Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1843)
- Date
- 1843-10-30
- Page
- Seite 660 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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660 vorheben: „Wehe dem, der im Gesetze nur einfache Erzählungen und gewöhnliche Worte sieht! Die-Erzählungen des Gesetzes sind nur das Kleid des Gesetzes. Es giebt Unsinnige, die, einen Menschen, mit einem.schönen Kleide sehend, dieses für den Körper nehmen, wahrend noch eine viel herrlichere Sache existier, die die Seele ist. Das Gesetz hat auch seinen, Körper. ' Es giebt Gebote, die man den Körper des Gesetzes nennen kann. Die gewöhnlichen Erzählungen sind die Kleider, die den Körper bedecken." „In jedem Worte verbirgt sich ein höherer Sinn) jede Erzählung lehrttuns eine andere Sache als die Begebenheiten, die sie zu enthalten scheint. Und dieses höhere und heiligere Gesetz ist das wahrhafte Gesetz." Fr. zeigt auf Stellen des Kirchenvaters Origenes hin, die ganz, dasselbe besagen. So haben sich die Kabbalisten die Freiheit zu-sagen, was sie wollen, bewahrt, ohne mit der Autorität der Schrift zu brechen, wahrscheinlich auch um ihr eigenes Gewissen zu beschwichtigen. Der Sohar bedient sich übrigens sehr selten der Mittel, welche die alten und neueren Kabbalisten so vielfach in Bewegung gesetzt: ‘pp'nüii, iTrmn.— Das dritte Kapitel versucht die Meinung der Kabbalisten über die Natur Gottes aufzustellen. Aus größeren Stellen des Sohar leitet der Verf. folgende, immer wieder mit Stellen belegte Deduktion heraus. Gott ist, nach dem Sohar, vor Allem das unendliche Wesen, das vor dex Schöpfung, ohne Form und Aehnlichkeit, durch Nichts gefaßt werden konnte. Das unendliche Wesen läßt sich aber zuerst durch die zehn Sephiroth erkennen, die jedoch nur Attribute, ohne substantielle Wirklichkeit sind. In der Gesammtheit derselben besteht die erste, vollständigste und erhabenste Manifestation Gottes, und sie heißt „der primitive oder himmlische Mensch" üia, y)»ip üna, von dem der irdische Mensch nur eine schwache Kopie ist. Richtig gefaßt ist dieser „primitive Mensch" nichts anderes als die absolute Form alles Seienden, die erste Idee. Während nun die Einen die Sephiroth als die Instrumente der göttlichen Macht ansehen, die Anderen sie mit dem göttlichen Wesen selbst' identisiziren, so daß Gott als das Unendliche, das'En-Sopli, das Ensemble der zehn Sephiroth seistellt sich die Ansicht in die Mitte: Gott ist gegenwärtig in den. Sephiroth, aber er weilt nicht gänzlich in ihnen, er ist nicht bloß das, was man unter diesen Formen der Idee und der Existenz bemerkt. Die Sephiroth können, das En-Sopli nicht fassen, welches vielmehr die Quelle jener ist, so daß Gott dennoch immer das unfaßbare-, unendliche' Wesen, über allen Welten, die seine Gegenwart uns offenbaren, bleibt. — Die erste Sephirah ist NN2 die Krone, das Prinzip aller Prinzipien; sie stellt das Unendliche in seinem Unterschiede vom Endlichen dar,- als das Sein in sich, das darum ist es aber ein völlig Unbestimmtes, dem Bestimmten gegenüber Negatives, also y*X, Nichts, (ganz wie Hegel Enzyktop.'der philosi'Wissensch. H. 86 und 87). Aus dieser absoluten Einheit gehen parallel zwei scheinbar entgegengesetzte, in Wirklichkeit aber untrennbare Prinzipien hervor, das eine aktiv> männlich: , die Weisheitdas andre passiv, weiblich: Nd'M,. die Intelligenz, jene das Subjekt, diese das. Objekt der Erkenntniß-, aus deren mysteriösen und ewigen Vereinigung ein Sohn hecvorgeht, das Wissen. Diese drei schließen Alles ein, was da ist, sind aber ihrerseits in Gott vereinigt. Indem dies nun vielfach allegorisirt wird, wollen die Kabbalisten nur die Einheit,des Seins und die Dreiheit der intellektuellen Manifestationen ausdrücken. Es ist im Grunde der sogenannte logische Prozeß Hegel's. — Die übrigen sieben Attribute entwickeln sich ebenfalls unter der Form von Dreiheiten, zwei Extreme und eine Vermittelung. Zuerst gehen zwei entgegengesetzte Prinzipien hervor, aktiv und passiv, männlich und weiblich: nvn die Gnade und die Gerechtigkeit, das ist nach der Ansicht der Kabbalisten die Ausdehnung und Zusammenziehung (Expansion und Konzentration) des Willens, die sich vereinigen in der Schönheit, so daß das Schöne als der Ausdruck und das Resultat aller moralischen Eigenschaften, die Summe des Guten betrachtet wird. — Die folgenden drei Attribute betrachten Gott als die Allmacht, als das Schöpfungsprinzip aller Wesen. Wiederum männlich und weiblich: NLd der Sieg und Tirt der Ruhm. Unter dem „Siege und dem Ruhme" versteht man die Ausdehnung, die Vermehrung und die Kraft. Sie vereinigen sich in dem Schöpfungselement, w die Basis. Die letzte Sephirah, die Herrschaft, drückt kein neues Attribut, sondern nur die Harmonie, die unter allen anderen Sephiroth herrscht, und deren absolute Herrschaft über die Welt aus. — So theilen sich dir zehn Sephiroth in drei Klassen; die drei ersten sind die rein intellektuellen oder metaphysischen, drücken die absolute Identität des Seins und der Idee aus und bilden die intellektuelle Welt die drei folgenden, moralische, zeigen Gott als Identität der Güte und Weis-