt — Wir haben oben gesehen, daß nach Innen zu, diese Tracht eine unerschöpfliche Quelle des Aberglaubens, des Familienzwistes, der Verketzerungssucht, der Scheinheiligkeit und der Schwärmerei ist. Wir haben ferner gesehen, daß außerdem die'Frauentracht mit ihrem brillantenen Kopfputz oder Sterntüchel, eine trübe Quelle der Acmuth des Scheinreichthums und eines ganz verkehrten Verhältnisses im ehelichen Familienleben, dieser einzigen'.Basis aller sozialen Glückseligkeit, ist. — Dieses sind die moralischen und sittlich-sozialen Nachtheile der polnisch-jüdischen Tracht. Was die politischen Nachtheile betrifft, so sind sie ebenfalls sehr klar einzusehen und lei.der! in der Erfahrung nur zu sehr sich kundgebend. Denn diese Tracht errichtet nach Außen eine unnütze, gehässige Scheidewand zwischen dem Juden und dem Christen, die gewöhnlich kein, wenn auch noch so großer intellektueller oder moralischer. Werth des erstem zu vernichten im Stande ist. — Wie ist es auch anders möglich? — Der christliche Knabe lernt in seinem frühesten Alter die Leidensgeschichte Jesu kennen. erhält dann gewöhnlich von ihrer künftigen Frau Schwiegermutter (Mechiteniste) Geld zu einem paar Ohrgehänge (Ohrringlich) oder solche in natura. Der ,junge Bräutigam hingegen erhält von seinem zukünftigen Herrn Schwiegervater (Mochiten) entweder ein Zdbelhittele, oder ein Seigeril (Uhr) oder ein Pischkali (Tabacksdose), oder auch mitunter zwei dieser geheimnißvollen Drei zugleich. Es wollte mir bisher nicht gelingen das Mysteriöse dieses merkwürdigen Trinität zu enträrhseln. Diese Dinger die unter dem Namen kleine Mamnes (rnsriE) dort bekannt sind, spielen in den dast'gen Verlobungspakten (tPöttn) eine große Rolle, und geben' nur zu oft zu Mißverständnissen, Zank oder gar Bundesauflösung Veranlassung. — Korresp.