Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1843)
- Date
- 1843-10-09
- Page
- Seite 619 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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619 Ul, gute, tüchtige Lehrer zu satariren, und wo einzelne kleine Gemeinden die Kosten nicht erschwingen konnten, da suchte und fand et Hülfe bei den Behörden, welche bereitwillig- Zuschüsse aus den. Kommunalkassen hergaben. Dieser seiner Beharrlichkeit haben gegen 30 Gemeinden es zu verdanken, daß ihre Kinder sich eines geregelten Unterrichts erfreuen und dem sich etwa entwickelnden Keim zu höherer Ausbildung wenigstens der Weg gebahnt wird. Der Segen dieser seiner Anstrengungen wird nicht ausbleiben, und die Früchte derselben sehen wir bereits hecanreifen. Verdient in Hinsicht der Schulen der selige Ullmann volle Anerkennung von Zeitgenossen und Nachkommen, so hat er sich noch ein schöneres Denkmal gesetzt in den Herzen aller Israeliten durch seine thatige Theilnahme zur Verbesserung der politischen Stellung der Juden. Die Zeit und die Umstande benutzend, wußte er seinen Petitionen Eindruck zu verschaffen und keine Gelegenheit entging ihm, wo er von der Toleranz und der Humanität unserem Zeitgenossen durch Recht und Billigkeit eine Erweiterung der bestehenden Bürgerrechte erlangen konnte. Viele Aufsatze und Widerlegungen böswilliger Auffindungen des Jüdenthums liefern hierzu den Beweis. Seiner. Wachsamkeitauf die Jntere-ssen seiner Glaubensgenossen ist es nicht entgangen, daß die neue Kommunalordnung für die Rheinprovinz den Juden mit der Ausschließung von allen. Kommunalämtern drohte. Im Namen des israelitische» Konsistoriums vertheidigte er in einer Bittschrift an den 7. Rheinischen Landtag nach seinen besten Kräften.die langst üe facto bestehenden und schon früher erworbenen Rechte in Beziehung auf Berechtigung der'Juden, Kommunalämter zu übernehmen. — Die hochherzigen Männer des 7. Rheinischen Landtages haben in Folge der durch ihn' zur Sprache gebrachten bedrohten Rechte der Juden den betreffenden Passus gestrichen. Doch nicht zufrieden mit dem Erlangten, hat er, ungeachtet seiner körperlichen Schwache, so viel seine geistige Kraft vermochte, zu der Durchsetzung des von vielen Sekten petitionkrten Antrags: jedes Excemptionsgesetz aufzuheben und den Juden der Rhein- Provinz mit den übrigen Bürgern des Staates unter gleichen Pflichten gleiche Rechte zu ertheilen," mitgerungen und mitgekampft. Der Erfolg ist bekannt. Wenn wir nun auch nicht verkennen, daß in dieser letztem Beziehung'der Sache der Menschheit und Menschlichkeit durch die hohe Intelligenz und die edlen Gesinnungen, welche den 7. Rheinischen Landtag in allen Verhandlungen auszeichneten, der Sieg geworden ist, und zunächst diesen edlen Vertretern unsrer Provinz unser innigster und aufrichtigster Dank gebührt, so halten wir uns dennoch für verpflichtet, auch diejenigen mit einzuschlkeßen, deren Mitwirkung und Vertheidigung nicht ohne einigen Antheil an dem schönen Erfolg geführt wurde.— Unter diesen glänzt, wir. sagen es mit Stolz, unser Oberrabbiner vr. Ullmann. So wirkte der nun in Gott Ruhende für seinen Sprengel, und fein Wohlthätigkeitssinn trug, wo es galt> durch pekuniäre Hülfe edle Zwecke zu' fördern, selbst in weiter Ferne noch segensreiche Früchte. Aber auch für seine eigene Fortbildung war ec äußerst, thätkg, und er wendete alle Musezeit an, um mit der Tagesliteratur gleichen Schritt zu halten, und nicht durch Stillstand Rückschritte zu machen. Davon zeigt seine reich ausgestattete Bibliothek, welche sowol von theologisch-rabbinischen, philosophischen, als auch belletristischen Werken' eine schöne mit Sachkenntniß geschaffene Auswahl enthält. Seine Uebersetzung des Koran hat ihm einen besondern Ruf erworben und eben war ec beschäftigt, eine, wissenschaftliche Einleitung zu der dritten Auflage zu scheiben, als ihn der Tod ereilte. Wie er im Leben von Allen, die ihn kannten, geachtet und geehrt wurde, , davon zeigte sein am 7. September stattgefundenes feierliches Leichenbegangniß. Aus der.Nahe und Ferne rief die rasch verbreitete Trauerbotschaft die Freunde und Verehrer des Verblichenen herbei. Die Wohllöblichen Behörden unserer Stadt und die Geistlichkeit sammtlicher Konfessionen in ihrem Ornate schlossen sich dem Zuge an, gleichsam hierdurch dasPcinzkp des seligen Ullmann ehrend, der es sich besonders angelegen sein ließ, die Annäherung zwischen Juden und - Christen im bürgerlichen und sozialen Leben zu. realisiren, und dieentfremdende Absonderung, welche Intoleranz und Irrglauben in der Längst-Vergangenheit zwischen diejenigen gestellt haben, die sich rühmen ein Ebenbild Gottes zu sein, zu vernichten. Die Schuljugend mit ihren Lehrern und viele Mitbürger geleiteten den Zug in feierlicher Stille zum Grabe, wo vok zwei jungen Rabbinatskandidaten würdige Leichenreden gehalten wurden. Um ihn weint eine Wittwe und zwei zarte Knaben, und der Sprengel trauert um den Verlust eines . Ob.errabbiners, dem nur eine feste Gesundheit fehlte, um allen gerechten Ansprüchen zu genügen. Sit illi terra levis.