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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-09-18 · Heft 38 (18.9.1843) · p. Seite 572

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 38 (18.9.1843)
Date
1843-09-18
Page
Seite 572 (sequence 12)
Language
German
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572 habe. Es haben auch mehrere Redner sich erklärt, daß die Juden, nicht Richter sein können, weil in den Richterstuben das Symbol des Christenthums hange. Was thun wir denn aber, wenn wir darauf antragen, daß die Juden gleiche Rechte haben sollen? Wir erklären ja dadurch nichts, als daß die Juden die Fähigkeit besitzen sollen, zu allen Ehrenstellen, befördert zu werden; sie werden deshalb nicht gleich zu Richtern, Präsidenten und Ministern wirklich erhoben werden, es werden eben so, wie unter den Christen, nur einzelne und würdige emporgehoben werden; Emanzipation heißewenn die höher Stehenden die Unteren Heraufziehen zu sich, nicht aber sich absondern. Die Juden. sollen allmalig sich selbst emanzipiren, um die Erhebung der Einzelnen erwarten zu dürfen. Für unsere Provinz sei dies übrigens nicht erheblich, da die Juden nur 1 pCt. der Bevölkerung betragen. Es habe sich ferner ein Redner dahin ausgesprochen, den Juden da, . wo sie sind, gleiche bürgerliche Rechte zu verleihen, ihnen aber nicht die Freizügigkeit zu gestatten. Allein man kann sie doch nicht an die Scholle binden,, sie müssen das Recht haben, sich den Unterhalt zu' suchen, wo sie glauben, ihn finden zu können. (Schluß folgt.)^ Oesterreich. Äus Mähren, 1/September. (Privatmitth.) Ein wehmüthiges Gefühl bemächtigt sich meiner, während ich daran, gehe, Ihnen über die letzten Ereignisse in Mähren zu berichten. Der Tod zweier jungen Rabbiner, trauernde Wittwen und verlassene Waisen, Gemeindezwistigkeiten, diese bilden die Themata meines gegenwärtigen Berichtes. Kojetein, Ungarisch-Brod, Kremsier sind die drei Schauplätze dieser betrübenden Vorfälle. In Kojetein wurde vor einigen Monaten Herr Karpeles aus Boscowitz, ein junger auch wissenschaftlich gebildeter Mann, durch die Empfehlungen Fassel's zum Rabbiner gewählt. Er genoß die Achtung seiner kleinen Gemeinde und konnte wol mit seinem Loose zufrieden sein. Am 13. August fiel er ein Opfer seines Edelmuths. Er mußte nämlich, um seinen schwächlichen Körper zu stärken, im Flusse baden. An dem bezeichneten Lage nun ging er, von einem jungen'Manne (tra) begleitet, an den Fluß, um wie gewöhnlich, zu baden. Ein Unstern wollte es, daß der junge Mann in einen heftigen Strudel gerieth. Auf den Hilferuf desselben schwamm der schwächliche Rabbiner aus allen Kräften an die gefahrvolle Stelle, rettete den Jüngling vom Waffertode, und — ertrank. Die Trauer der Gemeinde, den Schmerz der Familie zu schildern vermag ich nicht. — Am 14. wurde der Leichnam des Seelenhirten aus dem Wasser gezogen und unter Wehklagen der Gemeinde, unter Händeringen der Verwittweten und dem stummen Schmerz der unmündigen und lallenden Kinder zu Grabe getragen. Mehre Rabbiner — unter welchen-:auch Herr Fassel hielten Leichenreden. -11^22 i-plnn ö^nrt. — Eben so traurig ist der Tod des Rabbiners Kralowski in Ungarisch-Brod. Die Gemeinde daselbst, in die der Zankapfel der Eris gefallen-zu sein scheint und die ihrer immerwährenden Prozesse wegen in Mähren berüchtigt ist, hat das Unglück, daß ihr wahrend einiger Jahre drei Rabbiner gestorben, an deren Tod zum Theil die Zwistigkeiten und Wirren der Gemeinde Schuld sind. Der Vorgänger des seligen Rabbiners Kralowski, R. David' Buch heim seligen Andenkens, starb vor Verdruß über einen Prozeß, den ihm'einige leichtsinnige Gemeindeglieder— deren Namen - ich aus Nachsicht nicht nennen will — an den Hals warfen. Nach dem Tode desselben konnte man sich über die Wahl eines andern-geistlichen Vorstehers nicht einigen. Die Alten wollten einen talmudischen Dialektiker; die Jungen einen deutschen Rabbiner, d. h. in den meisten Städten der österreichischen Monarchie soviel als.ein Rabbiner, der deutsch sprechen kann. —^ Um aller Wirren vor der Hand ein Ende zu machen, wurde der erwähnte Herr Kralowski Mmi zeMeili-» gen Dajan gewählt. Kurz nachher^MchW — durch Mittel, die nicht vor die OeffentliWitgehören — als Rabbiner anerkannt. Die Parteiungen dauerten aber immer fort. Sein ohnedies schwächlicher Körper erhielt durch das Herzleid, das ihm seine — Gegner zufügten, den letzten Stoß, und so gab er am IS. August seinen Geist auf.' Er besaß zwar wenig deutsche Bildung, war aber gegen Andersgesinnte sehr tolerant. Seine Toleranz bewährte sich vorzüglich, als er zwei Söhnen eines seiner frühem Gegner — des Herrn Jsak Löb Jett nie k

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