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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-09-25 · Heft 39 (25.9.1843) · p. Seite 585

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 39 (25.9.1843)
Date
1843-09-25
Page
Seite 585 (sequence 9)
Language
German
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585 den erklären und den gegenwärtigen Stand der Jakobsonsschule im Allgemeinen einen befriedigenden nennen; namentlich ist die unermüdliche Bereitwilligkeit und Tätigkeit der Kuratoren der Anstalt , der beiden ältesten Söhne des verewigten Stifters, um das herrliche Denkmal des kindlich verehrten Vaters würdig zu erhalten, auf das Dankbarste anzuerkennen; allein wir stellen dabei keinesweges in Abrede, daß uns noch Mancherlei zu thun übrig bleibt, wenn das Institut immer mehr und mehr all das Gute vollbringen soll, wozu es die Keime in sich tragt; wenn namentlich die Freizöglinge des vollen Segens theilhaft werden sollen, zu dem eine bessere Erziehung den Grund legt. Dies ist ein Punkt, über den hier noch einige Worte gestattet sein mögen. Die Bestimmung und die Mittel unserer Erziehungsanstalt gestatten nur den Knaben bis zum zurückgelegten fünfzehnten oder sechszehnten Jahre, d. i. bis zu dem Zeitpunkte, der den Uebergang zu einer speziellen Berufsbildung nothwendkg macht, möglichst vollständig auszubilden. Es wird dabei nicht bloß auf die Erfordernisse der Religion und des bürgerlichen Lebens überhaupt, sondern auch -7so weit als möglich — auf den künftigen Stand des Schülers Rücksicht genommen; wir suchen auch auf eine, seinen Kräften und Aussichten entsprechende Berufsart möglichst einzuwirken; allein über diesen Wirkungskreis hinaus reichen unsere Kräfte nicht. Wir vermögen nicht d/n Zögling, so sehr wir es wünschten, in das -praktische Leben einzuführen, bis zu der Bahn zu geleiten, auf der ihm die Früchte der erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten, der allgemeinen Kraftentwickelung und Vorbildung erst gesichert werden kön-; m». Mit Besorgniß sehen wir tüchtige, zu den schönsten Erwartungen berechtigende Jünglinge, wenn sie uns verlassen, -Verhältnissen entgegengehen, die keineswegs geeignet sind, auf dem hiergelegten Grunde weiter fortzubauen. Häusliche Armuth, oft auch bürgerliche Beschränkung empfängt die Heimkehrenden, und tritt ih- >nen bei ihrer Berufswahl hemmend entgegen. Welches Unterkommen sie finden, welchem Gewerbe sie sich widmen, daS bestimmen in der Regel äußere Umstände und Zufälligkeiten. Nur einzelnen kann hin und wieder von hieraus durch Verwendung, Empfehlung öder sonstige Unterstützung noch Vorschub gethan werden. Uns stehen keine Vereine zur Seitedie der Entlassenen und Verlassenen sich annehmm Und zur Erlernung eines ehrenvollen Berufes Gelegenheit bieten. Um unsere armen Zöglinge so weit zu führen, bis zur praktischen Brauchbarkeit im bürgerlichen Leben zu unterstützen, und auf diese Weise was Erziehung und Unterricht begonnen zu ergänzen und zu vervollständigen, — dazu wäre ein neuer Fond nöthig. Hier ist ein Feld, auf dem ein Begüterter, von Jakobsonschem Geiste beseelt, sich noch einunsterbliches Verdienst erwerben kann. Und wo ließe sich eine Wohlthat mit mehr begründeter Hoffnung auf den segensreichsten Erfolg üben, als da, wo man aus der Hand des Erziehers, den sorgsam herangebildeten Zögling zur weitern Pflege für das Leben entgegen nimmt?- Einstweilen ist es uns erfreulich, daß mitunter achtbare Handlungshäuser Lehrlinge bei uns suchen. Freilich hat die-Abschließung der Kontrakte nach entfernten Orten hin für die Direktion ihre Schwierigkeit, und muß — um Mißgriffen vorzubeugen — meist den Eltern der Knaben überlassen werden. Auch wäre es für ganz Arme höchst wünschenswerth, wenn wohlhabende Prinzipale den Lehrlingen neben Kost und Wohnung — bei fünfjähriger Lehrzeit — auch Kleidung bewilligen wollten. Diese zu liefern fallt unbemittelten Eltern oft . in demselben Grade schwer, als begüterten Geschäftsmännern leicht werden dürfte. Und sollte dieses Opfer sich nicht in der Regel durch die verlängerte Lehrzeit, so wie durch den zu erwartenden größeren Diensteifer eines ausgestellten armen Burschen belohnen? — Doch dürfen wir endlich auch nicht verhehlen, daß wir es der Ten- .denz unserer Stiftung angemessen halten, möglichst dahin zu wirken, daß die Mehrzahl unserer Zöglinge sich nicht dem Handel zuwende, sondern Handwerken, technischen Gewerben, Künsten oder auch dem Lehrfache, namentlich dem Volksschullehrer-Berufe. Zum Schluß noch einige Bemerkungen über unsere religiösen und' gottesdienstlichen Angelegenheiten. Daß die gemeinsame Erziehung von Kindern verschiedener Religion, bei rechter Behandlung, keinerlei Nachtheil — auch auf den religiösen Geist keinen — übt; -daß es vielmehr auf die Bildung des Charakters und der Gesinnung höchst vorteilhaft wirkt, wenn die verschiedensten Elemente, die das Leben mit einander in Berührung bringt, die Verschiedenheit rühre nun von Stand, Vermögen oder Religion her, schon in früher Jugend sich einander nähern, das wird auf unserem Standpunkte mehr und mehr thatsächlkch und unwiderleglich dargethan. Auch nicht ein einziges Beispiel ist vorgekömmen, daß diese Mischung die Eintracht gestört, die gleichartige, gesetzmäßige Ordnung, die das Ganze umschlingt-' ritt- 39*

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