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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-10-02 · Heft 40 (2.10.1843) · p. Seite 591

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 40 (2.10.1843)
Date
1843-10-02
Page
Seite 591 (sequence 3)
Language
German
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M ihrer Epoche möglichen geistigen Resultate "fanden, und Propheten wurden nicht nur für den engern Kreis ihrer Gkaubensbrüder, sondern für die Menschheit*). Unter den Einrichtungen jedoch, die mit der Verkündigung des Mofaismvs Hand Ln Hand gingen, bezweckten manche nur die Gründung 'einer priesterlich-theokratischen, von anderen Völkern streng geschiedenen Nationalität; andere konnten ihrem Wesen nach nur als symbolische Einkleidungen religiöser Ideen, oder endlich als Zivil-Einrichtungen für ein besonderes Land und eine besondere Zeit festgestellt erscheinen. Solche Gebote, die zunächst auf Kultur, Lebensweise, politische und hierarchische Verfassung der damaligen Israeliten berechnet waren, erhielten zwar durch Anlehnung an die Religion eine höhere Geltung und Weihe, so wie sie rückwirkend dieser eine nationelle, alles Fremde ausschließende Form gaben. Als aber im Laufe der Geschichte der israelitische Staatsverband unterging, mußte auch diese Beziehung erlöschen. So fiel der größere Theil der mosaischen Vorschriften und Gesetze von selbst zusammen, unter denen hier die Anordnungen über Grundbesitz, Volkseintheilung, Bevorrechtungen der Priester und der Leviten genannt sein mögen, so wie jene, die mit dem Tempel- und Opferdienst, oder mit dem Straf- und Vergeitungsrecht in Verbindung stehen. Man hätte denken sollen, daß auch manche, Absonderung bezweckende Zeremonial- Gebräuche nun in Vergessenheit gerathen wären; allein dem Volke, das zum höchsten Gedankenschwung keineswegs reif war, schmeichelte sich das liturgische und asketische Außenwerk leichter ein und wurde seiner Gewöhnung vertrauter, als die zu Grunde liegenden ewigen Wahrheiten.« Indem. man den Mosaismus, abgetrennt von Stgat und Hierarchie, zu erhalten sich verpflichtet sah, legte man dem Ritualgesetz, im Widerspruch mit dem Geist und dem Worte der alten Propheten, einen selbstständigen, von seinem Einfluß auf das sittliche Leben unabhängigen Werth bei**). Auf die Ausbildung und Erweiterung solcher Vorschriften wendeten Rabbinen und Schriftgelehrte ganz besonders ihre *) Unmöglich können wir dies zugestehen! Wer sich nur am Geistigen hielt, und das Aeußere vernichten wollte, der trat aus der jüdischen Religionsgemeinschaft heraus, wie Spinoza, auf den hier wol hingewieseu werden sollte. — Als Gegensatz wollen wir nur Mendelssohn anführen. **) Das ist nie geschehen, die Zeremonien sollten immer nur „ein Zaum um die Wahrheit, eine Hülle um die Frucht" sein. “ > Aufmerksamkeit. Bald wurde durch mißverstanden« 'Lehren und menschlich unvollkommene Satzungen, durch willkürliche Zuthat und subjektiv beschränkte Auffassung der geistige Gehalt des Judenthums getrübt und entwürdigt*). Diese äußerliche Richtung wurde noch vorherrschender, als die Juden unter alle Völker, zerstreut wurden, als ein unduldsamer Druck sie streng auf sich beschränkte, und durch Gegenwirkung eine Sehnsucht nach dem Verlorenen hervorrief; durch blindes Anklammern an'jede, auch die geringste Aenßerlichkeit suchte man das Gerettete zu bewahren und zu sichern. Dieses Streben mußte aber bei der beschränkten Bildung jener Zeit oft genug zu Satzungen führen, die mit einer fortgeschrittenen Kultur in grellem Widerspruche stehen, ja zuweilen dem Anstandsgefühl, den rein sittlichen Begriffen oder dem gesunden Menschensinne zuwider sind**). Wenn im israelitischen Staate der Mosaismus gewisser ausschließender Formen, dem Bilderdienst und dem niedern sittlichen Standpunkte der heidnischen Nachbarvölker gegenüber, allerdings bedurfte, so war es vollkommen unstatthaft, und nur wol durch den äußeren Druck zu erklären, daß das Zudenthum solche Elemente noch inmitten der europäischen Gesittung mit Aengstlichkeit festhielt: Der unausgesetzten Fortdauer dieses Bestrebens ist es zuzuschreiben, wenn über das Wesen des Judenthums im Allgemeinen und über manche Einzelheiten in'S Besondere, bei anderen Konfessionen und bei der nichttheolögifchen Menge ein falsches Urtheil sich festsetzte, das feinen Anhängern nur schaden konnte. So gewöhnte man sich daran, den Ursprung der besonderen Lebensweise der Juden in ihrer Abneigung gegen Andersgläubige zu suchen; so betrachtete die gewöhnliche Meinung den Gebrauch der Beschneidung *) Der geistige Gehalt konnte weder getrübt noch entwürdigt werden. Die Lehrer der Religion eiferten nur, daß man die Hülle nicht für die Frucht ansehe, um bei unserm Gleichniß zu bleiben. **) Anstandsgefühl ist oft relativer Natur; nicht das geringste Zeremoniell aber war der wahren Sittlich ke i t — welche die jüdische Religion mehr wie jede andere streng bewahrte — entgegen; die Vorschriften hes Barttragens z. B. konnten in einer Zeit nicht auffallen, wo Alles Bärte trug; ursprünglich war auch die. (Srenze solcher äußeren Trauer vom Urtheil des Nächsten bedingt, denn nicht einmal das ästhetische Gefühl sollte darunter leiden. — Was sonst hier gemeint, wissen wir nicht.. — Soll vielleicht von der Beschneidung die Rede sein, dann verweise ich auf Jean Paul's Levana §. 128,

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