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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-10-16 · Heft 42 (16.10.1843) · p. Seite 630

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 42 (16.10.1843)
Date
1843-10-16
Page
Seite 630 (sequence 10)
Language
German
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©30 statt von Mühlhausy, dem Konsistorium entgegen, welches, wie Sie sagen ,' mit großen Kosten eine Synagoge mit verschwenderischer Pracht #au*v um : das- Uebe.l zu verewigen, indem: es sich beeifett die : unsauber» Lappen untereinem .gesticktem Kleide zu verstecken." . , Das B.edürfniß einer Synagoge zu Colmar wurde schon seit langer Zeit tief empfunden; dem K.onsistorium kommt die Ehre dieses Baues nicht zu, sondern einer aus aufgeklärten Männern bestehenden * Kommission, welche sich von den Hindernissen zu befreien gewußt, welche auch in dieser Angelegenheit das Konsistorium sechs Jahre lang der Errichtung dieses schönen Monumentes entgegengesetzt, das bestimmt ist, die religiösen Gefühle der israelitischen Gemeinde. zu beleben; die philanthropische Gesellschaft stimmt von Herzen diesem Gefühle, bei, welches.- sie ihrem Zöglingen als die Grundlage aller Moral einzuflößen sucht; sie sieht diese Synagoge als den Beweis eines außerordentlichen Fortschrittes an, und wenn der Herr Oberrabbiner von dieser Kanzel herab, die Sie irrigerweise als eine den mosaischen Gesetzen zuwiderlaufende Neuerung, ansehen, immer mit solcher Beredsamkeit sich ausdrückt, wie am verflossenen Freitage, so wird diese Synagoge den Widerstand des Konsistoriums besänftigen, die Einigung unter den Israeliten befestigen- und^alle Neuerungen, begünstigen, welche mit der mosaischen Religion im Einklänge stehen, die keinen mit der Moral verträglichen Fortschritt ausschließt; dann wird das schöne Gehet, in Erfüllung gehen, welches dev Herr Oberrabbinernur gen Himmel gerichtet zu. habZw scheint, um die Bekehrung des Konsistoriums zu. bewirken, wenn er so schön, sagt: „Gieb, o gütige^ Gott daß. sie nie deinen Tempel verlassen, ahne besser und religiöser geworden zu sein, % dein Geist lejte sie überall und deine Liebe, wurzele in ihren Herzen und führe sie zu ewiger Glückseligkeit!" Wenn das Gebet des Herrn. Oberrabbiners Erhörung findet unddas Konsistorium durch glückliche: Sinnesänderung, einen bessern- Weg einschlägt., und umr dem- Zwecke ihrer Anstalt zu entsprechen dem Fortschritt, ihrer Verwalteten in. der Zivilisation zu befördern strebt, dann wird die Gründung der Colmarer Synagoge ein glückliches Ereigniß sein, und anstatt im Widerspruchemit den Absichten und Be-, strebungen unserer Gesellschaft zu stehen, wird sie dazu gedient haben-, die eifrigsten- Wünsche, - nämlich die geistige Wiedergeburt der Israeliten durch: Unterricht und Arbeit zu verwirklichen." Aber mit schneidender Schärfeantwortet der Redakteur, er will vom Kultus garnichts wissen, hält die Synagoge für unnütz, die religiösen Gesetze für schädlich, und-verlangt, die aufgeklärten Israeliten sollten dies selbst predigen. — Die Ansichten, die solche Sprache diktirenkennt man bereits zu genügend, um noch viele Worte darüber zu machen. Wir wollen dem Manne nicht absprechen, daß es mit dem Juden des Elsasses noch viel anders werden muss, wir können ihm darin nur Recht geben, wenn er di e geißelt, welche heilsame, nützliche Unternehmungen bekämpfen , da es gerade in ihrer Pflicht liegt, sie kräftigst zu fördern — wenn aber von der andern Seite die Industrie und immer wieder die Industrie zum Gotte, und zwar zu einem, höchst despotischen Gotte, der keinen andern neben sich duldet, gemacht, alles religiöse Bedürfniß geleugnet, dieses als dem industriellen Gotte feindlich bezeichnet wird: so ist das freilich nur der Ausfluß einer Zeit, die Gottsei Dank! — doch nicht mehr ganz die unsrige ist. Gerade dem Redakteur des C. du H. R. gegenüber, müssen wir den Hoffnungen des Herrn Werth die möglichste Erfüllung wünschen , daß die industrielle Entwickelung mit der religiösen Hand in Hand gehe. Eine Volsmalse, die in der- Industrie die bedeutendsten Fortschritte gemacht, dafür aber Gott und Religion hinter sich geworfen hat — eine solche ist wahrlich! nicht das Ziel der Menschheit- Gott bewahre uns vor ihr! PersorralnochrLchten. Tunis. Zn Tunis ist der Ln mohamedanischen Staaten unerhörte Fall vorgekommen, daßeine«! Juden, §in. Joseph Soemann, der Nischam-oder Verdienst-Orden-, verliehen worden ist. Dortmund, 1J. Sept. (Privatmitth.) Es ergötzt jeden. Menschenfreund, Liebe und Eintracht andieu Stelle der Intoleranz treten zu sehen.- Auch unsere Stadt, die nur langsam veraltete Ideen, fahren läßt und sich bald an den Prinzipien des neunzehnten Jahrhunderts gewöhnt, gab hiervon ein schönes LZeispiel.

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