Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1843)
- Date
- 1843-10-09
- Page
- Seite 607 (sequence 3)
- Language
- German
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gewünscht^ wir kennen kein Vaterland als dasjenigedem wir Lurch Gebärd und- KüpgerlLchr- Berhälwiß ange- HLreu^)." . „B eig e legter Bri eft Ew. Wohlgeboren erlauben wir uns zur Theilnahme an ei»em Unternehmen einzuladen, dessen innere Beweggründe Sie tn dem beiliegenden kurzen Programm entwickelt finden 1 2). Die beifolgende Erklärung, ist bereits am hiesigen Orte von emer Anzahl achtbarer Israeliten, die großentheils zu den angesehensten Familienvätern unserer Gemeinde gehören, unterschrieben worden 3 4), außerdem sind in vielen Städtendes Vaterlandes geachtete Männer zur Theilnahme und zur eifrigsten Förderung der Sache bereit * **)). Immer ernster stellt sich die Nothwendigkeit heraus5), daß für diejenigen Israeliten, die sich von dem herkömmlichen entstellten Judenthume fast ganz getrennt haben, ein auf Wahrheit beruhendes Verhältniß zu unserer Reli- 1) Die dritte Erklärung sollte sicher dazu beitragen, die Reform-Freunde emanzipatiousfähig zu machen und das ganze Unternehmen der Regierungen plausibel erscheinen zu lassen. Aber Ler kleinste Schulknabe wird uns sagen .können, daß wir — nach jüdischen Geboten — keinen anderem Begriff vom Vaterland haben, und hier wird uns das längst Bekannte als etwas Neues aufgetifcht. Wir machen" den Stifter der Reform auf das Iohlsohnsche ReligionSbuch aufmerksam, das er doch kennen mußte, da Johlsohn ein alter Lehrer der Anstalt ist. Er möge nur erst hierin unsere-Religion kennen lernen, ehe er zu reformiren anfange. — Dasselbe haben wir ihm auch wegen seiner Messias-Idee zu bemerken, denn in eben dem. Buche pag. 46 steht die Stelle, aus dem M-imon angeführt, aus der doch klar genug hervorgeht, daß von einem persönlichen Messias nie die Rede sein kann. — Was kann man aber ztt'solcher Unwissenheit weiter sagen. 2) , Wir beziehen uns auf unsere, dortigen Anmerkungen. ' SJ Wie bekannt, 23 an der Zahl. 4) D. b. man fordert sie dazuauf; ob sie zum Beitritt bereit sind, möchten wir vorläufig bezweifeln. Wozu, man-aber auch- Christenzur- Theilnahme auffordert, da die Reformer doch aus dem Judenthum nicht heraustreten wollen, begreifen wir nicht; es darf uns aber nicht wundern, da man doch nur gern Aufsehen erregen möchte: da sollen denn christliche Gelehrte mid der Sache wenigstens bekannt werden. 5) Die Nothwendigkeit hat wol nur Herr Dr. Creiznach empfunden, wie jener Autor, der — des Honorars wegen, wie hier de§ Renomme's wegen—sein Werk für eine Notwendigkeit erachtet. gkvu ftstgestellb wekbe^. Allgemein schm lmark sich nach' einer Glaubensform, wieffo im reinen MofäidmuA bk-- Mttdek und vow trefflichem SchüftgMhrtkn unfttti ZW angkdeuiek ist; nach einer Gläübensfovmvon der Alleswas lediglich in den vorzeitlichen klkmatifchen »Nb stäat»- lichen Verhältnisse der Israeliten begründet, so wie Alleswas-im Läufe-der Geschichte bedeutungskos geworden ist oder einer höheren vaterländischen GMtung nicht ent^ spricht, entfernt werde"'). Namentlich können und sollendie Satzungen des TM mudS, der bei dm Juden niemals durch ein bindendes Gesetzeingrführt oder fauktionrrt wurde, der seinik AmtorKtäi nur einem in finstern Jahrhunderten entstandenen Gkbrauch verdanke, in unseren Tagen, wo der Gebrauch ihnaufgiebt und die Stimmung ihn rxMßt, als ungM tig und unverbindlich erkannt werden. Wenn überhaupt' jener Sammlung von Kontroversen, Deutungen, Legend den und Vorschriften der innere Gehalt und die äußere Weihe eines religiösen Kodex durchaus nichtbeiwohnt: fo ist dieselbe noch außerdem einem großen Theil der jetzigen' Generation fastnur insofern bekannt, daß man sie hin und wieder als ein Hinderniß des religiösen and bürget-' lichen Fortschritts bezeichnen hört ***). Gleichwol ist dieses entstelltedem-Geiste des'Mosais-' mus entfremdete Judenthum nochimmer diejenige Glaubensform, die fortwährend als die unserige gilt undinunserer RellgionSubung vorzugsweise vertreten wird, theilS' durch Räbbinen vom alten Schlage, diejeder geläuterten- Bildungentbchren, theiks durch solchedie ihre Intelligenz nur anwendenmöchten, um der Leiche des TalmudiSmüSl') Als ganz getrennt sind doch nur die zu betrachten, welche sich einem andern Glauben bekannt,, und diese stehen nicht mehr im Verhältniß' zu unserer. Religion. **) Was heißt das Glaube ns so m? doch die Form des Glaubens! Ein Glaube kann doch aber nicht in^ Formen gezwängt werden, und Veränderung des Zeremoniell ist doch keine Veränderung des Glaubens. Die Herren Reformer aber wollen Alles, und auch den Glauben, nach „Verhältnissen" abändern, und so dürften wir denn alle zehn, Jahre vielleicht eine andere Glaubensform erwarten. ***) Wir verweisen nur auf das, was wir der zweiten der drei Erklärungen hinzngesiigt. Es will uns aber scheinen, als ob man den Talmud durchaus nicht kenne, denn sonst würde man doch nicht in solchem wegwerfenden Tone von dieser freilich sehr verschiedenartigen Sammlung sprechen.