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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-10-16 · Heft 42 (16.10.1843) · p. Seite 631

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 42 (16.10.1843)
Date
1843-10-16
Page
Seite 631 (sequence 11)
Language
German
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' Der Zahnarzt Joseph Herz, ifrael. Glaubens, Welcher sich Wts redlich ernährt und LmJähke1815 an demFrldtzug gegeu dir Franzosen Thril genommen hatte, starb den b. September und wurde heute ^dusch den Vorstand der ulken Krieger feierlich beerdigt. Gegen 8 Uhr Morgens versammelten sich die Kriegskameraden vor dem Leichenhaufe und' setzte sich der Zug in Bewegung. Vor der Leiche her marschirten drei Tamboure, welche einen Trauermarsch schlugen, zwanzig bewaffnete Schutzen und drei Kameraden, von welchen einer auf einem Sammetkissen des Verblichenen Denkmünze trug. Die Leiche wurde durch den besten städtischen Todtenwagen zur Ruhe befördert. Ihr folgte der Lehrer der jüdischen Gemeinde, Aimwermann, im Ornate, Hann der wegen der General-Mu- . strrung anwesende General von Borke, die Majore von Mansbach und Hermann, die Kriegskameraden des Verblichenen zu zweien in der Reihe. Unter den Kameraden bemerkten wir unfern Landrath Pilgrim, Hauptmanu Grolrnaim und Pottgießer, Pastor Müller und Consbruch, dann folgten viele Mitglieder der israelitischen Gemeinde und andere Bürger und .Honorationen der Stadt. Als der Zug auf. dem jüdischen. Todtenacker angelangt und die Leiche eingesenkt war, erfolgten zwei Gewehrsalven. Darauf hielten die jüdischen Lehrer Zimmermann und Lehmann kurze Standreden, eine dritte Salve folgte, und der Zug kehrte unter Trommelschall zurück. Von der böhmischen Grenze, 19. September. (Privatmitth.) Roch giebt es, trotzder zweiten Erbsünde, des Judenhasses nämlich, biedere Judenfreunde, oder besser biedere Menschenfteunde unter den Christen Böhmens; noch findet man edle Czechen, die warme Patrioten, gläubige Christen, treue Beamte sind und zugleich den Sohn des Vaterlandes im Inden anerkennen, die sittlich - moralische Kraft der jüdischen Religion zu würdigen wissen und ihre untergebenen Juden zu den anhänglichen, aufopfernden Unterthanen zählen. Ja, folgen, der Zug eines wahrhaft humanen christlichen Beamten würde selbst dem gläubigsten Juden, hätte er ihn auSgeführt, zum Lobe und Verdienst gereichen, würde selbst eines Kreisrabbiners werth sein. Doch hat weder ein gläubiger Jude noch ein Kreisrabbiner sich die Mühe gegeben, für das Schul- und Synagogenwesen einer jüdischeu Gemeinde Schritte zu' thun, sondern — mirsbilv äiotu — ein Christ! Herr Wenzel Davidik nämlich, Amtsdirektor und Justiziar von Lieben — einem unweit von Prag gelkMen Orte — und Inhaber einer Ehrenmedaille hat während seiner ftchzechNjahrigen Dienstzeit seinen untrrge- -benen Mden manche ^Beweise. -der Humanität und' Möw gegeben. Allen seinen Verdiensten aber, die er sich um die Juden erworben, setzte er durch folgende preiswürdige Handlung die Krone auf. Die Synagoge und Schule der nicht unbedeutenden Gemeinde zu Lieben -sind baufällig. Der Rabbiner in seiner Nonchalance kümmert sich wenig dämm, ob seine Gemeindeglieder eine ordentliche Synagoge und einen geregelten Gottesdienst haben, 'oder ob die Jugend gehörig unterrichtet wird, wozu doch vor Allem ein Schulgebäude nöthig ist. Der geehrte Herr Ämtsdirektor aber nahm sich des verlassenen Schul- und Kultuswesens seiner ihm untergebenen Gemeinde an und scheuet weder Kosten noch Mühe, um den Bau einer Synagoge und Schule zu ermöglichen. Außerdem daß es seinem eifrigen Bemühen gelungen, die hohe Gubernialbewilligung zum Aufbau einer Synagoge, eines Schulgebäudes, einer Wohnung für Rabbiner und Lehrer zu erlangen; außerdem daß er selbst Hundert Gulden Conv. Münze beigesteuert und zur Erweiterung des Synagogengebäudes der Gemeinde ein Grundstück von sechs Klaftern Länge und beinahe drei Klaftern Breite geschenkt: wendet er sich auch noch, mündlich und schriftlich an Rabbiücr und Laien, an Juden und Christen, an fitembe mb Einheimische, um den Kostenaufwand von 15,000 Fl. Conv. Münze zu erschwingen. .Seine Mühe und sein Eifer blieben aber auch nicht erfolglos Um nur einige bedeutende Geschenke hervorzüheben, genüge > es, daß Herr von Rothschild auf eine schriftliche Auf-, forderung des geehrten Herrn Davidik 250 Fl. Conv. Münze' zum Aufbau des Synagogen - und Schulgebäudes geschenkt, und daß Herr Markus Willhartetz -in Prag, der zwar anfangs, als er vernommen, daß der Kultus nach Art des Prager Tempels eingerichtet sei» werde, Nichts beisteuern wollte — obwol er aus Lieben gebürtig — auf die mündlichen Ermahnungen des Herrn D.- aber die namhafte Summe von 500 Fl. Conv. Münze gab. Ein Bauer hat dreißig Klafter Steine uventgeldlich geliefert. Bemerkenswerth ist ferner folgendes Mittel, daß Herr D. anwendet, um Geld zusamwenzubringen. Jeder Jude nämlich, der eine Schuldforderung hat, an deren Bezahlung er zweifelt, übergiebt sie dem Herrn Amtsdirektor, der seine Autorität gebraucht, um die Schuld für die Synagoge einzutreiben. So sind schon durch den rastlosen Eifer und durch die unermüdliche Thätigkeit des Herrn D. einige Tausend Gulden da.

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