Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-09-25 · Heft 39 (25.9.1843) · p. Seite 586

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 39 (25.9.1843)
Date
1843-09-25
Page
Seite 586 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225321--05532-3236191
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

terbrochrn, oder auch nur die Disziplin erschwert hatte. Man trenne die Anhänger der verschiedenen religiösen Bekenntnisse durch eine recht tiefe Kluft von einander,— und ihre gegenseitigen Vorurtheile yierdm verewigt; man bringe sie in recht nahe Berührung, und Zeder wird heniüht sein dem Andern sein Glaub ensprin zip recht achtbar erscheinen zu lassen, und Jeder wird den Andern — picht dulden allein, sondern achten. — Bon solchen Grundsätzen beseelt, dürfen wir. versichern, daß die Pflege des religiösen Sinnes bei uns sicher nicht minder nachhaltig sich zeigt als da, wo noch immer von Absonderung und jüdischer Nationalität die Rede, ist, Erscheinungen, die das Leben auf einer gewissen Bildungsstufe entschieden von sich weist und von sich weisen muß, wofern wir nicht in unzählige Widersprüche uns verwickeln wollen, ohne daß jedoch auf diesem freiem Standpunkte unserer religiösen Selbstständigkeit das Geringste vergeben zu werden braucht. Was uns bei der Förderung eines echt religiösen Geistes unter unsrrn Schülern vorzugsweise Vorschub leistet, das ist das Vorhandensein des herrlichen, zur Anstalt gehörigen Tempels. Die gottesdienstlichen Einrichtungen in demselben sind der Art, daß noch kein Urtheilsfahiger dieses Heiligthum unbefriedigt verlassen hat. Die hier eingeführten Verbesserungen und Abkürzungen gehören in diejenige Kategorie, über deren Zulässigkeit kein beachtenswerther Zweifel mehr obwaltet. Manches Hülfsmittel zur Verherrlichung des Kultus steht uns zu Gebote, wie es anderswo nicht leicht vorhanden ist. Dahin gehört ein gegenwärtig aus 72 Knaben bestehender Chor, auf dessen Einübung die größtmögliche Sorgfalt gewandt wird. — Einen tief eingreifenden Einfluß auf das ganze religiöse Leben dürfen wir uns von dem Akt der Einsegnung versprechen, wie derselbe hier begangene wird. Was die Wirkung bedeutend erhöhen muß, das ist nämlich der Umstand, daß es hier derselbe Mann ist, welcher Vaterstelle bei dem Knaben vertritt/ seine ganze Erziehung und Ausbildung leitet und ihn auch zu dieser „Feier des reifern religiösen Bewusttseln" (wie man die Konfirmation von unserm Standpunkte aus bezeichnen könnte) hinführt. Diese Feierlichkeit ist auch in den letzten beiden Jahren, 1842 mit zehn Knaben und zwei Mädchen, in diesem Jahre mit vierzehn Knaben, am ersten Tage des Wochenfestes besangen worden. — Das vorige Mal behandelte die einleitende Predigt das Thema: „Die Religion ist Bund mit Gott/' Text: V B. Mos. 5, 2 m 3, das letzte Mal war'der Hauptgedanke: „die Religion die wichtigste. Angelegenheit unseres Lebens," der Text: V Mos. 32, 45—47. Sachkenner dürften vielleicht hei der Gestaltung unseres Gottesdienstes nicht mit Unrecht eine hinlängliche Rücksichtsnahme auf das, spezielle Bedürfniß des jugendlichen Publikums vermissen, für welches das Gotteshaus ohne Zweifel zunächst und vorzugsweise bestimmt ist,und namentlich den Gottesdienst noch immer zu lang finden,, da jeder Pädagog und Menschenkenner zugehen muß, daß von Kindern eine allzu lange anhaltende Andacht fordern, dem Wesen der. Andacht und der Natur der Jugend auf gleiche Weise widerspricht und zur.Ertödtung aller wahren Andacht führen muß. Wenn die Verwaltung,, trotz dieses Zugeständnisses, dennoch bei Feststellung der gottesdienstlichen Ordnung so wenig als möglich von dem Herkömmlichen abgewichen ist, so geschah es, um auch den Schein eines willkürlichen Verfahrens zu meiden (obschon sie auf einem völlig, eigenthümlichen und dabei ganz privativen Boden steht), insbesondere aber um ihre Pflegebefohlenen den heimischen und gewöhnlichen Kultusformen nicht zu entfremden. Vielleicht ist jedoch die Zeit nicht allzufern, in welcher der 'Wetteifer in unfern Synagogen darauf gerichtet sein wird — am wenigsten zu sagen, aber am meisten dabei zu denken und zu fühlen. Fühlen wir uns kndeß keineswegs berufen in religiösen Verhältnissen eigenmächtig wesentliche Aenderungen vorzunehmen, so erachten wir es um so mehr für der Tendenz unserer Stiftung entsprechend — und dessen machen wir kein Hehl die uns anvectryute. Jugend im. Geiste des besonnenen -religiösen Fortschritts zu erziehen, die Gemüther für die Vergeistigung unftM religiösen Formen empfänglich zu machen und auf eine fest begründete Einigung des religiösen Bewußtseins mit den unabweisbaren Forderungen des Lebens hinzuarbeiten. Es wird immer mehr Pflicht der Jugendbkldner sich über dergleichen redlich und unumwunden auszusprechen, < damit, die ihnen vertrauen, wissen, woran sie sich zu halten haben. — Und so dürfen wir uns von dev.innigen Verbindung zwischen unserer Erziehungsanstalt Md unserem Tempel, unter Gottes Beistand/ einen immerwachsenden Segen versprechen. Diese Verbindung war es, die so ganz die Gesinnungen untz das. Streben unseres verewigten Stifters charaßteriW.-...Zfr.ael I.qk o b so n war esder den, seitdem tausendfach Wiederholten und bewährten Gedanken, HM von einer angemessen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.