Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1843)
- Date
- 1843-10-09
- Page
- Seite 611 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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.Vernehmen nach wird nne landesherrliche Proposi- :Lion zu -dem 'diesjährigen Landtage zu Sternberg Me Verhältnisse der Juden betreffen. Die 'fortschreitende allgemeine Bildung derselben -erheischt solche gebieterisch. Bald nach dem Befreiungskriege ward schon -von dem verewigten Großherzoge Friedrich Franz sämmtlichen jüdischen Familienvätern das Bürgerrecht ertheikt, dasselbe jedoch bald darauf wieder suspendirt. Es wird endlich Zeit, daß der Staat aufhört, einen Unterschied unter den 'Konfessionen zu machen. ... Aus Blttevn,- im September. (Privatmitth.) Unsre Stande sind auseinander gegangen. Was sie für uns Israeliten gethan, ist männiglich bekannt, und eine Dankadresse wäre nicht am Unrechten Orte gewesen. Herr Nathan Hechinger in Harburg, ein Mann der sich auch in gemeindlicher Beziehung manches Verdienst erworben haben soll, hat für seine Leistungen in der^Feldwirthschaft von dem landwirthschaftlichen Verein für Schwaben und Neuburg die silberne Medaille sammt Preißbuch erhalten. Es ist dies *schon der zweite Fall dieser Art, -welchen ich Ihnen zu berichten die Freude habe *). Möchten unsre Reichen nur fortfahren, in diesem Gebiete Ausgezeichnetes zu leisten; es kann ihnen und dem gesammten Israel nur zum vielfachen Frommen gereichen. Unsren Gemeinden wird das Präsentationsrecht auf ihre deutschen Schulen immer mehr geschmälert. Nachdem es ihnen in Unterfranken längst ganz genommen und in Mittelftanken auf den Vorschlag dreier Kandidaten reduzirt worden ist, wurde neulich der Gemeinde Hürden in Schwaben nur die Abgabe ihrer Meinung über die von der k. Regierung ihr vorgeschlagnen Kandidaten belassen, nach welcher die letztre den ihr genehmen Kandidaten ernennt. Allgemein auf alle, auch die 'Religionslehrerstellen angewendet, hätte die Sache sehr viel für sich. Viel Unerquickliches würde unterbleiben. So aber wirkt es nur nachtheilig, weil dadurch die Gemeinden immermehr von der Errichtung eigner deutscher Schulen abgehalten, und der Sache und den Lehrern geschadet wird. Mehre junge Rabbiner UZHtzn.," dem sichern Vernehmen nach, mit einer Vorstellung an die allerh. Stelle um Feststellung Ms VethMnissK der Dehrer zu den Rabbknen um. Den Rabbinern steht nach diesseitigen Gesetzen die fortwährende Aufsicht über den Religionsunterricht zu. Was wollen sie noch? Sollen ihnen die Lehrer den 'Chorrock nachtragen? Dürfen sie sich doch selbst nicht öffentlich damit zeigen! Die Herren sollten sich hüten, den unheiligen Streit zwischen Geistlichen und Lehrern auch unter uns herauf zu beschwören. Uns thut Einigkeit doppelt Noch. Ueberdie letzten Bemerkungen in diesem Bl. bezüglich der Abfassung der Statuten des Beerdigungsvereins in Neuyork ist mir von einem Freunde,' der vor kurzer Zeit ^noch in Amerika war und diesem Vereine angehörte, eine Berichtigung des ungefähren folgenden Inhalts zugegangen. Von Ihrer Wahrheitsliebe hofft genannter Freund die Aufnahme in Ihr Blatt so geschätzten Inhalts. „Jene Statuten wurden nicht aus Liebe zur deutschen Sprache oder Deutschthum in dieser Sprache abgesaßt, sondern, einzig und allein aus dem Grunde, weil die Mitglieder jenes Vereins meistens aus erst angekommenen deutsch jüoischen Emigranten bestehen, die der englischen Sprache nicht kundig sind. Aber sowol der jüdische Deutsche wie der christliche Deutsche streift sobald wie möglich seine deutsche Haut sammt allem Deutschthum ab. Er sucht eine Ehte darin, sich nothdürstig in englischer Sprache auszudrücken und sobald er nur einige Wort englisch lallen kann, läßt er um keinen Preis mehr im Beisesit eines Amerikaners einen deutschen Laut hören; er läßt-sich lieber einen Franzosen schimpfen und schämt sich zu seiner eignen Schande seiner Sprache und Abkunft. — Die genannten Statuten wurden darum in deutscher Sprache abgesaßt, weil der deutsche Emigrant in der Regel nicht mehr englisch lesen lernt. Die Statuten in dieser Sprache abgefaßt, würde er nicht verstehen. Aber die zweite Generation versteht in der Regel kein Wort deutsch mehr, die deutschen Väter lassen ihren Kindern schlechterdings nichts Deutsches lehren und so stirbt düs Deutschthum 'dort sehr bald ab. Nicht so ist es bei den Emigranten andrer Nationen. Die^dritte Generation eines Franzosen spricht noch ihre Muttersprache. — *) Jahrgang 1837. No. 102. Kr.