Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1843)
- Date
- 1843-10-02
- Page
- Seite 590 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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590 gen: welches sind seine Prinzipien? bleibt er im Judeathum? tritt er aus demselben heraus? welche Glaubenssätze nimmt? er> aÄ? wekhe' vehKirft. ttf unter welchen Formen soll er bestehen? was hat man zu thun, zu beobachten , um sich zu diesem Verband rechnen zu dürfen? wer endlich ist der Stifter, der Reformator, von dem die Idee ausgeht? oder, da das Ganze eher einer Aktie'" gesellschaft als einer Religion oder dergleichen ähnelt, welches ist das'leitende Direktorium, welches sind die Männer, deren Weisheit wir die Aufklärung der Welt zu danken haben? und welches nun all' die Fragen sind, auf deren Beantwortung die Welt begierig? — Doch erwarten Sie keine Antwort auf all' diese Fragen, das Ganze gleicht einem Possenspiel, und wer will den Schlüssel dazu finden? Die Fakta sind folgende: hier in der Stadt und Ln Bockenheim wurden die erwähnten Drucksachen den Leuten in's Haus geschickt mit den Worten: eine schöne Empfehlung von Herrn vr. Goldschmidt! Was soll' das heißen? Herr G. ist Advokat, handelt es sich etwa um einen fetten Prozeß? — Auch in die Fremde schickte man sie, letztere Briefe hatten doch wenigstens eine Unterschrift, sie waren uämlich Joseph Rütten unterzeichnet. Wer ist dieser Herr? Ein hiesiger Kaufmann, von dem die Welt nichts weiß! Warum giebt der Stifter feinen Namen nicht her? Ist es Bescheidenheit- oder schämt er sich seines Werkes? — Einige andere Exemplare, die in die Fremde gewandert, sollen auch noch von anderen Personen unterzeichnet sein; die ich gesehen, waren Joseph Rütten unterschrieben Doch hier folgt das Programm; ich habe mir erlaubt, das Ganze mit meinen Anmerkungen zu versehen, ich wollte mir das Vergnügen nicht versagen, die Herren Reformer zu kommentiren, denn sie machen sich mitunter schwer verständlich!! — Nachschrift. Heute wurde hier ein zweiter Abdruck der Programme vertheilt, auf bläulichem Papier gedruckt. Die Worte der Unterschrift „in deren Namen" waren weggelassen und in einer Ecke stand die Bemerkung, daß man sie nach einigen Tagen wieder abholen lassen würde. — Dies ist die Art und Weise, auf welche in Frankfurt eine Religion gestiftet, oder vielmehr abgeschafft werden soll. — „Programm zu einer Erklärung deutscher Israeliten. Freunde» religiöser Reform im Zudenthum zur Beherzigung vorgelegt. 1843." *) Unter den verschiedenen geistigen Institutionen, welche *) Dieses Programm wurde früher als Manuskript umdie Weltgeschichte entstehen sah, hat sich der mosaische Glaube in großqrtiger Weife historisch bewährt. Di§ Religion^ die Moses verkündete zueiner Zeit, wo die-Völker umher in die Nacht d'es Heidenthuws versunken Karen, wo Menschenopfer, Zauberet und gräuenvoller Geheimdienst geübt wurden: diese Religion hat eine kleine Schaar von Anhängern durch alle Phasen der Weltgeschichte geleitet und unter den verschiedensten äußeren Einflüssen stets aufrecht erhalten. Dir Einführung jener ewigen Gotteswahrheit, die dem israelitischen Volk zum Leitstern und zur Vereinigung dienen sollte, wurde durch Gesetze und Gebote befördert, deren manche in den entferntesten Perioden menschheitlicher Entwickelung ihre Zweckmäßigkeit bewiesen haben, ja für einen großen Thrit der gebildeten Nationen ethische Bedürfnisse geworden sind;- so vor Allen die Feier eines öffentlichen Ruhetags. Der Mosaismus war nicht nur das Höchste, wozu die Abstraktion, der denkende Geist sich bei jenen Urvölkern emporfchwingen konnte; er war eine höhere Offenbarung dieses Geistes selbst* * **)); er schaffte der vernunftgemäßen Gotteslehre ihre Geltung unter den trüben, geheimuißvollen Wahnlehren jener Zeit; er setzte die höchsten Wahrheiten in ihre Rechte ein, indem er ihnen einen göttlichen Ursprung zufprach. So ist dem mosaischen Glauben eine fortwährende Bildungsfähigkeit uranfänglich beiwohnend,. und so ist es zu erklären, daß er vielfach in der Weltgeschichte getrübt und verunstaltet wurde und dennoch nicht unterging*"). Daher haben zu verschiedenen Zeiten der jüdischen Religionsgemeinschaft Männer angehört, die, vom Mosaismus ausgehend, die höchsten hergeschickt; es ist allerdings sehr unschuldig in seiner Art, obgleich Unbestimmtheit, Oberflächlichkeit und Widersprüche oben auf liegen; darum waren demselben auch die bekannten Briefe zur besseren Motivirung bekgegeben. *) Wir sind weit entfernt, das Programm vom orthodoxen Standpunkte aus beurtheilen zu wollen; diese Stelle aber scheint uns auffallend; eine höhere Offenbarung dieses Geistes soll doch heißen des denkenden (menschlichen) Geistes, warum also eine höhere Offenbarung? **) Wo liegt hier der Beweis, daß dem mosaischen Glauben Bildungsfähigkeit uranfänglich beiwohnte, ist das Höchste des denkenden Geistes so biegsam und veränderbar? Offenbar ist hier Glauben und Erkenntniß mit der äußeren Form verwechselt. — Weil er däs Höchste des Geistes war, konnte er nicht untergehen, er müßte ewig' dauern, wie der Geist selbst.