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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-10-02 · Heft 40 (2.10.1843) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 40 (2.10.1843)
Date
1843-10-02
Page
Seite 593 (sequence 5)
Language
German
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593 Jurisdiktion und dem geistlichen Strafrecht hat uns, zum Heil und zur Freude aller Gutgesinnten, die Zivilisation befreit; die Religion von ihren verjährten Entstellungen zu läutern und sie in ihrer reinen Würde herauszüstellen, muß die Frucht unserer eigenen Geistesarbeit sein. ' In unseren Tagen ist der Zwiespalt zwischen der inneren Wahrheit des Judenthums und seiner äußeren Erscheinung auf das Höchste gestiegen Durch die geistige Bildung der Zeit getränkt und genährt, sind Viele derer, die im mosaischen Religionsverbande leben, zu der Ueberzeugung gekommen, daß unter den praktischen Vorschriften, die an das heutige Judenthum geknüpft sind; die meisten auf menschlichen, zeitlich beschränkten Voraussetzungen beruhen. Während sie also mit Recht das Aeußerliche zum größten Theil als bedeutungslos, als geistig unberechtigt, ja zuweilen als einer geläuterten Gesittung unwürdig erkennen 2), schöpfen sie den inneren Gehalt, die göttliche/Wahrheit, die ein früheres Geschlecht Ln der Lehre fand, jetzt nur aus den Schätzen der Weisheit, die-so viele große Geister aller Nationen gewonnen haben ^). So haben sich Tausende von der Theilnahme am tälmudisch-rabbinischen 1 2 3 4) Judenthum innerlich losgesagt, und sind nur noch durch Gewöhnung, durch die Kontrolle des Staats, durch eine aus Familienempfindungen hervorgehende Anhänglichkeit äußerlich an die mosaische Religionsgemeinschaft gefesselt5); Verderblich und unmoralisch ist dieser Zustand; denn so lang der Mensch in der Gesammtheit lebt, soll er äußerlich und praktisch nicht einen ganz Andern darstellen, als er innerlich ist. Der Jude, dem seine Religion in dieser Art gleichgültig geworden ist, hat nur noch die Wahlob er ohne Sinn und freien Willen an der Stelle, wohin die Geburt ihn brachte, aus Gewohnheit stehen bleiben und jeder An- 1) So? Warum lauter Floskeln, nirgend eine Begründung? 2) Bielen ist das Aeußerliche allerdings b e d eutu n gslos; unwürdig erkennen es nur die Frankfurter Reform- Freunde, wie sie sich neuerdings nennen. 3) Und nicht aus dem Mosaismus, von dem sie doch zugestehen, daß er das Höchste giebt. 4) Wir sprechen über diesen Ausdruck an einer spätem Stelle. 7 5) Und ist das nicht in jeder Religion der Fall? etwa weniger in der christlichen? — Darauf beruhet auch die Gesellschaft der Freien, die sich kürzlich in Berlin gebildet, und die wenigstens ihre Meinung offen bekannten, und nicht hinterlistig hinter dem Berge hielten. — knüpflkng seines geistigen Filihlens an einen äußeren Verband ferner beraubt sein will, oder — ob er> nach einer Form sich sehnend, unbekümmert um die Innere Ueberzeugung sich, wenn auch nur äußerlich, einem andern Verbände anschließen will, der ihm mehr innere und äußere Anhaltspunkte zu gewähren scheint. Wer mit diesen Auswegen sich nicht beruhigen mag, der wird, statt in indolenter Lethargie zu verharren, vielmehr an der Entwickelungsfähigkeit des Glaubens festhalten und also feinen geistigen Standpunkt mit seinem Bekenntniß in Einklang zu bringen suchen*). (Schluß folgt.) *) Es wird hier offenbar auf den Uebekgang zum Christenthum hingewieseu! Aber wie viel Thorheit liegt in diesen Phrasen? Welche Widersprüche! Wird derjenige, dem das Aeußere der jüdischen Religion überflüssig erscheint, sich nach einer Form sehnen, und sich dann — unbekümmert um seine innere Ueber.-- zeugung — einem andern Verbände anschließen? ' der Unsinn liegt so klar zu Tage, daß hier jedes fernere Wort überflüssig wäre. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, 17. September. (Privatmitth.) Am 7ten dieses begingen wir die Einweihungsfeier des nun vollendeten neuen Krankenhauses in der Vorstadt St. Pauli, auf dessen Giebelfeld die Inschrift zu lesen ist: Xrankenhau8 der Israelrtisede» Gemeinde, der Frau JBetti Heine zum Andenken erbaut von ihrem Gatten Salomon Heine 1841. Das Gebäude und dessen ganze Einrichtung hat den höchsten Beifall von Kennern und Nichtkennern erlangt und dürste bald als eine Muster-Anstalt gelten , da die neusten und bewährtesten Ersindungerr dabei benutzt sind. Der vom Staat dazu geschenkte Platz (nach dem Preise der benachbarten Bauplätze über 100,000 Mark werth) hat einen Flächeninhalt von 572 Quadratruthen, und ist umfaßt von einer Mauer, deren oberer Theil ein zierliches Stacket von Gußeisen ziert. Das Krankenhaus selbst hat eine Länge von 227^-Fuß und inden Flügeln eine Tiefe von 70 Fuß. Es besteht aus Souterrain, Erdgeschoß, einem Stockwerk und dem Bodenraum. Im

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