Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-10-09 · Heft 41 (9.10.1843) · p. Seite 612

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 41 (9.10.1843)
Date
1843-10-09
Page
Seite 612 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225323--05560-3236221
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

MS Oesterreich. Bon -er mährischen Grenze, 12. Sept. (Privatmitth.) Unter den mannigfachen rechtlichen Beschränkungen, denen die Juden in Mähren unterworfen sind, ist jene, welche sie vom Erwerbe eines christlichen Grundes und Grundstücke überhaupt ausfchließt, vorzüglich, drückend im Falle, daß eine mährische Gemeinde zum Aufbaue einer Synagoge oder zur Erweiterung und Vergrößerung einer schon bestehenden eines Platzes außerhalb des Ghetto liegend bedarf. Diesem Uebelstande ist durch folgendes Hofkanzleidekret — das erst vor Kurzem bekannt geworden — abgeholfen: „Judengemeinden dürfen zum Aufbau einer Synagoge den Baugrund erwerben (nämlich auf christlichem Boden, wie aus. dem Schluffe zu ersehen ist). Die Juden dürfen den Grund zum Aufbau einer Synagoge unter der Bedingung erwerben, daß die jüdische Gemeinde davon die Lasten trage, .sie zu keinem andern, als dem angegebenen Zwecke benutze, und Falls die Synagoge oder Schule wieder aufgehoben werden sollte, der Grund an einen besitzfähigen Christen wieder zurück verkauft werden müsse." , Prag, 8.September. (Privatmitth.) Es wird Ihnen aus dem österreichischen Studienplan bekannt sein, daß die Hörer der Philosophie an den Universitäten, gleich den Gymnasialschülern, Religionsvorträge hören müssen. Die jüdischen Jünglinge an der hiesigen Universität aber hatten bis jetzt weder einen jüdischen Religionslehrer noch genossen sie einen besonder» Religionsunterricht. Herr vr.Wolfgang Wessely, Religionslehrer der Israeliten zu Prag, machte nun der Regierung Vorstellungen, daß die jüdischen. Jünglinge, eben so gut wie die christlichen, des Religionsunterrichts bedürfen, worauf denn derselbe als Religionslehrer an der hiesigen Universität angestellt worden. Man hat demnach Hoffnung, daß die jüdische Religionsphilosophie in Prag ausgebildet werden wird. .Lemberg, im September. (Privatmitth.) Die Stellung eines deutschen Predigers im Ornate, gegenüber einem Auditorio von *3000 polnischen Juden, ist in subjektiver wie in objektiver Beziehung nicht nur eine neue, sondern auch eine kühne zu nennen. Und doch / hat Herr Abraham K oh n, Rabbiner zü Hohenemsder auf Ersuchen des: Vorstandes die Reise nach Lemberg, zur Abhaltung , von Probepredigten daselbst unternahm, dieses Problem glücklich gelöst. Seine Vorträge wurden nicht nur von der ungewöhnlich versammelten Masse in den nicht akustisch gebauten.Bethäusern ruhig, sondern auch mit Begeisterung und sichtlicher Rührung vernommen. Es begegneten sich hierbei die Extreme und, gafften sich einander verwundert an, — „es ist die Zeit des Erwachens" wie Herr Kohn richtig bemerkte. Eine liebevolle, würdige und anspruchlose Aeußerlichkeit, ein durchdringend scharfer Blick, der sich in Momen, len der Rührung zur Verklärung hinneigt, eine kraftvolle mit oratorischem Schmucke verzierte Diktion, eine ihren Schwerpunkt kennende Charakterfestigkeit, tiefere wissenschaftliche Meditation, und Zitate/als Wegweiser für das Volk, wahre Frömmigkeit, schärfere Rüge und Entschiedenheit in Sachen des Glaubens, bilden die Hauptcharakterzüge unseres Herrn Abraham Kohn. Sein Vortrag am 12. August war ein historischer, am 19. August ein dogmatischer , am 26.. August ein populärer. ■ In allen dreien bethätigte er den Geist des wahren Fortschrittes, für den sein Auditorium volle Empfänglichkeit besitzt: zur Genüge beweist dies sein Empfang und die während der Vorträge herrschende Ruhe, die sonst beim Andrange der Masse nie erzielt werden konnte. , Seiner Anstellung als, Religionsweiser und Prediger bei der lemberger Gemeinde und der Uebernahme des Amtes vom I. November l. I. dürste trotz aller Anstrengungen der Gegner nichts mehr im Wege stehen. — —Z — Aus Ungarn, im September. (Auszüge aus verschiedenen Schreiben.) ^Von Raab wird die Verbesserung des Gottesdienstes durch Chorgesang und die bedeutende Leistung der Schule gerühmt; hingegen die Errichtung einer Mädchenschule gefordert, da für das weibliche Geschlecht noch gar Nichts gethaw wird, was sehr traurige Wirkung haben muß. —^ Aus Miskolz wird gefürchtet, daß die neue Schule nach zu großem Plane gegründet, und dadurch nicht von Dauer sein werde. — Aus demselben Orte wird auf eine bessere Leichenbe-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.