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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-11-06 · Heft 45 (6.11.1843) · p. Seite 668

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 45 (6.11.1843)
Date
1843-11-06
Page
Seite 668 (sequence 4)
Language
German
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668 am Abend des I7ten (dem Ausgang des Succoth- Festes) begangen wurde, hat hier und im Auslande vieles Interesse erregt, da man darin den ersten Meilenstein der jüdischen Kultus-Reformation erblickt. In diesem Sinn sprach sich auch die von dem Prediger Dr. Frankfurter gehaltene Festrede über die beiden Anfangsverse des IV3 Psalms aus, die eine Uebersicht des Ganges dieses Zweiges unserer Reformation seit Begründung des Tempels — damals des einzigen, der auch nur die Predigt dem Gottesdienste angefügt — bis auf diese Zeit, wo fast alle Gemeinden diesen wichtigsten Fortschritt eingeführt, die meisten auch mehr oder weniger die Liturgieen vereinfacht und veredelt, regelmäßigen Gesang eingeführt und mit Gebeten in der Landessprache einen Anfang gemacht haben: Erfolge, an denen unserm Institute ein großer Antheil nicht abzusprechen ist. Der Redner berührte ferner mehrere besonders glückliche Umstände, die das Aufblühen des Tempels begünstigt haben, unter denen er. die eminenten Fähigkeiten und Leistungen feines Vorgängers Dr. Kley und seines Kollegen Di-. Salomo n, der sein Jubiläum mit dem Institute zugleich feiert, wie nicht minder den einsichtsvollen Eifer der Tempeldirektoren, namentlich der ersten, von denen nur noch ein Mitglied am Leben ist. Eingeleitet war die Feier durch einen bezüglichen Choral, dem das gewöhnliche Maarib-Gebet folgte, und beschlossen wurde es durch eine Inständige aus vierzehn -Nummern bestehende Festkantate, wol die größte musikalische Unternehmung, die in neuerer Zeit beim jüdischen Gottesdienste versucht worden ist. Diese Kantate, im Texte die Entstehung dieses Tempels,. als ein Erzeugniß der jüdischen Religionsgeschichte poetisch darlegend, ist von einem Mitgliede des Tempeloerems, dem Pianisten C. Co belli größtentheils im strengen Kirchenstyl komponirt, enthält sieben fugirte Chöre, die, so wie die Soli, von 42 größtentheils jüdischen Dilettanten mit vieler Präzision ausgeführt wurden, und machte, obgleich der beschränkte Platz die Begleitung auf die bloße Orgel reduzirt hatte, im Ganzen einen sehr befriedigenden Eindruck, und dokumentirt auf's Neue die hohe Befähigung des Komponisten* *). *) Dennoch können wir uns nicht erwehren, darauf Am folgenden Tage, dem 18. Oktober, hielt der Dr. Salomon selbst seine meisterhafte Jubelpredigt, die sich im Ganzen der vorigen anschloß und dann die persönlichen Gefühle des Redners beschrieb *)> Nachher ward demselben in seinem Hause durch die Tempelverwaltung ein ausgezeichnetes Festgeschenk überreicht. Dasselbe besteht in einer, bei L. Friedeberg u. Sohn in Berlin verfertigten schweren Silberpiece, welche das Innere des Tempels, Kanzel, Tabernakel u. s. w. vorstellt. Auf dem aus blauem Email bestehenden Vorhang liest man die Widmung: Dem Dorm Dr. Gotthold Salomon zu seiner 25jährigen Amtsfeier als * Prediger am neuen Israelitischen Tempel zu Hamburg am 18. October 1843 von seinen Verehrern. An der Kanzel die Worte: Gott mein Herr gab mir eine geübte Lunge, damit ich wisse - zur rechten Zeit zu dem Müden zu reden. (Ies. 50, 5.) Rechts liegt auf einem silbernen Kissen ein Buch mit der Aufschrift: Salomons Deutsche Bibel, daneben der Vers: Und man las indem Buche der göttlichen Lehre erläuternd und den aufmerksam zu machen, daß der jüdische Kultus den norddeutsch-protestantischen Kirchenstyl in seiner strengen Durchführung nicht überall ertragt, und daß unsere kirchlichen Tondichter durchaus nicht vor dem Vorwurf „moderner Styl" „leger," „weltlich" u. s. w. zurückschrecken dürfen. Die jüdische Anschauung ist einmal nicht eine so wehmüthige, als die (zumal protestantisch-) christliche. Sie weiß nichts von Erbsünde, von Zwiespalt der Gottheit und Menschheit, von Erlösung durch ein ewig fortzusetzendes General-Opfer, und daher muß auch unsere Musik (eben wie unsere Predigt) eine andere sein. Selbst bei Erwähnung des Galoth erscheint die Gottheit uns nur als züchtigender liebender Vater, und den persönlichen Sünden ist bei gehöriger Buße die Vergebung gewiß, ohne daß wir uns an andere Verdienste anzuklammern hätten, als an die unserer eigenen Werke und Gesinnungen^). Anm. des Korrefp. *) Anm des Redakt. Wir müssen offen gestehen, daß uns die vom Herrn Korrespondenten über jüdische Kirchenmusik ausgesprochene Ansicht schon längst im Blute liegt. Wir wünschen, daß jüdischeoder christliche Komponisten darüber ein Urtheil sich bildeten, und freundlich uns dasselbe mittheilten. *) Beide Predigten werden dem Vernehmen nach im Druck erscheinen, wir enthalten uns daher weiterer Beschreibung. Interessant für das Ausland ist der ganze Vorgang, auch in der Hinsicht, daß hier wol zum erstenmal ein angestellter jüdischer Prediger sein Jubiläum kehrt. 2(nm des Korresp.

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