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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-10-02 · Heft 40 (2.10.1843) · p. Seite 595

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 40 (2.10.1843)
Date
1843-10-02
Page
Seite 595 (sequence 7)
Language
German
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595 von der Hamburgifchen Liedertafel exekutirten Gesänge, komponirt von ihrem Direktor Herrn I. N. Schäffer, und nach einer kleinen Kollation hielt Herr vr. Heilbut einen Vortrag, in welchem er die Furcht vor ganz übermäßiger Belastung der Gemeindekasse durch die vergrößerte Anstalt zu beseitigen und überhaupt die verewigte Absonderung des jüdischen Krankenwesens von dem Allgemeinen zu vrrtheidigen suchte. Ein Gesang ebenfalls von Hahn und Schaffer schloß die Feier und die Gesellschaft nahm hierauf alle Theile des Hauses in Augenschein, welches auch noch vierzehn Tage zur allgemeinen Ansicht geöffnet bleibt. So endete diese schöne Feier, die in unserer ganzen Stadt hohe Theilnahme erregte und deren wesentlichste Zierde die Anwesenheit des hochbejahrten, freundlichen Stifters in wiedergewonnener Kraft und Rüstigkeit war. —. Eine andere, minder geräuschvolle öffentliche Versammlung hatten wir drei Tage später, am 10. September, in dem seit sechs Jahren ausgesetzten öffentlichen Examen unserer Talmud-Tora-Schule, deren schönster Schmuck, wie bei jener das fruchtreiche Alter, hier die hoffnungsreiche Jugend war, die in einer Reihe von fast 200 gesunden, wohlgebildeten, sauber gekleideten Knaben sich präsentirte, die in allen Gegenständen des dort ertheilten Unterrichts nämlich des Hebräischen, in allen Stufen vom bloßen Lesen an, bis zum Talmud hinan, der deutschen Sprachlehre, elementarischer Naturkunde und Geographie, Schreiben und Rechnen Proben ihrer Kenntnisse und ihrer Fassungsgabe ablegten. Eingeleitet wurde diese Schulfeier, zu der sich eine zahlreiche Zuhörerschaft eingefunden, durch einen inhaltreichen Vortrag unseres Herrn geistlich Beamten Bernays, als Ephorus der Schule, worin derselbe die Tendenz dieses Instituts und. des jüdischen Unterrichts im Allgemeinen behandelte. Die Aufgabe der jüdischen Pädagogik bestehe, seit dem die Juden mit der allgemeinen Menschheit in nähere Beziehung getreten, und ihre frühere nothwendige Abschließung aufgegeben, wesentlich darin, den Punkt des Gleichgewichts zu erhalten, wo das allgemeine Menschliche nicht über das Jüdische und das. speziell-Jüdische nicht über das allgemeine Menschliche verloren geht. In dem Streben der jüdischen Schule zeigen sich diese beiden Beziehungen einerseits in dem hebräischen Unterrichte, gebaut auf diese Sprache, und dem beschränktenaber intensiv starken Gebiet ihrer religiös gemüthlichen Begriffe, die Fleisch geworden und als Gesetz dargestellt sind, in den heiligen Urkunden der Offenbarungslehre, die auf das äußere Leben angewandt sind, in der in Verlauf der Geschichte gemäß der Lehre selbst ausgebildeten Tradi. tion, insbesondere in dem uns heilig gewordenen Buche.der Gemara, und andrerseits in dem Studium der reichsten und auf das vollkommenste ausgebauten deutschen Sprache, hei der die Dinge (Realien) so wie dort die Gesetze, hier die Erkenntniß der Natur — gleich einem Schutze vor jedem Aberglauben — und der Menschengeschichte sind. Diese Schulanstalt nun habe man zu betrachten als einen Versuch, dieses Gleichgewicht herzustellen, und demgemäß, so wie nicht minder als eine Vorübung für die Anforderungen des bürgerlichen Erwerbslebens zu beurtheilen. Diese Darstellung hat auf die Anwesenden der verschiedensten Gesinnungen den angenehmsten Eindruck gemacht; denn einerseits wird eine anerkennungswürdige Tendenz klar an den Tag gelegt und der öffentlichen Meinung zum ersten Male eine gewisse Rechenschaft abgestattet; andererseits entsagt die Erklärung: das befolgte System sei nur ein Versuch zur Lösung der gemeinschaftlichen Aufgabe, und entsagt ferner allem geistigen Despotismus und allem abstoßenden Jgnoriren andrerseitiger Bestrebungen; denn ein Versuch giebt schon von vorn herein die Möglichkeit und Zulässigkeit noch anderer Versuche zu, und ist sich bewußt, es sei noch keineswegs ausgemacht, ob der gesuchte Schwerpunkt etwas mehr rechts oder etwas mehr links liege. — Es sollte uns nicht wundern, wol aber sehr erfreuen, wenn nach solchen Erklärungen das Verhältniß der beiden in unserer Gemeinde herrschenden Ansichten — die ohnehin jetzt von so vielen Zeitereignissen zum Zusammenhalten gedrängt werden — ein viel einträchtigeres und dadurch schon sruchtbringenderes würde als bisher. —. Die Zirkular-Anfragen des Frankfurter Rabbinats beiden deutschen Rabbinen in Bezug auf die Beschneidung sollen dem Vernehmen nach nicht nach dessen Wunsch ausgefallen sein, da man nicht darauf eingehen will, diesem religiösen Akt für das spezifische Zeichen des Eintritts in's Judenthum zu erklären. Wir erinnern hier an das für höchst altgläubig anerkannte baieri-

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