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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-09-18 · Heft 38 (18.9.1843) · p. Seite 573

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 38 (18.9.1843)
Date
1843-09-18
Page
Seite 573 (sequence 13)
Language
German
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573 zu predidlgen erlaubte, während er gewöhnlich eine sogenannte Derascha hielt. — Durch den Tod der beiden Rabbiner sind nun wieder zwei Rabbinatsstellen in Mähren vakant, die allem Anscheine nach mit Rabbinen aus der neuen Schule werden besetzt werden. Allein welchen Kampf wird dies noch kosten! denn trotz^dern, daß das neueste Gesetz in Mähren die Anstellung gebildeter Rabbiner verordnet, so werden die an Machinationen unerschöpflichen Alten schon einen Weg zu finden wissen, um das Gesetz umgehen zu können. — Zn Kremsier gab eben das neue Gesetz über das Rabbinenwesen in Mähren zu einer Szene in der Synagoge Veranlassung, die jener Gemeinde durchaus nicht zur Ehre gereicht. Der Rabbiner daselbst, Herr Gläser, ist moch aus der Bendikt'schen Schule in Mähren und ist daher der deutschen Rede nicht mächtig. Wie nun jetzt fast überall alte und neue Elemente in Konflikt gerathen, so hat auch der erwähnte Rabbiner zu .Kremsier eine Gegenpartei, die aber roh genug, ihm bei jeder möglichen Gelegenheit zu schaden sucht. Die Promulgation des neuen Gesetzes über das Rabbinenwesen bot eine so köstliche Gelegenheit. Die Gegenpartei drang nämlich darauf, daß der Rabbiner predigen müsse. Der gute Mann mußte sich fü- ,gen und versprach eine Predigt, zu der viele christliche Beamte und Geistliche geladen wurden. Der Sabbat nahte Heran, viele Zuhörer "fanden sich in der Synagoge ein, der Rabbiner betrat die Kanzel und — genug, es war ein tato biito. Rein, meine Herren in Kremsier, nicht Euern Rabbiner, sondern Euch, Eure Religion habt ihr prostituirt. Die Juden in Mähren werden genug verhöhnt und verspottet, wozu noch selbst Veranlassung auf eine so entwürdigende Weise zu geben? — Doch genug des traurigen und wahrhaft Betrübenden; ich will zu etwas Erfreulichen übergehen. Sie werden vielleicht über folgende Nachricht lächeln, allein sie ist das einzige Erfreuliche, das ich Ihnen diesmal mittheilen kann. Es ist nämlich bereits bekannt, daß die bedeutendste Rabbinatsstelle in Nikolsburg vakant ist. Vor einigen Wochen nun schickte die dortige Gemeinde einige Depütirte an Dr. Wahrmann in Wischnitze — der, wenn ich nicht irre, der Sohn des verstorbenen Pesther Rabbinen ist — um mit demselben über die Bedingungen, unter denen er das RabbinaL annehmen wolle, zu unterhandeln. Dieser hat sich nun unter. Anderm folgende zwei Punkte bedungen: L) daß er keinen.Bart zu tragen brauche, und 2) daß ihm blos ein fixer Gehalt angewiesen werde. Wer die bezwingende Macht der Bärte in Mähren kennt, wer da weiß, daß. der Bart bis jetzt die coväitio sine qua non eines Rabbiners war, der muß einerseits über den Muth des Dr. Wahrmann, einen so fest gewurzelten Minhag aboliren zu wollen, staunen und andererseits sich darüber freuen, daß unsere Rabbiner nicht mehr nöthig haben, sogenannte „lions" zu sein. — Aber auch die zweite Bedingung ist erfreulich, indem die Stellung der Rabbiner in Desterreich überhaupt bettelhaft ist und der Rabbiner oft aus pekuniären Rücksichten so Manches, das ihm Gegner unter den Rei- . chen zuziehen könnte, unterlassen muß. — Sie sehen, daß in Mähren verschiedene Ereignisse zusammentreffen, um dem Rabbinenwesen eine andere — ob bessere oder schlimmere, wird die Zukunft entscheiden — Gestaltung zu geben. Pesth, J. September. - (Privatmitth.) Das Schreiben unseres Hrrrn Landsmannes Wider die um sich greifende Flamme der Missionäre zeigt, daß wir noch in unserem Vaterlande eifrige Verfechter, des mit dem Blute unserer Vorfahren erkauften heiligen Glaubens besitzen, und ich muß es gestehn, daß ich unfern unbekannten Freund verehre. Allein ich muß es unserm edlen Bruder zum Tröste zu erkennen geben, daß die Missionsflamme nur den Zunder, aber keine unverletzte Stoffe anzugreifen vermag, und uns nur unbedeutende nicht zum Gotte Israels, sondern zum goldenen Kalbe sich bekennende Israeliten entriß. Unser' Verlust ist wirklich nicht groß, ich glaube, daß es vielmehr zum Vortheile unserer Nation dienen werde, die schon in Fäulniß übergangenen Früchte aus unserer Mitte verbannt zu sehen, -so haben wir wenigstens keine tödliche Kontagion zu befürchten. Wenn auch mancher junge Israelit durch die Anlockungen der . Sinnlichkeit zur Verabsaumung mancher religiöser Pflichten hingerissen wird, er wird doch Ln unserm Höre Israels wenn er manchen Moment zu seiner Selbstbetrachtung verwendet, seinen größten Trost und die höchste Seelenruhe finden;.wenn er nur das Göttliche', das was ihn zum Menschen macht, nicht wie diese für das Sinnliche leicht vertauscht. Verwirft er aber

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