Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1843)
- Date
- 1843-10-09
- Page
- Seite 613 (sequence 9)
- Language
- German
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stattungsordnung gedrungen. — Aus Wag. Neustadt, Neutraer Komitüt, wird die baldige Gründung einer bedeutenden Lehranstalt, zu der sich die Gemeinde vereinigt habe, gemeldet. — Aus Starr is§ au wird mit tiefem Bedauern berichtet, wie vor Kurzem ein in Lysiei, einem eine Stunde entfernten Städtchen erschienener chaffidischer Rebbi einen Ungeheuern'Zulauf von Juden gefunden, die durch seine Segnungen, die Nö. tüchtig bezahlt werden mußten, all' das, was sie an irdischem Glücke vermissen, zu erhalten glaubten. Nach Stanislau wollte er durchaus nicht kommen, weil er da — entlarvt zu werden fürchtete, indem daselbst doch schon viele Vernünftige seinen Schlichen auf die Szmr zu kommen gesucht hatten. —. GroßCanischa, 20. September. (Privatmitth.) In einem Lande, wo die zeitgemäßen Reformbestrebungen im Gebiete des Judenthums aus Mangel an herzhafter und kompetenter Anregung und Vertretung nur vage und langsam sich Bahn brechen und gleichsam das'ABC der Zeittendenzen noch nicht zurückgelegt haben, ist es wol erfreulich -und erwähnungswerth, wenn Rabbiner und Gemeinde den Weg vernünftigen und gemäßigten Fortschrittes betreten und muthig inmitten wenig aufmunternder. Beispiele auf demselben vorwärts , gehen. Die hiesige Gemeinde, welche schon lange in Bezug auf Schule und Synagoge sich dem reformatorischen Elemente zuneigte, hat nun auf Antrag ihres Herrn Rabbiners L. Löw, welcher, im Vorbeigehen gesagt, unter dem freilich noch sehr kleinen Häuflein wissenschaftlich gebildeter Rabbiner und Prediger Ungarns in Ansehung seiner wissenschaftlichen Bildung und regen Strebsamkeit Anerkennung verdient, beschlossen, mehrere Piutim, wie z. B. den in der nwinp an' Neujahr - und Versöhnungstag, wegzulassen. Schreiber dieses wurde von dem erwähnten Herrn Rabbiner zu einer mit der Diskutftung dieses Gegenstandes beauftragten und aus Sachkennern — --- zusammengesetzten Kommission zur Protokollführung eingeladen, und muß gestehen, daß Leitung und Hergang dieser Diskussion mit Umsicht und Sachkenntniß geführt wurde, als^deren Resultat sich nicht nur die Annahme des beregten Vorschlages, sondern auch die Bereitwilligkeit und prinzipielle ^Thunlichkeit anderweitiger Reformen in Bezug auf Piutim 613 herausstellte, worauf die. bereitwillige Annahme d,er Proposition des Herrn Rabbiners von Seiten der Gemeinde erfolgte. Rabbiner und Gemeinde haben also durch diesen Schritt dargethan, daß sie'sich nicht mit den nur singenden und klingenden Synagogenreformen begnügen, sondern auch Umbildungen von größerem Belange zugethan sind. Im Ungarnlande, wo die Reformbestrebungen der Israeliten von Seiten ihrer christlichen Mitbrüder mit Wohlwollen gesehen und als Maßstab ihres - Fortschrittes und der daraus folgenden Begünstigungen betrachtet und nicht wie in Deutschland oft mit scheelen, ungünstigen Äugen angesehen werden, kann das Beispiel vernünftiger Strebsamkeit nicht ohne höhere Bedeutung und Nachwirkung sein und zwar um so eher, wenn im Schooße der Gemeinde kein religiöser Ultraradikalismus wenigstens nicht öffentlich oder gar brüstend und prahlend sich kund giebt. — ..ß Pefkh, im September. (Eingesandt. Fortsetzung.) Keine bessere Bewandniß hat es mit des Referenten weiterer Klage über ein „kokettirendes Zuvorkommen" selbst gegen Missionäre. Ich möchte gern wissen,, gegen wen denn der Referent so entrüstet war, und von wem diese Zuvorkommenheit im Tempel eigentlich bezeigt worden ist. Aus dem Zusammenhang zu schließen will er den Gemeinde- oder wenigstens den Tempelvorstand zur Verantwortung ziehen, als wäre dieser so charakterlos gewesen, Missionären im Gotteshause zu hofften. Nun wenn das die Meinung des Referenten ist, so muß ich ihn wieder der Lüge und der Verleumdung zeihen. Oder will er etwa jene harmlosen Tempelbesucher zur Rede stellen, welche einen fremden Geistlichen, wenn er zuweilen in's Gotteshaus kam, und um besser zu sehen oder zu hören sich zu ihnen in eine der vordem Reihen stellte, nicht wegtrieben, sondern bereitwillig Platz nehmen ließen? — Auch in Betreff der Person, welcher zu des Referenten tiefster Entrüstung solche^ Ehrenbezeugungen erwiesen worden sein sollen, hätte ich Manches zur Berichtigung beizufügen. Dieser, zum Missionär schon wegen der gänzlichen Unkunde des Deutschen hier gewiß nicht befähigte englische Geistliche kam vor beinahe mehr als zwei Jahren hierher, um den seit den letzten Jahren in großer Anzahl hier lebenden Engländern einen englischen Gottesdienst.einzurichten und in der vaterländischen Sprache zu predi- 41 *