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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-11-06 · Heft 45 (6.11.1843) · p. Seite 670

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 45 (6.11.1843)
Date
1843-11-06
Page
Seite 670 (sequence 6)
Language
German
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670 erschienenen Broschüren fyat, jedoch eine von einem kürzlich getauften Juden, dem Pferdehändler Math an svn am meisten' Spektakel gemacht. Dieser schon früher in dieser Zeitung erwähnte Mann, der dreimal in's Tollhaus gesperrt war, hat, wie er selbst sagt, aus Rachsucht gegen die Juden, ein Register von Flüchen herausgegeben, die die Juden gegen die Christen im täglichen Gebrauch haben sollen und zu denen schon die Kinder selbst mit Schlägen angehalten würden. Diese Schandschrift, die er selbst zum Theil gratis in Kaffeehäusern, in Weinkellern und sogar in Omnibusen vertheilte, hat einige Lage lang allerdings bei dem kleinen Bürgerstande etwas böses Blut gesetzt, und dabei war unglücklicherweise die Schrift nicht allein voller Lügen, sondern auch sonst in jeder Hinsicht so unter aller Kritik dumm und pöbelhaft, daß es durchaus unmöglich war, sich damit einzulaffen. Jndeß ist sie nun schon vergessen und wir sehen der Zukunft hoffnungsvoll entgegen. —. Auch wir Juden haben jetzt unsere Altlutheraner! Während der Feiertage hielten sich hier einige Meklemburger auf, um der neuen dortigen Synagogenordnung zu entgehen und außerhalb Landes sich an den dort abgeschafften pm ff. ff. zu erbauen. Ferner haben wir ein Gericht über Lebendige und Todte: ja wir haben Richter dazu, die an ihrer Befähigung und ihrem Berufe nicht im Mindesten zweifeln. Das sind nämlich die Gabaim der alten Todtengräberbrüderschaft. Diese Behörde, welche keinen, noch so unbescholtenen Mann an ihrer Mizwa Theil nehmen läßt, wenn sie ihn nicht für einen Gottesfürchtigen (nach ihren Begriffen!) erkennt, halt auch bei Bestimmung der Grabstätten ein förmliches Todtengencht und sortirt die Leichen in Klassen nach dem Maaße ihrer Frömmigkeit. Man spricht von nicht weniger als 46 Reihen, die auf diese Weise formirt worden. Da ist die erste Klasse: die besteht aus Chassidim, dann kommen, die bloß sechzehnmal im Jahre fasten, dann die, welche nicht koschern Wein trinken, andere die alle Sorten Käse essen, andere, die sich rasiren, die auf Reisen Fische oder andere Gegenstände essen — und so abwärts alle Stufen der „Neumodischen" hindurch bis an den äußersten linken Flügel. Dabei sind immer wieder Unterabtheilungen für Männer, Frauen und Kinder, so daß wirklich eine bedeutende Kenntnis zur gehörigen Klassisizirung gehört. Es bedarf übrigens keiner Erwähnung, daß die Tage dieser Brüderschaft gezählt sind. Nachbemerkung des Redakteurs: durch die Güte unsres Herrn Korrespondenten sind wir im Besitz des Textes der von ihm erwähnten Fest-Kantate, und glauben, da sie sowol allgemeinen Interesses, als auch sicherlich nicht ohne poetischen Werth ist, unfern Lesern zu gefallen, wenn wir sie hier folgen lassen. F e st - K a n t a t c, komponirt von C. Csbelli. 1. Chor. Heilig, heilig, heilig Bist du Gott, unser Herr! Dich fassen keines Tempels Raume, - Dich fesseln keines Landes Saume. Wo deines Namens wir gedenken, Wirst du uns deinen Segen schenken.*) Heilig, heilig, heilig Bist du Gott, unser Herr! 2. Arie und Baß-Chor. Einst auf Zions heil'gem Hügel Tönte Davids feurig-Lied; Auf der Flöt' und Harfe Flügel Schwang empor sich das Gemüth. Majestätisch zogen Chöre In des Tempels Pforten ein. Und des Königs höchste Ehre Wac's, der Sänger Fürst zu sein. Aller Stämme Stufenlieder Einten sich zu Gottes Ruhm; Tausende entzückter Brüder Sammelte das Heiligthum. 3. Tenor-Rezitativ, Arie und Chor. Und vor dem rauchenden Altar Lag im Gebet die fromme Schaar, Und mit empor gehobner Hand *) 2 Buch Mos. Kap. 20. V. 24.

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