Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1843)
- Date
- 1843-10-09
- Page
- Seite 615 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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ßis ftagt wird, und wo mlso der Zufluß nichtsnutziger, giewiffenLoser., ehr- und gottvergeffenor Subj-ekte unbeschränkt ist, ist es da — frag' ich — möglich, jenen langÄanischm Setigkeltsverkausern den Markt zu.-verkürzen? Soll etwa jeder polnische Vagabund, jeder Wiener relegirte Student, jeder Abentheurer und Glücksritter, sollen diese und ähnliche liederliche Individuen,'unter welchen doch die meisten Proselyten geworben werden, von einem Gemeindvorstand zum Beharren in der Judenheit besoldet und Lar lebenslänglich ausgefüttert werden? Ich frage, kann und,.darf sich eine Gemeinde in sulch' schmähliches Getreide einlaffen? und kann es einem denkenden Menschm je in den Sinn kommen, die Unterlassung eines solchen Versuches derselben als Fehler anzurechnen, wenn er dem gesunden Verstand nur einiges Gehör schenken und sich nicht, wie der Referent, so ganz von Leidenschaft Hinreißen -lassen will? — .Der gleiche Geist der Wahrheit und des Rechtes, nur -noch in höherem Grade, durchweht die Darstellung des! Referenten in ihrem zweiten Theile, worin er. den andern hier , herrschen sollenden Fehler, „unverantwortliche Unthätigkeit, Lauheit und Fahrlässigkeit von Seiten der Religionsvertreter" besprechen und Nachweisen will, -und darum dieselben vor das Forum seiner Justiz führt. . Voram der eigentliche Prediger, Herr Bach, den er kurz und stolz absertigt, den er mit der Wucht eines majestätischen Schweigens erdrückt. Denn ist schon der Referent gewaltig in zürnender Rede, so ist er noch größer und. furchtbarer im Schweigen; und macht ^er den Schuldigen verstummen, wenn er laut klagt und schilt, so erfüllt banges Zagen und düstre Angst unser.Gemüth, wenn er in halben Worten und leisen Andeutungen redet, wenn er einmal, da er noch die Gemeinde auf's Korn nimmt, mit der Enthüllung von „fernern Ursachen" droht, welche die „Triebfeder in Bewegung setzen" oder wenn er hier mit ge- Heimnißvoller, vielsagender Miene uns ankündigt, er wolle über Herrn Bach schweigen. Nun wir ergeben uns in unser Schicksal und ertragenin Demuth, was er beschlossen; ja wir halten sogar das gewissermaßen zur Entschuldigung beigefügte: „Jeder Pesther Jsraelite wisse warum" ganz überflüssig; das Schweigen bedurfte wahrlich keiner Rechtfertigung. Dieses Schweigen indessen erlaubt auch mir kurz zu sein und dem Referenten das. Eine nur zu sagen: Falls er'wirklich die Personen und Zustände hier so genau kennt, muß er auch wissest, daß Herr Bach, fast drei Lusira hindurch seinen Beruf als Prediger auf die ehrenvollste Weise erfüllt, daß er, wo es noth thut und erforderlich ist, das Wort wohl zu führen weiß, und daß er keinesweges der Letzte unter den Streitern für unser geistiges Palladium, für den angestammten Glauben, genannt zu werden verdient. — (Fortsetzung folgt.) Frankreich. Colmar, 17. September. (Privatmitth.) Der Olrmeur 6u Haut-Rhin von heute enthält Folgendes: „Am Freitag fand die Einweihung des schönen Tempels statt, welchen die israelitische Gemeinde zu Colmar bauen lassen. Diese Feierlichkeit hatte viele Israeliten aus dem Elsaffe herbeigezogen,1 und da eine große Menge Personen eingeladen worden, so wohnte ein beträchtlicher Th eil d er hiesigen Bevölkerung diesem religiösen Feste bei. Der Zulauf war so groß, daß ein Piket Fußvolk und ein Posten Polizeidiener kaum die Ordnung erhalten konnten. In der Nähe des Heiligthums waren Stühle für die öffentlichen Beamten gestellt. Wir bemerkten da den Herrn Präfekten des Deparments, den Herrn Mair und mehrere Mitglieder des königlichen und bürgerlichen Gerichtshofes. Die für die Damen ausbehaltene Platze waren alle besetzt. Es befanden sich sogar' da mehrere israelitische Damen welche gegen ihre Gewohnheit im Schiff Platz nahmen. Die Zeremonien der Einweihung - begannen um zwei Uhr Nachmittags. Die Bücher Mosis auf Pergamentrollen geschrieben, und in reich verzierten seidenen Beuteln enthalten, wurden aus dem Heiligthume herausgeno.mmen' und Prozessionswelse von den Herren Rabbinern und den Mitgliedern des Konsistoriums herumgetragen, Psalmen von dem Vorsinger und einem Knabenchor abgesungen. Der Oberrabblner hielt eine Rede über das Gebet. Der Styl dieser Rede erinnerte an die Bibel und an die morgenländische Poesie durch ihre kühnen Bilder und den erhabenen Ausdruck. Den Personen, welche sich zum ersten Male in einem israelitischen Tempel befanden, siel das