Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1843)
- Date
- 1843-10-30
- Page
- Seite 650 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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650 ihm, um ihn, in ihm sich." hervorthlm — desto größere Lebenskraft Müssen beide, auf einander gestobene Momente Habens ^.Wäre Eines von. ihnen, sei es 'das alte/oder das "neue, " todt, öhne^Energie^, ohne im^Böoeü bens zu wurzeln — es wäre längst aus, still, zu Grabe getragen. Eine Volksmasse, die Jahrtausende säst auf bestimmtem Geistesgebiete geweilt, wenn siewie vom Wirbelwinde eines neuen Lebens gefaßt wird, kann nicht mit einem Male iy ein ruhiges. Geleise treten. Es kann da nicht wie auf einem diplomatischen Kongresse zugehen, wo man die wichtigsten Fragen — abtanzt. 2. Was fehlt? . ' Wenn man in das Innere der neueren Bewegungen innerhalb des Judeuthuws schauet, und sie mit den alten Zuständen und den sie beherrschenden Motiven vergleicht, so nimmt man Eines mit tiefem Bedauern wahr: es> fehlt die Freudigkeit des Berufes, der edle Stolz des Bekenntnisses. Ich bin der Letzte, der den geistlichen Stotz,. wie überhaupt den Religionsstolz billigt, der für seinen Glauben den höchsten Stuhl im' Paradiese, wenn nicht dies ganz und gar zu alleinigem Besitze fordert. Aber man muß doch durchdrungen sein von Dem, was man seine Ueberzeugung nennt, man muß doch darin ein hohes, herrliches Besitzthum finden, ein kostbares Erbstück, das man verehrt und seinen Enkeln getreulich überliefern will, man .muß von seinem Werthe,^ von seinem Reichthum.erfüllt sein, man muß glühen für das, um das man duldet und kämpft! Siehe, so Du eine Kette -klirrend nach Dir ziehest, bist Dü ein Gefangner; so Du den blauen Horizont über Dir als die Decke eines -Kerkers erachtest, . bist Du ein Gefangener. Aber. Kolumbus ließ seine Fesseln mit sich in sein Grab legen/ als beredte Zeugen seiner inyern Größe. Und es strahlt doch die.Sonne qm Himmel, und die Sterne leuchten von droben herab! Der neuere Jude ist so vom. Gelüste nach dem Abseitigen durchdrungen, daß er, wenn er auch die Ueberzeugung seiner Religion in seiner Brust trägt, wenn er auch fühlt, daß, so er sie verleugnet, er sein innerstes Wesen verleugnet, dennoch den geheimen Wunsch hegt — es möchte anders sein können! Jene Innigkeit, jenes Hingegebensein, jenes Allerfülltsein, jenes volle, .hochklopfende Bewußtsein von den Schätzen seiner Religion, die den geschmähten Juden verachtend auf seine Schmäher, hinabsehen ließen, die ihn . zum Märtyrerthum nicht nur des Todes, sondern eines langen, vietgekreuzigten Lebens begeisterten, diese fehlen dem neuern Juden ^.noch, un^ so lange ^diese ihm noch fehlen.kann er »AM Mostes vollbringen- und sein Werk nicht vollenden/ \ , }t#> Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt am Main, im Oktober. (Privatmitth.) Ueber die Eingabe des hiesigen Rabbinats, daß kein Knabe jüdischer Eltern in den hiesigenisraelitischen Gemeindeverband ausgenommen werden solle, wenn an demselben der Akt der Beschneidüng nicht.vollzogen worden ist, hat der Senat noch keinen Beschluß gefaßt. Unterdessen werden alle über diesen Gegenstand dem Rabbinat zugekommenen Gutachten, (die hebräischen in der Uebersetzüng,) der Behörde übergeben. — —. Der Aufbau einer' neuen Synagoge ist auf schwer zu beseitigende Hindernisse gestoßen; unser greiser Rabbinerunter dessen spezielle Aufsicht und Anordnung btcfer Neubau vertragsmäßig gestellt wurde, fühlt sich zu schwach,! um allein alldn Anforderungen genügen zu können, und verlangt daher vor dem Beginn des Baues die Anstellung eines zweiten Rabbinen, der wissenschaftliche Bildung mit ernstreligiösem Sinne verbinde. Welche Schwierigkeiten aber dieser Forderung entgegengesetzt werden, kann nur der begreifen, der den allgemein herrschenden Geist m unsrer Gemeinde kennt. In einer unlängst gehaltenen Trauerrede hat dieser Rabbiner der alten Schule offen "erklärt, daß er alles Mögliche anwenden würde, den Gottesdienst in der neuen Synagoge auf eine, dem geistigen Standpunkte seiner Gemeinde würdige Weise einzurichten. Vor Allem sei aber nöthig einen Rabbinen anzustellen, damit die Lehre Gottes jeden Samstag gelehrt würde. Wenn diesem Rabbiner noch am Abend seines Lebens ein Mann zur Seite gestellt, der mit Einsicht und Kenntniß auf die Bahn eines besonnenen Fortschritts die Zurückgebliebenen und die zu weit Fortgeschrittenen zu lenken versteht, so wird unsere Gemeinde wieder denjenigen Standpunkt einnehmen, den sie immer mit Stolz behauptet hat. Zum erstenmal wurde am verflossenen Versöhnungstage der Andachtssaal Vormittag geöffnet.