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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-10-09 · Heft 41 (9.10.1843) · p. Seite 614

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 41 (9.10.1843)
Date
1843-10-09
Page
Seite 614 (sequence 10)
Language
German
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gen. In seiner, beiNichtjuden in so hohem Grade seltenen Eigenschaft als ausgezeichneter Kenner hebräischer Sprache und Literatur suchte er wol die Bekanntschaft einiger gebildeten Israeliten, ohne je auch nur im Entferntesten. Bekehrungsbestrebungen hervorblicken zu lassen, welche eigentlich erst im Sep- - tember v. I. nach der Ankunft des preußischen getauften Missionärs Schwarz und Konsorten ansingen. In Folge dieser Bekanntschaften und nicht auf offizielle Einladungen hatten seine Besuche in Tempel und Schule Statt, welche um so unverdächtiger und unschuldiger erschienen, als sie zumeist in Gesellschaft eines Mannes geschahen, dessen Alter, Stellung und Ruf den Verdacht noch nicht aufkommen ließen, er selbst wolle Bekehrungsversuchen ein geneigtes Ohr leihen■ oder solchen bei Andern Vorschub leisten, der von der Milch des deutschen Rationalismus und deutscher Kritik zu voll genährt schien, um mit platten, von deutscher Wissenschaftlichkeit oder Gemächlichkeit himmelweit entfernten hochkirchlichen Frömmlern scheinheilige Gesichter zu schneiden und Augen zu verdrehen, der den Geist und die Wahrheit eher bei Strauß und Feuerbach als bei Johannes oder Paulus suchte, und dessen; wenn auch lange nicht makellosem Charakter doch die Ehrlosigkeit noch nicht zugetraut wurde, ein ganzes langes Leben verläugnen zu wollen, um sich vom heiligen Geiste in Gestalt englischer Guineen und Schillinge erfassen zu lassen. In solcher Gesellschaft erschien gewöhnlich der Mann, welchen unser Referent schon damals als einen der schlauesten Missionäre erkannt Haben will, dessen Wirksamkeit als solcher aber bis heute noch nicht ^onstatirt ist. Hat aber dennoch der Referent gleich Anfangs das Unheil gewittert, und ist seinem Scharfsinne die drohende Gefahr nicht entgangen: so frage ich ihn Angesichts der ganzen Welt, warum er nicht, wie jetzt, schon früher seine warnende Stimme erhoben? warum er nicht damals, als es noch Zeit war, den Vertretern zu bedenken gegeben, wie heillos das thörichte Thun sei, wozu sie sich —- nach seinem Vorgeben — von Eitelkeit^ verblendet, Hinreißen ließen? — Es ist aber in Wahrheit, nie, weder dem eben Gezeichneten Geistlichen noch den andern frei auftretenden Missionaren, von Seite der Vertreter in der vom Referenten angegebenen Art begegnet, also auch nie. ein Einschleichen und Ein-, führen derselben in jüdische Familien befördert wor- - den. — GaNz überflüssig, wärendarunv; bes Referen- I ten spöttische. Ergießungen - über „düpirte scharfsinnig j Kaufleute" und , all' die erbaulichen Betrachtungen über die unseligen! Folgen einer, di« Ehre der Gemeinde bloßstellenden Eitelkeit, wenn er es sich, nicht nun einmal in den Kopf gesetzt hätte, die Vertreter an den Pranger zu stellen. Darum müssen sie ihm für jeden abgefallenen Taugenichts herhalten, darum verschmäht er es nicht die absurdesten Vorwürfe zu machen und die ungegründetsten Klagen zu erheben. Wie aber die Erbitterung und die Leidenschaft den Referenten gegen die Gemeinde höchst ungerecht machtso macht eben sie ihn wieder andrerseits überaus, freundlich und wohlwollend gegen die Abtrünnigen, von denen er mit der zartesten Schonung und. in den mildesten Ausdrücken spricht, die ihm nur „Laue, Wankende" sind, Dürftige denen der Gemrindevorstand unter die Arme hätte greifen müssen. Ich hoffe, daß dieser letztre Passus nicht in dem Sinne vom Referenten gemeint ist , als sollten .wir jedem Halbgelehrten und eingebildeten großen Mann bezahlen und pflegen, damit er doch ja uns armen Juden einen , schwachen Schimmer seines zweideutigen Ruhmesglanzes zukommen lasse, und uns seine Genossenschaft im Glauben nicht entziehe. Aehnliche Zumuthungen sind schon von andern sich so nennenden Judenfreunden gemacht worden;, sie sind also nicht mehr neu, aber desto verkehrter, und haben auch schon in diesen Blättern die verdiente' Würdigung gefunden. Ein solcher Antrag auf Pensionen für Tauflustige kann nur aus dem Munde eines mit seinem eigenen Judenthume schon in den letzten Zügen Liegenden kommen, und man fühlt sich wahrlich versucht, an einen solchen Antragsteller die Frage zu richten: ü« Mna Doch der Referent meint wol nur Arme im buchstäblichsten Sinne, welche nach seinem Dafürhalten den Missionären müßten weggekapert werden; aber auch dann hat der Vorwurf genug des Lächerlichen an sich. Ich will nicht fragen, ob — wenn von Ehre .die Rede , ist — ein solcher Versuch von Seiten einer Gemeinde, mit Missionären in Konkurrenz-zu treten und ihren Anbietungen die Stange zu halten, der Religion gerade besonders, zur Ehre gereichen könnte; ich will nur von dessen praktischen Möglichkeit und Ausführbarkeit reden. Ist es möglich, hier, in einer jener wenigen Städte Europa's, wo nach keinem Paß ge-

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