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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-10-16 · Heft 42 (16.10.1843) · p. Seite 623

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 42 (16.10.1843)
Date
1843-10-16
Page
Seite 623 (sequence 3)
Language
German
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623 .eifl A-chM-en des Prof. Lvzzato in Padua, aus.dem Italienischen wortgetreu übersetzt, geben,'ckaS uns von HrMfuxt am Main zugesandt worden. Die Äüg. Zeit, des -Judenth. will allen Partheien im Judeuthume die Aussprache geben? und Luzzato ist Mann genug, um feine Ansicht veröffentlichen und als eine wichtige hervor- Mm zu muffen. Ueber den in der Augsburger Allgemeinen Zeitung Z. Aug. 1843 besprochenen jüdischen Reformverein. Der Mißbrauch des Wortes und' die Ausschmückung häßlicher Dinge durch schöne Namen ist nichts Neues; und jemehr Kultur und Sittenverfeinerung zunehmen, desto größer wird der Abscheu vor unschönen Ausdrücken. Wohl uns, wenn mit der Vermeidung der unschönen Benennungen auch alles Häßliche vermieden würde; allein das ist nicht immer der Fall. Die Leichtigkeit, das Häßliche durch ehrenvolle Namen zu beschönigen, dient oft dazu, dem minder scharfsichtigen Auge das Verabscheuungswürdige desselben zu verhüllen und dessen Verbreitung immer wehr zu befördern, und die Auffindung eines verblendenden Namens wird oft die Quelle nachdrücklicher Uebel. Ein trauriges Beispiel hiervon stellte sich eben in den jüngsten Tagen dar. Einige Israeliten, denen die an.das Judenthum geknüpften Religionsubungen zur Last geworden, wünschen, sich mit einem Schein von Legalität von demselben loszusagen, ohne jedoch als sündhafte llebertreftr des göttlichen Gesetzes angesehen zu werden; sie geben daher ihrem Vorhaben., das mosaische Gesetz gänzlich abzuschaffen, den verführerischen Namen einer Reform. . Ist aber ein solcher Namen der Absicht dieser Männer angemessen? Luther reformirte die Kirchedenn er reinigte sie von manchen Glaubenspunkten und Hebungen, welche sich im Laufe der Jahrhunderte in dieselbe eingedrängt hatten und stellte das Christeuthum wieder so her, wie es bei dessen Ursprung wirklich, oder nach Ansicht, gewesen war. Ebenso glaubten die K.araiten durch strenge Beobachtung dessen, was sie für den Sinn der Worte unseres Gesetzgebers anerkannten, das Judenthum zu reformiren. Allein mit welcher Stirne wagen es Männer sich Reformatoren des Judrnthums zu nennen, welche sich von allen „verwerflichen ausschließenden Satzungen und exklusiven Gebräuchen förmlich lössagen?" Das Judenthum war seit seiner Entstehung eiye ausschließende Religion. Abraham's Familie hat -sich von jeher für eine erwählte .Nation, für ein Priestervolk gehalten. Die Israeliten iwareu in der That - die Bewahrer jener heiligen Lehren, die sich von ihrer Mitte aus nach ulleu Punkten der Erde verbreiteten und die Finsternisse der moralischen Welt zevstreuend, jenes viele oder wenige Gute erzeugten, dessen sich die moderne Zivilisation rühmen darf, die jedoch von ihrer Vollkommenheit noch ziemlich entfernt ist, da das griechische Element derselben mit dem äbrahamitischeu in fortwährendem Konflikt begriffen ist. Als Priester des Menschengeschlechts wurden die Israeliten durch mannichfache exklusive Gebräuche ausgezeichnet, denen sie eine Erhaltung und Existenz verdanken, welche zu behaupten, so viele weit größere und mächtige Nationen, außer Stande waren. Roch haben die Israeliten ihre Sendung, nicht vollbracht, die abrahamitifchen Prinzipien sind noch nicht vorherrschend auf dem ganzen Erdkreis. Mit vollem Recht dürfen daher die Israeliten auf ihre Sendung stolz sein, und nicht ohne Grund dürfen ihnen die ausschließenden Gebräuche, welche sie auszeichnen, theuer fein. Ja, wäre selbst ihre Mission zu Ende und „die Erde voll von Erkenntniß des wahren Gottes, wie Wasser das Meer bedeckt," selbst dann müßten die Israeliten auf den ersten und frühesten Besitz der heilsamen Lehren stolz sein, welche die ganze Welt von ihnen empfangen hätte.. Und wenn Moses zu den Israeliten feines Zeitalters sagte, sie seien berufen, ein Priestervolk zu werden, so sagt Jesaias (61, 6), daß noch in ben spätesten Zeiten der Zukunft Jakob's Nachkommen die Priester des Ewigen werden, genannt werden. — ' Das Judenthum ist also seinem Wesen nach ein Priesterthum, und als solches eine ausschließende, mit exklusiven Gebräuchen ausgestattete Religion. Wol ist der Geist des Iudenthums eine -allgemeine Religion, seine Moral ist für's ganze Menschengeschlecht denn der Weg des Ewigen, welchen Abraham lehrte (Gen. 18, 19) besteht in nichts Anderem, als in „Uebung der Humanität und Gerechtigkeit," und wahre GotteSerkenntuiß besteht nach Jeremias (9, 23) in der Ueberzeugung, daß Gott auf Erden Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Milde ube; denn, fügt er im Namen des Ewigen hinzu, das rst's, woran ich Wohlgefallen finde (wenn der Mensch es übt). Allein das Judenthum ist als Priesterthum, als Bewahrer und Verbreiter dieser Lehre von vielen ausschließenden Religionsübungen unzertrennlich; und wer diese «»Hebt, reformirt nicht, er zerstört daS Judenthum. Es steht, einem Jeden frei, diesem Priesterthum die-ser exklusiven Religion zu entsagen', jeder der da will, kann sich von dem

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