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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-11-06 · Heft 45 (6.11.1843) · p. Seite 666

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 45 (6.11.1843)
Date
1843-11-06
Page
Seite 666 (sequence 2)
Language
German
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666 eine angemessene genetische Anlage stießen? — Dies ist es ja Mn, was — mag man sich noch so sehr anstrengen, die UxgeMchte Jsrael's Ln's Mythische und Mystische hinüber zu zerren, sie zu verfabularisiren — >Le Wahrhaftigkeit derselben bezeugt, daß die ganze Geschichte Israels dieselbe Einheit mit sich trägt, wo Ursache und Wirkung, Gedanke und That, Idee und Wirklichkeit sosehr übereinstimmen, und die Resultate von heute noch die ganze Folge der Begebenheiten bedingen, daß wir sie fast uns so a priori konstruiren könnten, wie sie war. Im Leben des Individuums sehen wir die religiöse Richtung sich vorzugsweise da eutwickeln, wo zu einer Innigkeit des Gemüthes ein hartes., wechselvolles Geschick, besonders eine Absonderung, ein Verlassensein tritt. Ze räthselhafter sich das Dasein auf Erden gestaltet, indem es bald in die Höhe steigt, bald in die Tiefe sich senkt, ze mehr Fragen es zuläßt: desto eher schaut der Mensch nach oben, und holt sich aus dem Reiche des Geistes den Ersatz. Ueberall hingegen, wo ein leichter, ebener Lebenspfad, mit Blüthen der Freude geschmückt, unter ewig lächelndem Himmel dahinführt, wird ein liebenswürdiger Leichtsinn den Ernst nicht aufkommen lassen, und sich beschränken auf den Genuß und die Be- - treibung des Irdischen, das sich in so reizender, reicher, abwechselnder Gestaltung ihm darbietet. So auch im Leben der Völker.— Die gemüthliche Innigkeit kann nun dem jüdischen Stamm von seinem Beginn an nicht abgesprochen werden. Sie offenbart sich schon im ersten Aufruf an den Urahn (1 Mos. 12, 1,), der sich los - reißen soll „vom Vaterlande, von der Geburtsstätte, vom Vaterhause," während andere auswandernde Stämme so lustig in See zu stechen pflegen, und voll Hoffnung und Kampfesmuth die heimischen Gestade nicht bald genug verlassen können; sie zeigt sich in der Herzensinnigkeit, die zwischen Eltern und Kindern 'da walten mußte in frühesten Zeiten, daß die Schrift so viele herrliche Gleichnisse für das Verhältniß zwischen Gott und Menschen daraus zieht; die — und das wollte man gar leugnen — zwischen beiden Geschlechtern da herrschen mußte, daß das Hohelied schon den herrlichsten Ausspruch über die Liebe geben konnte, den unübertrefflichsten * *); sie *) HL. 8,6. 7.' „Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn stark wie der Tod ist die Liebe, fest wie die Unterwelt ihr Eifer, ihre Gluthen Feuergluthen, Gottesflamme. Viele Wasser vermögen nicht zu löschen die Liebe, und Ströme flutheu konnte der feindselige Tgcitus nicht leugnen*); sie müssen selbst die erbittertsten Gegner noch heute als einen Vorzug Israels zugestehen. . Daß aber schon die äußeren Schicksale des jüdischen Volkes die religiöse Richtung Hervorrufen und nähren mußten, wer weiß es nicht? „Fremde im fremden Lande" waren seine Stammväter, feine Führer; seine Wiege war die raffinirteste Sklaverei, nicht die Sklaverei, die dem besiegten Volke auf den Nacken gelegt wird nach dem Rechte des Siegers, sondern die der treulose Gastfreuud hinterlistig dem sorglosen Fremdling bereitet, ihm selbst das Glück der Nachkommenschaft verkünunernd, und den Fortzug gewaltsam versperrend. In der Wüste ward es umgebildet; seine Stätte wußte es sich mit Waffengewalt durch einen Vernichtungskrieg erobern; es war ein abgeschlossenes Land, von Wüsten und felsigem Gestade und Schneegebirge umringt, und doch offen genug für die Raubzüge der Beduinen und Eroberungszüge der asiatischen Despoten. Nach innen kein Ganzes, sondern durch Stammabtheilung zerfallen, förderte die Eifersucht der Hauptstämme die Schwäche und den Untergang. Wieder ward es in die Knechtschaft geführt; große Zweige gingen verloren; ein geringer Rest ward von den Bächen Babel's an die Ufer des Jordans wieder versetzt; und dieser Ueberrest stand da zwischen den großen asiatischen und afrikanischen Mächten, ein gewisser Raub des Siegers. Dennoch machte es sich frei, setzte sich selbst Fürsten, bewahrte seine Unabhängigkeit, bis der Römer kam und es erdrückte. Dennoch raffte es 'sich empor und stand dem Schwerte, das die Welt bezwungen; blutiger als mit den Griechen, blutiger als mit Iberern und Galliern, Britten und Germanen war der Kampf, dessen Ausgang jedoch nicht zweifelhaft sein konnte. Aber es waren unterdeß große Schaaren in fernen Gegenden angesiedelt, obschon immer mit dem Blick nach Zijon. Wer aus dem, noch öfter wiederholten Kampfe übrig geblieben, zog nach irgend einem Winkel der Erde. Jetzt war Israel zerstreut unter alle Völker, aber noch kannte es den Druck nicht. Den erfuhr es erst, als das Christenthum den Thron der Caesaren bestiegen hatte. Jetzt wurde es ausgeschlossen aus der bürgerlichen Gesellschaft, geächtet, verfolgt, gejagt, gehetzt, gemartert --biä sie nicht hinweg; gäbe ein Mann die ganze Fülle seines Hauses um die Liebe, verspotten würde man ihn." *) Apud ipsos fides obslinata, misericordia in promptu. Tacit. Histor. lib. V. Cap. Y. §. 2.

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