Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1843)
- Date
- 1843-09-25
- Page
- Seite 584 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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584 der Freistellen, trotz immerwährender, zum Theil kostspieliger Verbesserung des Lokals,. beständiger Vermehrung des Lehrerpersonals und der Lehrmittel', so wie vieler Extraausgaben, schon jetzt auf 22 (neben vielen Freischülern) zu erhöhen und die Hinzufügung von noch drei solcher Stellen für die nächste Zukunft zu beschließen. — Leider wird es bei dem starken Andrange zu den Freistellen immer nur möglich sein, einen kleinen Theil der eingehenden Bewerbungen zu berücksichtigen, wobei der Grad der Hülfsbedürftigkeit und Tüchtigkeit der Aspiranten den Ausschlag giebt. — ' Das Maximum der in die Anstalt Aufzunehmenden ist vorläufig, den vorhandenen Räumen angemessen, auf 75, der Schüler auf 85, mithin der Gesammtzahl auf 160 beschränkt worden. Eine nahe liegende Erweiterung des Lokals ist in Aussicht gestellt"). Uebrigens wird die Zahl der Klassen und der Lehrer immer verhältnißmäßig vermehrt und so ist eine Ueberfüllung auf keinen Fall, zu befürchten. Schon zu Michaeli d. I. steht die Einrichtung einer vierten Klasse, neben Anstellung eines neuen Lehrers, bevor. Bis jetzt wurde der Unterricht der drei Klassen von sieben Lehrern ertheilt. Von diesen wohnen, außer dem Direkter und Hausvater noch drei in der Anstalt und führen zugleich die häusliche Inspektion. — In dem Lehrerpersonal sind folgende Aenderungen eingetreten. Zu Ostern 1842 gingen die Herren W. Wolfsohn und H. Goldberg ab. Ersterer wurde durch Herrn C. Lang ersetzt, an die Stelle des Letzteren trat zu Michaeli 1842 Herr I. M. Stern, zugleich als Vorbeter an dem zur Anstalt gehörigen Tempel. — Als Zeichenlehrer für die dritte Klaffe wurde Herr Fr. Hartwiegk gewonnen. — Die Lehrgegenstände sind in allen Klaffen dieselben geblieben und konnte eine immer größere Sorgfalt auf die genaue Feststellung der einzelnen Klassenziele und die Vertheilung des 1 ^jährigen Kursus in drei halbjährige Pensa gewendet werden. Neben der intellektuellen Ausbildung unserer *) Um der hierdurch bevorstehenden außerordentlichen Ausgaben willen mußte das Kostgeld für die Pensionäre wiederum auf die bereits in den Statuten angegebene Summe von 120 Thlr. jährlich festgestellt werden. Psiegebefohlenen lassen wir uns die sittliche Veredlung und physische Tüchtigkeit derselben nicht weniger angelegen sein. Als die wirksamsten Mittel zur Erreichung beider Zwecke betrachten wir eine beständige Aufsicht-konsequente Handhabung einer gesetzlich feststehenden Disziplin, streng geregelte Lebensweise, -einfache, dem jugendlichen Alter angemessene Kost, die sorgfältigste Reinlichkeit, tägliche Bewegung im Freien und regelmäßige Turnübungen"). Als ein vorzügliches diätetisches Mittel dient uns eine im vorigen Jahre angelegtr W asserbrause (Regenbad und Douche), die täglich benutzt wird. Nächst dem göttlichen Beistände verdanken wir dieser Leb'ensordnung, so wie der Trefflichkeit unserer Bergluft und unseres Wassers, den fast ununterbrochen vorzüglich günstigen Gesundheitszustand unserer Knaben. — Das jugendliche heitere Zusammenleben wird noch durch mancherlei Einrichtungen befördert, die' in der letzten Zeit theils vermehrt, theils mehr geregelt worden sind. Hierzu gehört, außer häufigen Exkursionen, eine jährlich einmal unternommene größere Harztour, die Benutzung einer durch die Güte des ältern Kurators Herrn M. Jakobson, im Schulgarten angelegten Kegelbahn, die Aufführung kleiner passender Jugend-Schauspiele durch die Knaben (was jedoch höchstens zweimal im Jahre geschieht), und im Winterhalbjahre die Abhaltung eines monatlichen Aktus zur Uebung des Vortrages in allen sechs , in der Anstalt betriebenen Sprachen, so wie im Gesang und in der Instrumentalmusik. Der Tonkunst steht ferner ein neuer Aufschwung bevor, indem auf Michaelis d. I. einbesonderer Musiklehrer engagirt. ist, der zugleich die Stelle eines Organisten im Tempel bekleiden wird. — Mögen denn diese kurzen thatsächlichen Angaben genügen, Um die Grundzüge eines nicht unerfreulichen, jugendlich-lebendigen Gemäldes zu bilden, auf das der Jugend- und Menschenfreund mit Theilnahme blickt. Mögen diese wenigen Andeutungen hinreichen in jedem Verehrer Israel Jakobson's und seiner hochherzigen Bestrebungen, die so viel Gutes thatsachlich angeregt haben, die Ueberzeugung zu erneuen, daß zur Verwirklichung seiner edeln Absichten'von seinen Nachfolgern und Jüngern das Mögliche geschieht. Wol dürfen auch wir, die Vollstrecker des edeln Jakobsonschen Vermächtnisses, mit den bisher erlangten Resultaten uns zufrie-^ *) Unser Turnplatz ist im I. 1838 angelegt.