Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1843)
- Date
- 1843-11-06
- Page
- Seite 667 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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667 erst spät Ln den Völkern Emopa's Las Bewußtsein langsam zu erwachen begann: es giebt doch ein Recht des Menschen, das unveräußerlich, unverlierbar, unnehmbar ist, das nicht verwirkt und nicht geraubt werden kann, und durch Verträge nicht zugesichert zu werden braucht.-Unter der Gewalt solcher Begebenheiten, wie sollte das Herz dieses Volkes nicht nach oben sich wenden, wie sollte es nicht allein feine Existenz finden in der Religion? (Fortsetzung folgt.) GLnige Fragen. 3. Was will man? Man will den Nihilismus sanktioniren; man will das Nichts für gesetzlich erklären; einige Advokaten, Belletristiker und Kauflcnte, die zufällig als Juden geboren sind, wollen sich zusammenthun, und für das gesammte Israel erklären. Alles; was in seiner Religion sich vorfindet, sei ungültig, bis auf eine oder zwei Lehren, die sie freilich auch nicht näher bestimmen, wahrscheinlich weil es sich machen könnte, daß sie diese auch noch bei Seite zu schieben Lust bekommen könnten. f„Der Mofaismus ist ewiger Fortbildung fähig," d. h. es steht Nichts in ihm fest, er kann, jedes Gewand jeder Zeit umwerfen, er kann abthun, was Einem nicht gefällt, er kann annehmen, was Einem beliebt. Was ist denn der Mosaismus in diesem Falle? — Nichts, als was man von Zeit zu Zeit aus ihm macht. Ich, der ich in dem Wandel der Zeit, in dem Wechsel des Irdischen, in dem immerfortigen Auf- und Untergehen, nach dem Ewigen, Unwandelbaren, Festen und Sichern strebe und ringe und mich sehne — ich soll an Las gewiesen werden, was die „Zeit" mit sich bringt, um von der nächsten „Zeit" wieder verdrängt zu werden? Wenn ich Las will, dann brauche ich' nicht Religion, nicht Mosaismus, nicht Forschen und Sehnen, dann will ich sein, wozu Ihr mich auf heimlichem Wege machen wollet,'mein eigener Diktator, mein Selbstherrscher, dann sage ich kühn: ich verschmähe dieGGaben der Vorzeit, ich weife ab die Lehren der Väter, ich verachte das, woran die Menschheit so viele Jahrhunderte gearbeitet und gehalten, ich will Nichts, als was ich selbst bin und habe und für gut finde; es giebt kein Allgemeines, unter das sich Millionen als unter einen sichern Schirm stellen können, ein jedes Individuum ist sein eignes Maaß, sein eigner Lehrer, sein eigner Gesetzgeber —-Sehet, das wollt Ihr, das wollt Ihr als ein Gesetzliches verkünden— und Solches können wir Euch nicht zugestehen! Zeitungsnachrichten. . Deutschland. Frankfurt am Main, 19. Oktober. Die Augsb. AÜg. Zeit, läßt sich von hier berichten, es habe sich ein Verein gebildet unter Christen, deren Mitglieder sich gegenseitig verpflichten, den jüdischen Kaufleuten nichts abzukaufen, weil Letztere überhand nehmen. Wir haben von diesem Verein bis jetzt nicht das Geringste erfahren, und glauben auch nicht daran, mögen auch von den Einwohnern dieser Stadt solche Intoleranz nicht erwarten. Wir betrachten die ganze M'ittheilung als eine hassenswürdige Insinuation, durch welche der Charakter der Bürger dieser Stadt verdächtigt wird. Die Bildung ist hier zu allgemein herrschend, der jüdische Kaufmann wird zu sehr geachtet, als daß dergleichen pur wahr sein könne*). Tritt auch die Trennung zwischen den beiden Konfessionen hier mehr wie irgendwo hervor, so tragen die früheren Zeiten die Schuld davon; unsere Zeit wird um so mehr beitragen, diese Kluft auszugleichen, weil der Grad der allgemeinen Bildung aus beiden Seiten gleich ist. (Aach. Zeit.) Aus dem Meklemburgischen, 16. Oktober. (D. A. Z.) Mehre sehr gewünschte neue Gesetze kommen gar nicht beim Landtage zur Vorlage, so große Hoffnung auch dazu wahrend des vergangnen Sommers entstanden war. Der Einfluß der Bürgermeister in den landtagsfähigen Städten, welche die Landschaft bilden, und die Bemühungen der Kramerzünste treten dem gehofften neuen Judengesetze entgegen. Hamburg, im Oktober. (Privatmitth.) Die 25jährige Jubelfeier des hiesigen Tempels, welche °) Am stärksten würde wo! das eigene Interesse des Publikums solchem entgegentreten. Redakt.