Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-10-30 · Heft 44 (30.10.1843) · p. Seite 654

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 44 (30.10.1843)
Date
1843-10-30
Page
Seite 654 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225326--05605-3236269
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

654 Was aber die andern Fragen betrifft, „warum der Rabbiner nicht die Summe der materiellen Kräfte, die Geltung und Achtung seiner Gemeinde bei den Behörden u. s. w. in Anwendung gebracht habe" u. dgl. m.; so hat es hier dem Referenten beliebt sich in hohlen allgemeinen -Phrasen herumzutummeln, ohne selber klar zu wissen,- was er eigentlich meint. Wo nur irgendwie ein deutliches Gesetz zur Steurung der Umtriebe angerufen werden konnte, da hat schon der Vorstand — denn dem Rabbiner kömmt es gar nicht-zu, solche Waffen zu führen — seine Pflicht erkannt und gethan. Zeugniß hievon giebt die allgemein bekannte Thatsache, daß die eigentlichen, direkten Missionspredigten, welche der genannte Missionar Schwarz zu halten begann, wirklich untersagt worden sind, weßhalb nachher die, mit dem Aushängschildö „gemeinschaftliche Bet- und Andachtsstunde" veranstalteten Zusammenkünfte zu dem gottgefälligen, im Himmel wie auf Erden wohl bezahlten Versuche,. Juden Bekehrung zu predigen benutzt werdenmußten. Wo aber von einer Berufung auf das Gesetz nicht mehr die Rede sein kann, da hat ein >,Geltendmachen der materiellen ~ Mittel" Lu s. w. gar keinen Sinn oder höchstens -einen solchen, der die Sache.zur öffentlichen Besprechung ungeeignet macht. Es ist aber auch nachher, wie ich dem Referenten bestimmt versichern kann,- sowol -vom Gemeinde - als vom Religionsvorstand' Alles versucht mnd angewendet worden, was nur innerhalb der Grenzest möglich'ist, welche ihm eben von der Pflicht, die-Ehre der Religion zu wahren und jedes schimpflichen Mittelsin ihrem.Dienste - sich zu enthalten - vorgezeichnet sind. : Daß v der "Referent davon Nichts weiß, das macht die Sache'nicht minder wahr; es wäre über nur seine Pflicht gewesen, sieb genauere Auskunft zu verschaffen, ehe er es unternommen der Gemeinde und dem Rabbiner Strafpredigten zuzudonnern. Will aber etwa der Referent aus der Erfolglosigkeit, der gethanen Schritte auf die Unterlassung derselben schließen, so möge er den ersten besten Pesther Israeliten um Bescheid fragen. Da wird er denn hören, welche eigenthümliche Umstände und Verhältnisse hier obwalten, welche Einflüsse aus unachtbarer Ferne her einwirken, Einflüsse,welche alle materiellen Mittel, alle Geltung und Achtung der Gemeinde überwiegen, die wie ein Hemmschuh ede freie Bewegung hindern, die sich auf allen Wegen entgegen kommen und jedes Unternehmen zur Ausrottung des Unwesens vergeblich machen. Dem Referenten, der Alles weiß und über Alle und Alles spricht, können diese Umstände , nicht fremd sein, er kennt sie-wohl; und eben weil er weiß, daß hier das rechte Wort nicht erwiedert werden kann, darum wirft er sich mit ausgesuchter Persidie gerade auf diesen Boden, um von da seine hämischen Angriffe und Ausfälle auf Gemeinde und Geistlichen zu richten. Wäre -das Mannöver nicht so herzlich dumm, man war' versucht es gar gescheidt zu nennen. — Es sei dem aber wie immer, der Referent mag getrosten Herzens sein. Freilich, wenn er nicht bishersein Licht hinterm Scheffel-gehalten hätte und schon früher mit seinem einsichtsvollem Rathe hervorgetreten wäre, dann wäre ohne Zweifel gleich im Anfänge die Sache besser und zweckmäßiger behandelt ' worden und -das Resultat befriedigender ausgefallen. Da nun aber einmal die betreffenden Personen sich selbst überlaffen waren, so haben sie darum doch nicht gleichgültig zugesehen und die Hand in den Schooß gesteckt, vielmehr -habest' sie die- Ehre der Gemeinde und der Religion — sowol bei demwas sie nach ihrer beschränkten Einsicht versuchten, als bei dem, was sie unterließen — nie aus den Augen verloren. — -- Und auch in Betreff der Folgen mag der Referent sich trösten. Noch sind nicht mehrere Familien abgefallen, und noch beschränkt sich mit geringen Ausnahmen die ganze. Ausbeute der Missionäre, auf den besser- oder schlechtergekleideten Auswurf und Abschaum heimathlichen oder fremdländischen Gelichters. Wenn : nun solche. Menschen, diekein Hehl daraus. machen, daß sie dem Meistbietenden ihren Glauben oder vielmehr Unglauben hingeben, oder die vielleicht erst bei der Taufe sich erinnern, daß sie je Juden waren, wirklich übertreten, so können wir wahrlich ihren Verlust ruhig tragen. Wenn, aber endlich sogenannte Gelehrte, reich an Dünkel, Arroganz'und Großsprecherei, aber arm an Geist, Herz und Gemüth, wenn solche, die ffich berufen glaubten, unsre ersten Wortführer und Vertreter zu sein und immer nur „Juden und Judenthum" im Munde führten, die sich nicht entblödeten „Mendelssohne" der ungarischen Judenheit heißen zu wollen, und als solche sich von sinn- und gedankenlosen Schwätzern ausschreien zu'lassen (vergieb ihnen Geist von Lava-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.