Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1843)
- Date
- 1843-10-02
- Page
- Seite 598 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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wie gesagt, die Logik des Referenten und die-seltne Unbefangenheit, die er aus jeder Zeile herausleuchten läßt, gelangt zu solchem Resultate. — Wenn nun aber dies schon beim ersten Nachdenken der Fall ist, was muß der Referent, nachdem er während eines zehnmonatlichen Aufenthalts alle Personen, Dinge und Zustände durch und durch kennen gelernt hat, da nicht alles wissen? und wie sehr muß er nun erst ein richtiges und gewichtiges Urtheil zu fallen im Stande sein? Und wirklich, was am ersten Tage unabweisbare Vermuthung, das wird nach zehn Monaten bare Gewißheit. Richtig sind es zwei Fehler, die hier schon lange her herrschen und vorwalten , welche als Ursachen der im Bericht besprochenen Uebelstände zu betrachten sind. Die Gemeindevertreter sind es vorerst, die überhaupt bei all' ihrem Thun und Lassen, bei all' ihrem Trachten und Wirken, bei allen Bestrebungen und Leistungen nicht das Gute an sich, nicht die Bildung, nicht die Wohlfahrt der Gemeinde, sondern nur den Zweck im Auge haben, „mit den gekrönten Erfolgen" vor Jedermann zu glänzen und zu prunken, die Alles nur aus Eitelkeit, Nichts äraua lauft thun. Das ist trotz mildernder Phrasen und Floskeln der langen Rede kurzer Sinn. Veredlung und Verbesserung des Gottesdienstes, unablässiges Mühen um Kranken- und Armenanstalten, rastlose Sorge für nützlichen Unterricht und sittliche Bildung unsrer Jugend, für Verbreitung von Künsten und Handwerken unter den Glaubensbrüdern, wie für Besserung und Hebung unsers bürgerlichen Zustandes, das Alles hat keinen Werth vor dem Referenten, der in's Innere schaut und Herz und Gedanken prüft — es hat seinen Lohn dahin. Ist es aber, schon tadelnswerthe Anmaßung in Bezug auf "einzelne Individuen, über das, was dem Richterstühle menschlichen Urtheils gar nicht so leicht unterworfen werden kann, worüber Gewissen und Menschenliebe des Spruchs sich nicht so bald erdreisten, vielmehr sich dessen zu enthalten dringend gebieten, über den Gehalt nämlich ihrer guten Werke leichtfertig abzusprechen und letztere durchaus keinen sittlichen Werth zuzugestehen; so muß dies um so mehr entrüsten und verdammlicher erscheinen, wenn von dem Streben und Wirken einer Gemeinde die Rede ist. Es kann auch der Besonnenste und Wohlwollendste mit Vielem nicht einverstanden sein; er kann manchen leitenden Grundsatz irrig oder gar verderblich, manches Institut und manche Einrichtung fehler- und mangelhaft und der Aenderung oder Verbefferung'bedürftig finden;; et muß aber auch den guten Geist, wenn er nicht fehlt, ehrend anerkennen-, der Regsamkeit, dem Eifer, dem kräftigen Willen,: so er vorhanden, das gebührende Lob nicht versagen: Wenn nun dies in so reichlichem Maße wie hier der Fall ist, wo sich bei nicht wenigen Gliederndes vertretenden Körpers wahre, innere Bildung mit edler, kräftiger Gesinnung im schönsten Einklänge zusammenfinden, alle aber^gleiche Liebe für alles Gute,. Schöne und Wahre beseelt und zu dessen Förderung und Verwirklichung anspannt und eifert; muß es da nicht boshafte Anschwärzung genannt werden, wenn — wie hier von dem Referenten geschieht — um. den Schein der Wahrheit zu retten einiges dürftige Lob vorausgeschickt wird, sodann aber die Grundsätze und die Absichten, welche unsre Gemeindeverwaltung-in ihrem Berufe leiten, durchaus entstellt: und'verdächtigt werden? — Und woraus erkennt denn der Referent das einzige Vorwalten der Absicht, nur mit den „gekrönten Erfolgen" zu prunken? Aus dem „kriecherischen,- allen Anstand und alle Würde verletzenden Buhlen um die Gegenwart Andersgläubiger bei feierlichen Akten."— Wenn das Bestreben für das, was in unsrer Mitte Gutes und Heilsames geschaffen und geleistet wird, die Anerkennung der christlichen Mitbrüder und besonders der obern Behörden zu erlangen, und so irrige Meinungen und unseligen Wahn zu verscheuchen und bessere, günstigere Gesinnungen für.die Gestaltung uns-, rer bürgerlichen Verhältnisse hervorzurufen; wenn dies Bestreben überhaupt des Referenten Beifall nichts erhalten kann, so mag ich darüber mit ihm nicht rechten. Wenn er aber behauptet, dasselbe überschreite die gebührenden Gränzen, arte sogar aus in Kriecherei,.Buhlen u. s. w., so ist dies grundfalsch, und muß ich dem geradezu widersprechen. Selbst in srühern Jahren, wo die kaum geschaffenen Institute, wie Schule, geregelter Kultus, Chor und Predigt vielfache Anfechtungen und schwere Kämpfe zu bestehen hatten, wo man nicht verschmähte, die weltliche Macht und weltliche Waffen zu Hilfe zu rufen zur Ausrottung dieser jungen Pflanzungen und zur Auftechthaltung des alten Schlendrians, wo aber der Beifall, der ihnen von hochstehenden Männern