Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1843)
- Date
- 1843-10-02
- Page
- Seite 592 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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592 bald als ein/Institut von sakramentaler/Bedeutung, welcher Begriff in dieser Art im Judenthum gar nicht vorhanden ist; bald auch als ein Symbol der besonderen Reinheit, welche die Juden sich zuschrieben — was eben so wenig dessen vormo falsch er Entstehung zu Grunde liegen konnte * **) 1). Wenn dieser Zustand nun wie. alles - Geschichtliche in sich selbst seinen Grund und seine Rechtfertigung haben mochte, so konnte er auch wiederum dem Umschwung der Geschichte nicht widerstehen.. Es kamen Zeiten, wo im Völkerleben eine rein menschliche Anschauungsweise sich geltend machte und das Historische sich mit den Forderungen der prüfenden Vernunft vereinbaren mußte. In allen solchen Perioden zeigte sich auch unter den Juden rin energischer Aufschwung, obwol sie zum großen Verband der Völker nicht mitgezählt wurden. Die Gedankenkraft strebte bei den Anhängern des Mosaismus um so elastischer empor, als härter sie zurückgedrängt gewesen war. In jeder solchen Zeit nun erkannten die erwählten Geister unter den Juden den schrecklichen Abstand zwischen der innern Reinheit und Würde ihrer göttlichen'Wahrheit und der praktischen Verwilderung, der entstellten Aeußerlichkeit ihrer Religion *°). Eine freiere Bildung brachte sie dahin, von der Nation, unter der sie lebten, alle geistigen und gemüthlichen Elemente Ln sich aufzunehmen. Mit Entsetzen sahen sie die Kluft, in*"-) ihren äußeren praktisch-religiösen Standpunkt von dem höheren Bewußtsein, wie es sich besonders in den europäischen Nationen manifeflirte, getrennt hielt. Sie suchten aus der wüsten Umhüllung das Kleinod der geistigen Wahrheit zu retten und nachzuweisen, daß das reine Juden¬ *) Woher kommt hier auf einmal die Beschneidung, da doch der Verein die desfalsige Erklärung gestrichen? Von sakramentaler Bedeutung, von besonderer Reinheit war übrigens nie ein Gedanke vorhanden, die Beschneidung war und ist die erste Bedingung des Judenthums, und ist dieser Gegenstand schon früher besprochen, nnd hier am wenigsten der Ort, darauf zurückzukommen. **) Wozu diese Kraftausdrücke, dieser Pathos, der nur lächerlich ist! Die innere Reinheit, ist durch die — entstellte (?) — Aeußerlichkeit nie gefährdet. ' Um unter der Hülle den Geist zu erkennen, braucht man sicher nicht erst ein erwählter Geist zu sein. . Soll wol heißen: die ihrer äußeren Form re. — Die Form ist gegeben, daß sie verbinde, vermittle! wie lächerlich sind doch solche Aeußerungen von Ersatz und Kluft! » . thum demjenigen, was andere Gemeinschaften als höchstes geistiges Gut erkannten, nicht nachstehe 9. So traten Männer auf, die den Kern des ewigen Gedankens von der äußeren Hülle der Gebräuche. zu sondern sich bemühten. Fanden sie doch die höchsten und strahlendsten Urbilder solcher Bestrebungen schon in den Propheten des alten Testamentes (vor Allem im Jesaias und den Psalmisten), die laut verkündeten, daß der Geist des Gebotes unabhängig sei vom Blute der Stiere 2). Freilich dauerte wol von der anderen Seite, in unserer neuen Zeit das Bestreben fort, verrostete Mißbräuche und höchst unwürdige Gewöhnungen als religiöse Gesetze zu erhalten. Das Absurdeste sollte wissenschaftlich und gemüthlichbegründet werden 3 4 5 6). Reformversnche fanden meist nur in so fern statt, als man. unfern Glauben den Religionsübungen anderer Gemeinden liturgisch und katechetisch anzunähern suchte, oder mit den strikten Anhängern des Rabbinismus eine Uebereinkunft eröffnen wollte. So eröffnete sich der Sophistik ein weites Feld und der Verfall wurde nicht gehemmt*). Selten dachte man daran, die ewige Bildung sfähigkeit des Mosaismus hervorzuheben und so dem Geiste sein Recht zu vindiziren, nach welchem er die göttliche Wahrheit in sich aufnimmt und, im Einklang mit jeder menschlichen Entwicklung, rastlos weiter bildet b). Insofern ist eine Wahrheit in der oft aufgestellten Behauptung, daß von den Juden bis jetzt kein entschiedener Schritt geschehen sei, um ihre Religions- Übung mit jener höheren Kultur in Uebereinstimmung zu bringen, die ja auch sie umfaßt und der sie ihr geistiges Fortschreiten zumeist verdanken ^). Von der rabbinischen 1) Nur die unverschämteste Unwissenheit kann sagen, daß dies in der jüdischen Religion erst nachgewiesen zu werden brauchte! Oder sprechen - die Herren Reformatoren nur von sich? 2) Weil damals mehr wie jetzt — und das liegt doch in der Zeit — unter dem Volke solche waren, denen diese Belehrung Noth that. 3) Z. B.? 4) Reform-Versuche der edelsten Art, die von Gelehrten ausgingen, und die Religion aufrecht erhalten, werden hier von Unwissenden, die nichts begründen, nur Alles vernichten wollen, verdächtigt! 0 ternpora, 0 mores! — 5) Als ob eine Reform ohne Bildungsfähigkeit möglich wäre? 6) Was seit Mendelssohn geschehen, scheint den Herren unbekannt zu sein; der entschiedene Schritt aber war dem vr. Creizenach aufbewahrt.