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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-11-06 · Heft 45 (6.11.1843) · p. Seite 669

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 45 (6.11.1843)
Date
1843-11-06
Page
Seite 669 (sequence 5)
Language
German
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669 Verstand befriedigend. (Neh. 8, 8.), und links zwei Bücher mit der Aufschrift „Gebetbuch und Gesangbuch des neuen Israelit. Tempels, daneben der Vers psb bäb ribsiri (Ps. 42, 9.). Ueber dem Hechal befinden sich ebenfalls blau emaillirt die Bundestafeln mit hebräischen Anfangsworten und zu beiden Seiten desselben zwei siebenarmige Leuchter. Die übrige Bodenflache nimmt ein in massivem Silber getriebenes und ziselirtes Plateau ein, den Vorgang 1 Kön. Kap. 8. Vers 4—6 vorstellend mit der Umschrift: 8aIomon wendete sein Angesicht und segnete die ganze Versammlung Israel’s. Das Ganze ist ein bewundernswerthes Kunstwerk und macht seinen Erfindern und Verfertigern Ehre. Auch der Chasan Herr David Meldola und der Küster Herr Joseph Gowa, beide ausgezeichnet in ihren Fächern, deren Amtsjubiläum ebenfalls mit dem des Tempels zusammenfällt, wurden mit Pokalen, Beglückwünschungen und sonstigen Zeichen der Anerkennung von der Behörde des Tempels bedacht. Von den Privatgeschenken, deren sich begreiflicher Weise eine namhafte Zahl bei dem Herrn Dr. Salomon einfanden, erwähnen wir nur eines Albums, in werthvollem goldgesticktem Einbande und von fast unschätzbarem Inhalt; denn es enthält nebst Anderem auch eine Menge eigenhändiger Zuschriften und kurzer Aufsätze auswärtiger jüdischer und christlicher Gelehrten, unter denen wir außer vielen unserer berühmtesten Theologen die Namen Draeseke, Böckel, Valentin, Rupp, Jacoby, Cremieux, Salvador,'Rosenkranz, Min. v. Struve, Niemeyer, Ammon u. s. w. fanden. Abends waren die Behörden des Tempels zu einem freundschaftlichen Mahle beim Jubilar vereinigt. Unter den ausgebrachten Toasten erwähnen wir den des Dr. Rießer, der bemerklich machte, daß bei der gegenwärtigen Periode wir Juden insbesondere Männer nöthig haben, die uns, bei der noch lückenhaften Theorie durch ihr persönliches Beispiel zeigen, wie und wie viel von dem liebgewonnenen Herkömmlichen m.it dem modernen* Element praktisch zu vereinigen sei. —. An demselben 18. Oktober predigte der hiesige Haupt-Pastor Dr. Alt aus Jes. 33, 22 über die Freiheit und'das Recht zu derselben. Er führte den Beweis, daß weder Geburt noch Stand, noch Glaubensbekenntniß irgend jemanden der natürlichen Freiheit, der Menschenrechte und der Rechte desjenigen Staats dessen Lasten er trägt, berauben dürfen. Die Beziehung aus die hiesigen Juden lag klar vor Augen und ward wol nur deswegen nicht deutlicher ausgedrückt, weil es hier als Regel gilt, daß die Prediger sich jeder Anspielung auf politische, zumal Tagesfragen enthalten. ' Und eine Tagesfrage ist die Judensache jetzt hier! Denn es vergeht kaum ein Tag, wo nicht Aufsätze für und wider die Gleichstellung unsere Zeitungsblät- 1er anfüllen. Wenn auch im Durchschnitt von beiden Seiten mit wenig Talent geführt, stehen unsere Gegner in diesem Kampfe in jeder Hinsicht zurück und das aus ganz natürlichen Gründen. In denjenigen Gegenden in unserm deutschen Vaterlande nämlich, wo es noch vielleicht etwas lohnt, die Juden als ein spitzbübisches, übelriechendes, wucherndes, faules, knickriges Geschlecht zu schildern, das dem Teufel noch zu schlecht ist, um es zu holen, da klingt es ganz wichtig und pompös: wie der nichtsthuende Jude, der nichts in's Land gebracht, beständig an dessen Marke zehre; wie er den Schweiß des Landmannes zu Dukaten mache, die er dann bei der Oellampe wieder benage, wie man Bettsedern schleißt. Für dergleichen, ja selbst für den Rayen-Fanatismus ist nun hier nicht der geringste Boden, und selbst der größte Judenhasser kann.sich hier dergleichen nicht beikommen lassen. Es bleibt mithin den Gegnern nichts übrig als die Berufung auf angeborne Abneigung, wogegen sich ja nichts einwenden läßt, oder auf den bodenlosesten Unsinn. Da erzählt der Eine: es sei unmöglich mit Juden umzugchen oder Freundschaft zu halten, wegen der vielen absondernden Gesetze. Er selbst habe erst neulich in einem sehr befreundeten jüdischen Hause einen sogenannten Dieb aus dem Lichte nehmen müssen, ^den Niemand anzugreifen wagte, weil es Sabbat war. Ein Zweiter beweist, kein Jude könne Richter werden, weil man nicht mit völligem Zutrauen einem Richter von anderer Religion gegenüber stehe; — und vergißt, daß auf diese Weise kein Jude vor einem christlichen.Richter sein Recht erwarten könne. Ein Dritter weift im Namen der Toleranz nach, daß jeder vernünftige Mensch sich der Religion der Mehrheit anzuschließen verpflichtet fei und so fort. Unter den bei dieser Gelegenheit

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