Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1843)
- Date
- 1843-10-09
- Page
- Seite 608 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225323--05556-3236217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
eia Scheinleben eiyzuhauchen. ^7 Diejenigen Theologen aber, welche ernstlich geneigt, sind, mit; der fortgeschrittenen Bit« düng und Einsicht gleichen.Schritt, zu halten, haben noch nicht jene Stellung, die nur der ausgesprochene Wille einer großen Anzahl von Israeliten ihnen .begründen fanti1)» Diesem verderblichen Scheiuwefen ein Ende zu machen, einem jeden Elemente im Judenthum die gehörige Stellung anzuweisen, der Wahrheit die Ehre zu geben, ist unser Bestreben und unsere Absicht 2 3 4 5). Zn der beiliegenden Darstellung erhalten Sie demnach den ungeheuchelten und rückhaltslosen Gesinnungsausdruck der Unterzeichneten 2), und mögen demzufolge ein Unternehmen würdigen, dem man nun schon seit Monaten rheils durch unberufene oder lügenhafte Zeitungsartikel, theils gar durch unerlaubte und perfider Weise verdrehte Mittheilungen von Privatansichten entgegenzuwirken. sucht*). Wir erkennen unsere Aufgabe nicht im Einreißen des Gebäudes, sondern im Wegräuwen des Schuttes; wir wollen am Kern entschieden festhalten, aber denselben durch geläuterte Formen zu schützen streben 6). Dieses Werk kattn aber niemals von einzelnen Gelehrten oder Laien, feien dieselben auch noch so aufrichtig und wahrheitsliebend, durchgeführt werden. Alle diejenigen, die nicht einem Messias entgegenharren, der sie nach dem Lande Palästina zurückführe; Alle, die den konfusen und oft sinnwidrigen rabbinischen Deutungen und Satzungen keine Autorität und- Verbindlichkeit zuerkennen; Alle, die eine Glaubensform erstreben, deren belebendes Prinzip der reine Mosaismus fei6): alle diese werden aufgefordert, unsere Erklärung zu un- 1) Der Sternsche Brief ist hier sichtbar benutzt worden; was aber die fehlende Stellung für die Theologen in angedeuteter Art betrifft, überlassen wir es allerdings dem Reform-Verein, diese zu kreiren; vielleicht will einer der Herren auf diese Art sein Glück machen. 2) Nach dem bereits Bekannten wird es uns gestattet sein, hier bescheidene Zweifel zu'hegen. 3) Zn wie fern die Darstellung u »geheuchelt ist, zeigen die Sternschen Briefe; was aber den rückhaltslosen Gesinnungsausdruck der Unterzeichneten betrifft, bemerken wir doch, daß vr. Creiznach selbst bis jetzt nicht gezeichnet hat, wahrscheinlich um sich nicht in unnöthige Gefahr zu begeben. Wie es aber überhaupt mit dem Unterzeichnen des Briefes steht, habe ich bereits mitgetheilt. 4) S. Korrespondenz aus Frankfurt in No. 37. 5) Was ist ihnen der Schutt, was der Kern? 6) S. unsere Bemerkungen zu den drei Punkten. terzeichuett, sie von Gleichgesinnten im Umkreis ihrer Wirksamkeit unterzeichnenzu lassen und sie uns demnächst wieder einzuseuden, auch etwaige Vorschläge zur Förderung der jüdischen Reform an uns richten zu wollen. Proselyten zu machen suchen wir - nicht, natürlich nicht bei anderen Konfessionen *), aber auch nicht bei unfern Glaubensgenossen; wir lassen einem Jeden ungestört seinen Standpunkt und seine Glaubensansicht **). Nur die Gleichgesinnten mögen sich erkennen***) und zusammentreten, um durch ihre Gemeinschaft eine Autorität zu begründen, welche nicht nur an sich schon hknreicht, dem TalmudiSmuS das vage Recht des allgemeinen Gebrauchs förmlich zu entziehen, sondern welche die Wirkung haben muß, daß auch unsere Glaubensansicht nicht länger verketzert und mit heterogenen Elementen vermischt, sondern nach innen und außen in ihrer Wahrheit und vollen Reinheit vertreten werde. So begreifen wir die Reform des Judenchums, welche dem Begriffe nach schon längst erfolgt ist und blos noch des ausgesprochenen Bekenntnisses bedarf, um die gebührende Anerkennung zu finden und wirksam zu werden. Wer dieses Sinnes ist, schließe sich uns an, und ein segensreicher Erfolg wird die gemeinschaftlichen Bemühyngen krönen. Frankfurt am Main, im August 1843.". Die jüdischen Neformfreunde _ und in deren Namen: *) Warum nicht? Muß man die Wahrheit nicht überall einzufuhren suchen, wo Irrwahn und Unvernunft herrscht? Haben etwa die andern Religionen die letzten, und höchsten Resultate der Philosophie schon erreicht? **) Crtne solche Sprache kann und darf die faktisch bestehende staatsrechtlich rezipirte und historisch begründete Religion, den Dissentern gegenüber, sprechen; eine Winkelreligion aber, deren Gründer sich nicht einmal zu neunen wagen, von ausübender Toleranz sprechen zu hören, ist Wahnsinn. '•**) Woran? Ma durch die Beschneidung? Zeitungsnachrichten. Palästina. Frankfurt am Main, 24. September. (Vorläufige Anzeige in Betreff der Palästina-Spenden.)