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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-10-09 · Heft 41 (9.10.1843) · p. Seite 618

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 41 (9.10.1843)
Date
1843-10-09
Page
Seite 618 (sequence 14)
Language
German
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©IS vorheriger Bestätigung der Hähern Behörde, /als Präsident des israelitischen Konsistoriums und Oberrabbiner in sein Amt feierlich installirt. Leider hat. mit dem.-Beginnen seiner Amtsverwaltung durch die langjährige Anstrengung im Studium und durch die stete Sorge zur Herbeischafsung der dazu nöthlgen Mittel sich seiner ein Nervenleiden bemächtigt, das, wie seinen Körper, auch seine Energie -zur Förderung des Guten und der Religiosität und dir freie Entwicklung aller seiner Kräfte, lähmte. - Dieses Leiden, welches unter abwechselnder Besserung und Verschlimmerung ihm die wenigen Lebenstage trübte und verkümmerte, hat nach einer siebenjährigen Qual durch hinzu gekommenen Brustkrampf seinem Leben allzufrüh ein Ziel gesetzt. — «So ist oft der unergründliche Wille des Lenkers des Weltalls. Nach jahrelangen Kämpfen und Mingen mit Widerwärtigkeiten aller Art, nach dem angestrengtesten Fleiße sich die nöthigen Kenntnisse anzueignen, nur der Menschheit nützlich zu werden, geht diesem - muthigen Kämpfen kaum eine erquickende, heitere Sonne auf, als der unerbittlichen Parze am eben erhellten Tage den jugendlichen Lebensfaden durchzuschneiden befohlen wird. Doch was Gott thut, ist wohlgethan, und seine Beschlüsse bleiben dem menschlichen Verstände unbegreiflich. An diese Skizze, der Geschichte seines Lebens reihet sich würdig die seiner Amtsthätigkeit an. Wie der Verstorbene bis -zu seiner Anstellung viele Schwierigkeiten zu besiegen hatte, so mußte er mit der Uebernahme feines Amtes Vorurtheile vernichten , die sich hemmend seinen bessern Einsichten entgegen stellten. Um möglichen Irrungen vorzubeugen und dem mit der Sachlage Unbekannten durch das eben Ausgesprochene nicht irre zu leiten, müssen wir den Charakter und die Tendenz Ullmann's zu schildern versuchen. — Sein Charakter war friedsaM und versöhnend. Gerne opferte ec seine eigene Meinung, wenndieses Opfer den Frieden der Gemeindeglieder förderte, ohne gerade deshalb die von seiner Ansicht Abweichenden zu fürchten. Von der Bahn der Billigkeit und des Rechts wich er nicht einen Schritt. Er war freundlich gegen Jeden und ehrte eines Jeden Ueberzeugung. Er hielt die richtige Mitte zwischen den Altgläubigen und den Neologen. Er persiflirte die sogenannten Altgläubigen nicht; denn sie haben mit Gut und Blut aus den Stürmen der Zeiten und aus allen Gefahren den Glauben gerettet; er übersetzte ihre Rechtgläubigkeit nicht, wie einige exaltirte Narren spottweise mit Orthodoxie und Finsterniß. Er vermied alle Gewaltstrekche, womit einige Mpublikanrr unserer Religion alles Bestehende Umstürzen wollen. Er wußte zu gut, daß derartige lächerliche Kraftentwickelungen dem Fortschritt den Eingang versperrem Den Alten einen neuen Glauben einflößen, ist eben so thönchr, ^als Jedem seine eigne 'Ueberzeugung auforingen zu wollen, — besonders wenn die gepriesene Religiösität des .Neomanen sehr bezweifelt werden kann — Alles von und mit der Zeit ist eine goldene Lebensregel.. Nicht wie einige irrende Reformer wollen, das Kind mit dem Bade ausschütten, und mit Untergrabung des Fundamepts der mosaischen Dogmen, als nicht zeitgemäß, den Glauben entwurzeln; nicht wie einige Gemäßigte unschuldige und harmlose -Satzungen, welche Gebrauch und Alter geheiligt haben, dem Gläubigen verdächtigen; nicht, wie diejenigen, welche in dem Rabbiner nur den Doktor sehen, alle jüdische Gelehrsamkeit aus dem Volke verbannen — dieß lag in der Absicht und dem Willen des seligen Ullmanns nicht. Er war aus innerer Ueberzeugung konservativ. Dem -Wesen wollte er Das Wesentliche, dem Unterschiede das. Unterscheidende erhalten. Denn keinen Glauben ohne- Kult»sform, und das Judenthum christianisiren ist/eiWLächerlichkeit, -welche den Ruin desselben zur Folge haben muß. Um dem Jndifferentismus, der in der neuern Zeit durch schlechte Beispiele und hassenswerthe Willkühr Einzelner im Judenrhum hereingebrochen ist, und den unredliche Neologen zu verantworten haben, nicht Thür und Thor zu öffnen, vermied Ullmarm mit Vorsicht und nach gehöriger Sonderung des brachen Feldes, die alten Gebräuche, in so fern es nicht Mißbräuche sind, anzutasten. Er lebte der festen Zuversicht, daß Verbesserung des Unterrichts und Förderung der Bildung der Jugend den Kern von der Schale zu unterscheiden lehren wird. Hierhin richtete er. deshalb seine besondere Aufmerksamkeit, hier entwickelte er alle seine Kräfte, und mit Muth und Ausdauer beschwichtigte er die drohenden Stürme. Hier mit Güte, dort mit Gewalt wußte er bessere Lehrer eürzuführen, und den Unterricht zu ordnen, immer das schöne Ziel im Auge haltend. Mit welchen Unannehmlichkeiten die Regulirung des jüdischen Schulwesens verbunden ist, mit welchen materiellen und geistigen Schwierigkeiten der Kamps gewagt werden muß, wird dem nicht unbekannt fein, der mit den statistischen Verhältnissen der einzelnen Gemeinden und mit der Verwahrlosung derselben vertraut ist. Ullmann wußte diese Dämonen zu beschwören, und ließ sich durch keine Schranken in der Verfolgung seines Ziels abschrecken. Er schaffte die Mit-

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