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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-10-02 · Heft 40 (2.10.1843) · p. Seite 597

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 40 (2.10.1843)
Date
1843-10-02
Page
Seite 597 (sequence 9)
Language
German
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597 Darstellung wollte ich, so unrichtig die Angaben, so irrig die Voraussetzungen, und so ungerecht die Rügen und Vorwürfe auch etwa wären, allen Streit vermeiden und bloß die gute, reine Absicht anerkennen und ehren. Ganz anders aber verhält es sich mit dem in Rede stehenden Artikel. Es werden darin nicht bloß einzelne Lhatsachen gerügt und gemißbilligt, nicht bloß dies oder jenes herausgehoben und vermöge des Verfassers subjektiver Ansicht als unzureichend oder zwecklos verworfen; nein, es wird gradezu der Stab gebrochen und schonungslos verdammt; über Dinge, die, ihrer Natur nach, in ihren Einzelnheiten nicht von Jedermann gekannt sein können — auch wenn man, wie unser Referent, durch zehnmonatlichen Aufenthalt die vollständigste Kenntniß aller hiesigen Zustände und Verhältnisse sich.verschafft zu haben wähnt — wird obenhin und mit unerhörter-Anmaßung abgeurtheilt; Umstände, die Jeglichem nur nach zehntägigem Aufenthalte bekannt sein müssen, werden boshafter Weise ignorirt und offenkundige Lhatsachen entstellt; Personen, die, wie unsere Gemeinde- und Religionsvertreter, sowol wegen ihres ausgezeichneten Charakters und ihrer liefen und klaren Einsichten, als wegen ihrer seltenen Berufs treue 'und gewissenhaften Pflichterfüllung allgemeiner Hochachtung und Werthschätzung sich erfreuen , wird das niedrigste Betragen und offenbare Pflichtvergessenheit zur Last gelegt — und solch' verleumderisches Gewäsch soll sich dann der Leser für ein „freies, rücksichtsloses, im Jntresse des Judenthums und der Gemeinde, ganz ohne Delikatesse (fast die einzige Wahrheit) gefälltes Urtheil" auftischen lassen! Schon die Allgemeinheit und die Bestimmtheit, womit der Referent über alle und jede Bestrebung unsrer Gemeinde und ihrer Vertreter urtheilt und ihnen dabei jedes edlere Motiv abspricht, die hämischen und-boshaften Seitenangriffe, die er vorzüglich gegen einen nicht nur von Freunden geehrten und geschätzten, sondern auch von Fernerstehenden geachteten und selbst von Gegnern gewürdigten Mann richtet, zeigen zur Genüge, daß keineswegs aus solcher oben angedeuteten ehrenwerthen Quelle seine'Expektoration geflossen, daß Feuereifer und aufrichtige Gesinnung den allergeringsten Antheil an der Geburt dieses armseligen Geisteskindes Haben, und daß es vielmehr lang verhaltener Groll und verjährte feindliche Gesinnungen sind, die sich unter der Maske des glühenden Eifers für den väterlichen Glauben, und der zärtlichen Besorgniß für das Seelenheil Hunderttausender Glaubensbrüder Luft zu machen suchen.. — Eine genauere Durchsicht jenes Aufsatzes muß jedem, mit den hiesigen Zuständen nur einigermaßen Vertrauten die Wahrheit und Richtigkeit meiner Auffassung darthun und die Bezeichnung desselben als einen verleumderischen Angriff vollkommen rechtfertigen; und ich will zu diesem Behufe den Leser bloß auf die Glanzpunkte der eben so wahren als liebevollen Darstellung aufmerksam machen. — Gleich beim ersten Nachdenken über das Umsichgreifen der Missionsumtriebe und über die Ursachen, die solchem Unwesen den Erfolg „ermöglichten," muß sich — so meint der Referent — Jedermann die Vermuthung aufdringen, daß die Gemeinde an tiefen, innern Schäden laboriren, daß „Unwissenheit, Mißachtung und Mißkennung seiner selbst" rc. im Schooße derer, denen das Heil und die Wohlfahrt des jüdischen Gemeinwesens anvertraut ist, ihren Sitz haben und jede echte Geistesthätkgkeit Niederhalten. Unabweisbar aber — so meint wieder der Referent — bietet sich die Ueberzeugung dar, die Religionsvertreter seien „unverantwortlich lau, unthätig und fahrlässig," ermangeln also nicht etwa der Einsicht, Fähigkeit, der Kräfte oder gar der nöthigen Freiheit, sondern des Ernstes und des Willens, d. h. sie seien pflichtvergessene. Menschen. — Die Berechtigung zu solchen Vermuthungen und Schlüffen gleich beim ersten Blick findet nur der Herr Berichterstatter vermög einer ihm ganz eigenthümlichen Logik. Meine Wenigkeit und mit mir mancher Besonnene meint, daß gerade beim ersten Nachdenken, also ohne nähere Erwägung der Art und Weise wie jene Missionsumtriebe um sich greifen, ohne Berücksichtigung der Eigenthümlichkeiten dieses Landes und dieser Stadt, welche vorzüglich das Reussiren der Missionäre „ermöglichen," und auch ohne nähere Bekanntschaft mit den angegriffenen Personen und den Verhältnissen, innerhalb welcher sie leben und wirken, daß — meine ich — eben beim ersten Nachdenken jeder Vernünftige und Billigdenkende etwas anstehen werde, die Behauptungen unsers Referenten zu unterschreiben, daß sich tausend andre Muthmaßungen darbieten werden, ehe er an das Endurtheil geht und ein solches Verdammungs-Votum giebt. Nur 40*

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